top of page

600.000-Euro-Verkauf geplatzt: Michendorf bleibt auf altem Rathaus sitzen

Michendorf – Der Verkauf schien bereits beschlossen, die neuen Eigentümer standen fest – doch nun ist der Deal geplatzt. Das frühere Verwaltungsgebäude in der Potsdamer Straße 33 bleibt vorerst im Eigentum der Gemeinde Michendorf. Jetzt muss das historische Haus erneut ausgeschrieben werden.


Wie die MAZ berichtet, kam der Kaufvertrag mit zwei Interessenten nicht zustande, obwohl die Gemeindevertretung dem Verkauf bereits im März hinter verschlossenen Türen zugestimmt hatte. Die beiden Geschäftspartner hätten die Immobilie gemeinsam erwerben, sanieren und anschließend unterschiedlich nutzen wollen. Geplant gewesen seien möblierte Wohnungen oder Zimmer, Beratungsbüros sowie eine Tanz- und Ballettschule.


Hohe Investitionen stoppen den Verkauf

Nach Informationen der MAZ hätten die Interessenten offenbar Zweifel bekommen, ob sich die notwendigen Sanierungs- und Umbauarbeiten wirtschaftlich tragen lassen. Das Gebäude muss nun erneut auf den Markt gebracht werden.


Die Verwaltung bereite bereits eine neue Ausschreibung vor heißt es in der Märkischen Allgemeinen. Ein besonders detailliertes Nutzungskonzept soll dabei offenbar nicht verlangt werden. Sehr wahrscheinlich bleibt jedoch die bisherige Bedingung bestehen, dass das historische Gebäude nicht abgerissen werden darf.


Die sogenannte Dübener-Villa wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für den Michendorfer Bauunternehmer Gustav Dübener errichtet. Bis Ende September 2024 diente sie als Verwaltungsstandort. Seit dem Umzug der Gemeindeverwaltung in das neue Rathaus am Richard-Muth-Platz - welches von Kritikern auch als "Prestige-Bau" bezeichnet wird - steht das Haus leer.


Mindestpreis bereits deutlich gesunken

Auffällig ist auch die Entwicklung des Mindestgebots. Als die Gemeinde den Verkauf im Dezember 2024 öffentlich bekanntgab, sollten Interessenten mindestens 800.000 Euro bieten. Beim inzwischen gescheiterten Verkaufsverfahren lag das Mindestgebot laut MAZ nur noch bei rund 600.000 Euro – also etwa 200.000 Euro niedriger.


Einnahmen waren bereits eingeplant

Für den Gemeindehaushalt ist der geplatzte Verkauf mehr als eine ärgerliche Immobiliengeschichte. Die erwarteten Einnahmen waren bereits eingeplant.


Unmittelbare Kürzungen seien nach Angaben der Kämmerin dennoch nicht notwendig. Der Grund: Andere geplante Investitionen verzögerten sich. Insbesondere für die neue Zweifeldsporthalle an der Grund- und Oberschule Wilhelmshorst werde 2026 voraussichtlich weniger Geld ausgegeben als ursprünglich vorgesehen.


Das verschafft der Gemeinde Zeit, löst das Problem aber nicht. Die MIR hatte zuletzt wiederholt über den engen finanziellen Spielraum berichtet: Der Bürgerhaushalt bleibt ausgesetzt, das Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“ steht vor Sanierungskosten von bis zu 600.000 Euro und das geplante Mehrvereinsheim im alten Stückener Feuerwehrhaus wurde wegen der hohen Kosten praktisch gestoppt.


Vor diesem Hintergrund bleibt die Frage, welchen Erlös eine erneute Ausschreibung tatsächlich bringen kann – und ob die Gemeinde ihre bisherigen Preisvorstellungen erneut korrigieren muss.


Alte Umzugsgerüchte bekommen neue Brisanz

Der geplatzte Verkauf wirft auch eine frühere Standortfrage wieder auf. Die MIR hatte bereits im Frühjahr über das im Ort kursierende Gerücht berichtet, die Inobhutnahme- und Kriseninterventionsstelle aus der Wildenbrucher Waldheimstraße könne in das alte Rathaus nach Michendorf umziehen.


Damals hatte sich gezeigt, dass hinter dem Gerücht offenbar mehr steckte als bloße Spekulation. Nach Angaben von Anwohnern aus dem Umfeld des Trägers SHBB – Soziale Hilfen in Berlin und Brandenburg – sei das ehemalige Rathaus tatsächlich als möglicher neuer Standort geprüft worden. Auch aus Kreisen der Gemeindevertretung war bestätigt worden, dass entsprechende Überlegungen bestanden hätten.


Die Variante sei seinerzeit jedoch verworfen worden, weil die erforderliche Renovierung für den Träger wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen sei. Ob dabei ein Kauf, eine Anmietung oder ein anderes Nutzungsmodell vorgesehen war, wurde öffentlich nicht bekannt.


Bemerkenswert ist nun, dass offenbar auch der geplante Verkauf an die zuletzt ausgewählten Interessenten an den hohen Investitionskosten scheiterte. Damit wird der Sanierungsbedarf des Gebäudes erneut zum entscheidenden Hindernis für eine Nachnutzung.


Gleichzeitig besteht das Problem in Wildenbruch fort. Ein neuer Standort für die Einrichtung wurde bislang nicht öffentlich benannt. Die SHBB führt die Inobhutnahmestelle weiterhin in der Waldheimstraße, während Anwohner nach wie vor auf eine spürbare Entlastung warten.


Durch den gescheiterten Verkauf entsteht deshalb eine neue Lage. Sollte die Gemeinde den Kaufpreis, die Verkaufsbedingungen oder die Anforderungen an die künftige Nutzung verändern, könnte auch die bereits verworfene soziale Nutzung erneut prüfbar werden. Ob der Träger daran noch Interesse hätte, ist allerdings nicht bekannt.


Zweiter Anlauf mit vielen Fragen

Fest steht bislang nur: Das Gebäude bleibt vorerst Eigentum der Gemeinde, die erwarteten Einnahmen fließen nicht und die Suche nach einem tragfähigen Nutzungskonzept beginnt von vorn.

Kommentare


Kontakt zur Redaktion

Für Gastbeiträge, Pressemitteilungen, Veranstaltungseinladungen und redaktionelle Hinweise erreichen Sie die Redaktion der Michendorfer Rundschau unter redaktion@michendorfer-rundschau.de.

Gerne nehmen wir Informationen, Termine, Bildmaterial und Themenvorschläge aus Michendorf und den Ortsteilen entgegen. Bitte fügen Sie nach Möglichkeit alle relevanten Angaben sowie einen Ansprechpartner hinzu.

Logo (57).png
  • Facebook
  • Whatsapp
  • Instagram
  • X
  • LinkedIn
  • TikTok

Gemäß § 19 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) wird keine Mehrwertsteuer ausgewiesen, da unser Unternehmen der Kleinunternehmerregelung unterliegt.

 

Kontakt zur Redaktion: Redaktion@Michendorfer-Rundschau.de

© 2026 Michendorfer Rundschau | Gosciniak & Bettermann Ads & Publishing GbR | Impressum | Datenschutz

bottom of page