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Bürgerhaushalt auf Eis, Straßen kaputt, Apfelbaum teuer: Heute zeigt sich, wofür Michendorf noch Geld hat

Michendorf – Diese Sitzung wird keine Routine. Wenn die Gemeindevertretung am Montag, 6. Juli 2026, um 19 Uhr im Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“ zusammenkommt, geht es nicht nur um einzelne Beschlüsse. Es geht um die große Frage, die Michendorf seit Monaten begleitet: Was kann sich die Gemeinde noch leisten – und was fällt hinten runter?


Auf der Tagesordnung stehen Bürgerhaushalt, Jugendsozialarbeit, Sportstätten, Straßen, Bushaltestellen, Wirtschaftsförderung, Gebühren, der Apfelbaum selbst und mehrere Personal- und Vertretungsfragen. Viele Punkte wirken auf den ersten Blick technisch. Zusammengenommen ergeben sie aber ein klares Bild: Michendorf muss priorisieren.


Und genau das wird politisch spannend. Denn während freiwillige Leistungen weiter ausgesetzt oder gekürzt werden müssen, stehen gleichzeitig teure Pflichtaufgaben, Sanierungen und Investitionen an. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Am Montag wird wieder ein Stück sichtbarer, wo die Gemeindeverwaltung sparen muss, wo sie weiter Geld ausgeben will und wo die Bürger am Ende draufzahlen könnten.


Bürgerhaushalt erneut pausiert

Der wohl symbolträchtigste Punkt ist der Bürgerhaushalt. Die Gemeindevertretung soll auf Antrag des Rathauses beschließen, die Satzung zum Bürgerhaushalt für 2027 erneut auszusetzen.

Über eine mögliche Neufassung soll erst ab dem Haushaltsjahr 2028 neu beraten werden.

Bis Ende März 2027 könnten demnach Eckpunkte für ein überarbeitetes Verfahren vorgelegt werden.


Die Begründung ist klar: Die Haushaltslage bleibt angespannt - und bei mutmaßlich hohen Umlagen, sinkende Einnahmen und großen Pflichtaufgaben soll hier gespart werden. Außerdem verweist die Verwaltung auf die geringe Beteiligung am bisherigen Verfahren.


Formal scheint das nachvollziehbar. Politisch bleibt es heikel.

Denn der Bürgerhaushalt ist eines der wenigen Instrumente, bei denen Bürgerinnen und Bürger direkt Vorschläge einbringen und über kleinere Projekte abstimmen können. Genau solche Beteiligungsformate sind für Gemeinden wichtig, wenn viele Entscheidungen als weit weg oder schwer durchschaubar empfunden werden.


Die MIR hatte bereits kritisch darauf geblickt, dass der Bürgerhaushalt je nach Zusammenhang unterschiedlich gelesen wird: Mal gilt er als Beleg für Bürgerinteresse, etwa bei Themen wie Blühwiesen und Biodiversität. Jetzt wird seine geringe Beteiligung als Argument für eine Pause genannt.


Das muss kein Widerspruch sein. Aber es verlangt Erklärung.

Die Kernfrage lautet deshalb: Spart Michendorf hier nur 20.000 Euro – oder verliert die Gemeinde ein Stück sichtbare Bürgerbeteiligung?


Finanznot ist real – aber Prioritäten sind politisch

Die Finanzlage zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Sitzung. Michendorf steht vor Ausgaben, die sich nicht einfach wegdiskutieren lassen: Straßen müssen repariert, Gebäude saniert, Sportstätten geplant, Bushaltestellen barrierefrei umgebaut und Sozialangebote gesichert werden.


Gleichzeitig sollen freiwillige Leistungen weiter unter Druck bleiben. Neben dem Bürgerhaushalt betrifft das auch die Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaftsförderrichtlinie soll 2027 erneut ausgesetzt werden. Stattdessen soll nur ein kleiner Rahmen von 5.000 Euro bleiben, etwa für Veranstaltungen, Mobilität, Standortverbesserung oder Ausbildungsinitiativen.


Das zeigt: Die Gemeinde spart nicht überall. Sie sortiert.

Und genau diese Sortierung ist der politische Knackpunkt. Warum bleibt die Sportförderung erhalten, während der Bürgerhaushalt pausiert? Warum gibt es Mittel für einzelne Standortimpulse, aber keine reguläre Wirtschaftsförderrichtlinie? Warum werden Straßenmaßnahmen verschoben, andere aber vorgezogen?


Es geht nicht darum, jedes Projekt gegeneinander auszuspielen. Viele Ausgaben sind notwendig. Aber wenn Geld knapp ist, müssen Prioritäten besser erklärt werden. Sonst entsteht schnell der Eindruck: Für manche Dinge ist Geld da, für andere nicht – und die Bürger sollen es einfach hinnehmen.


Gebühren: Wer mehr wissen will, könnte zahlen

Ein weiterer Punkt dürfte ebenfalls Diskussionen auslösen: die Änderung der Verwaltungsgebührensatzung.


Einfache mündliche Auskünfte sollen weiter kostenlos bleiben. Wenn aber Akteneinsicht, Archivsuche oder sonstige Nachforschungen erforderlich sind, sollen Gebühren erhoben werden können. In der Vorlage ist von 18,50 Euro je angefangener halber Stunde die Rede.


Das klingt nach Verwaltungsroutine. Im Kontext der vergangenen Monate ist es aber sensibel.

Die MIR hatte wiederholt über Transparenz, Akteneinsicht und den Umgang mit Informationen berichtet. Gerade in einer kleinen Kommune ist der Zugang zu Unterlagen, Auskünften und nachvollziehbaren Begründungen wichtig – für Bürger, Ehrenamt, Gemeindevertreter und Presse.


Natürlich kostet Verwaltungsarbeit Zeit - und Geld. Niemand kann erwarten, dass aufwendige Recherchen immer nebenbei erledigt werden. Aber die Gemeinde muss aufpassen, dass aus Gebühren keine Hürde für berechtigte Nachfragen wird.


Jugendsozialarbeit: 1,5, 2,0 oder keine Stellen?

Ein weiteres Thema in der Prioritätendebatte ist die Jugendsozialarbeit.

Die Verwaltung schlägt vor, für 2027 insgesamt 1,5 Vollzeitstellen für die Jugendarbeit vorzusehen. Für die Grundschule Michendorf, die Grundschule „Am Kiefernwald“ in Wildenbruch und die Grund- und Oberschule Wilhelmshorst ist jeweils eine Vollzeitstelle Schulsozialarbeit geplant.


Dagegen bringen die Grünen in der Gemeindevertretung einen Änderungsantrag ein. Sie fordern für die Jugendarbeit 2,0 Vollzeitstellen. Begründet wird dies mit dem fachlich dargestellten Bedarf des Trägers. Für die Gemeinde ist das ein Zielkonflikt: Was mutmaßlich fachlich begründet erscheint, muss finanziell getragen werden. Für die Jugendliche dagegen, ist diese Debatte nicht abstrakt. Mobile Jugendarbeit, offene Angebote, Projekte, Prävention und verlässliche Ansprechpartner funktionieren nur mit Personal.


Allerdings gibt es auch Zweifel. Kritiker aus Gemeindevertreterkreisen stellen infrage, ob zusätzliche Jugendsozialarbeit in einer Flächengemeinde wie Michendorf tatsächlich überall ankommt – und ob die Angebote in allen Ortsteilen angenommen werden. Aus ihrer Sicht sei mehr Jugendsozialarbeit eher ein Konzept aus großstädtischen Strukturen als die passende Antwort auf die Lage in Michendorf.


Auffällig ist hier erneut der Zusammenhang zum Bürgerhaushalt. Dort soll künftig auch der Jugendbeirat in eine mögliche Neufassung eingebunden werden. Jugendbeteiligung ist also ausdrücklich gewünscht. Gleichzeitig wird über die Ausstattung der Jugendarbeit gerungen.


Das zeigt: Beteiligung braucht nicht nur Formulare und Konzepte. Sie braucht Menschen, Zeit und Strukturen – und eine ehrliche Debatte darüber, welche Angebote vor Ort wirklich funktionieren.


Sport bleibt stark – und teuer

Für die Sportvereine ist die Sitzung besonders wichtig. Auf der Tagesordnung steht die Fortschreibung der Sportstättenkonzeption. Sie soll als Grundlage für die künftige Entwicklung der Sport- und Bewegungsinfrastruktur dienen.


Die Zahlen sind eindrucksvoll: 18 Sportvereine mit insgesamt 4.461 Sportlerinnen und Sportlern, darunter 1.710 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 25 Jahren. Sport ist in Michendorf also kein Freizeit-Randthema. Er ist Vereinsleben, Kinder- und Jugendarbeit, Ehrenamt und sozialer Treffpunkt.


Der größte Brocken liegt dabei in Wilhelmshorst. Dort soll an der Grund- und Oberschule eine neue Zweifeldsporthalle entstehen. Die Konzeption nennt Baukosten von rund 8,7 Millionen Euro. Geplant sind Barrierefreiheit, Nebenräume, Lagerflächen und eine Tribüne mit bis zu 199 Plätzen.

Das ist ein starkes Signal für Schule und Vereinssport. Es ist aber auch eine enorme finanzielle Aufgabe.


Gleichzeitig soll die Sportförderung grundsätzlich weitergeführt werden. Während Bürgerhaushalt und Wirtschaftsförderung pausieren sollen, bleibt der Sport damit vergleichsweise stabil.


Straßen: Hier muss man ran

Kaum ein Thema betrifft Bürgerinnen und Bürger so unmittelbar wie Straßen. Auch hier wird am Montag einiges entschieden.


Die Potsdamer Straße zwischen Teltower Straße und Caputher Chaussee soll erneuert werden. Die Verwaltung beschreibt den Zustand als so verschlissen, dass einfache Unterhaltung nicht mehr ausreiche. Dafür sollen 140.000 Euro außerplanmäßig bereitgestellt werden.


Das Geld soll aus Mitteln kommen, die eigentlich für die Zauchwitzer Straße vorgesehen waren. Diese Maßnahme werde nach Auskunft des Landesstraßenbetriebes frühestens 2027 erfolgen und müsste neu eingeplant werden.


Das mag praktisch sinnvoll sein. Es zeigt aber auch das bekannte Michendorfer Straßenproblem: Es wird geschoben, priorisiert, umgeplant. Für Betroffene bleibt oft schwer nachvollziehbar, warum eine Straße früher kommt und eine andere später.


Dazu passt die neue Straßenprioritätenliste. Die alte Liste aus dem Jahr 2022 soll aufgehoben werden. Für 2027 sollen neue Maßnahmen festgelegt werden, darunter Entwässerungsmaßnahmen in der Bahnstraße, im Schwalbenweg, an der Potsdamer Straße und in der Poststraße sowie Deckensanierungen in Wildenbruch, Michendorf und Langerwisch.

Insgesamt geht es um rund 1,23 Millionen Euro. Künftig soll außerdem eine digitale, KI-gestützte Erfassung des Straßenzustands helfen, Prioritäten objektiver zu setzen.


Bus statt Auto? Dann muss der Bus auch erreichbar sein

Auch der barrierefreie Umbau von Bushaltestellen steht auf der Tagesordnung.

In Michendorf gibt es laut Vorlage 33 Haltestellen mit insgesamt 67 Bussteigen. Ein Großteil davon ist noch nicht barrierefrei. Für 2027 sollen zunächst vier Haltestellen mit acht Bussteigen ausgebaut werden: Fresdorf Feuerwehr sowie in Wildenbruch Potsdamer Allee, Pappelplatz und Am Berg.


Die Kosten sind erheblich. Gerechnet wird noch mit rund 75.000 Euro je Bussteig, also rund 150.000 Euro je Haltestelle. Für die ersten vier Haltestellen ergibt sich somit ein Bedarf von 600.000 Euro. Voraussetzung ist eine Förderung von mindestens 75 Prozent, möglicherweise bis zu 90 Prozent.


Der Apfelbaum wird selbst zum Sanierungsfall

Besonders symbolträchtig wird der Tagesordnungspunkt zum Sitzungsort - dem Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“. Ausgerechnet dort, wo am Montag beraten wird, besteht selbst erheblicher Sanierungsbedarf.


Nach der Dachsanierung wurden weitere Mängel festgestellt. Genannt werden unter anderem Außentreppen, elektrische Anlage, Heizung, Fenster, Musikanlage, WC-Anlagen, Malerarbeiten, Fassadenflächen und das Dach des Kegelbahn-Anbaus.

Die grobe Kostenschätzung liegt bei 500.000 bis 600.000 Euro.


Soziale Netzwerke diskutieren auch über Vertrauen

Neben den Sachthemen gibt es inzwischen auch eine öffentliche Debatte in den sozialen Netzwerken über Personal- und Vertretungsfragen auf der Tagesordnung.


In einer Michendorfer Facebook-Gruppe wird diskutiert, ob zusätzliche Vertretungsfunktionen innerhalb der Verwaltung ein gutes Signal senden. Dabei geht es in der öffentlichen Diskussion auch um persönliche Nähe und den Eindruck möglicher Interessenkonflikte.


Politisch relevant ist hierbei vor allem der öffentliche Eindruck, der in solchen Debatten sichtbar wird: Viele Bürger wollen verstehen, wie Macht, Zuständigkeit und Kontrolle in der Gemeindeverwaltung verteilt sind. Gerade in einer kleinen Kommune, in der wenige Personen viele Entscheidungen vorbereiten.


Auf der Tagesordnung stehen hierbei die allgemeine Stellvertretung der Verwaltungsspitze sowie die Vertretung der Gemeinde in der Verbandsversammlung des Wasser- und Abwasserzweckverbandes „Mittelgraben“. Formal sind das Personal- und Zuständigkeitsfragen. Öffentlich werden sie aber auch als Vertrauensfrage wahrgenommen.


Wirtschaftsförderung bleibt klein

Während große Infrastrukturthemen Millionen kosten, scheint die Wirtschaftsförderung zum Randthema zu werden.


Die Wirtschaftsförderrichtlinie soll für 2027 erneut ausgesetzt werden. Gleichzeitig soll nur noch ein reduziertes Budget von nur 5.000 Euro eingeplant werden. Damit sollen einzelne Maßnahmen möglich bleiben, etwa Veranstaltungen, Standortverbesserung, Mobilität oder Ausbildungsinitiativen.


Stücken, Feuerwehr, Seniorenbeirat: Auch das Ehrenamt steht auf dem Plan

Neben den großen Debatten stehen auch mehrere Punkte auf der Tagesordnung, die für Ehrenamt und Ortsteile wichtig sind.


In Stücken soll weiteres Geld für Planungsleistungen bereitgestellt werden, damit das alte Feuerwehrgerätehaus zu einem Mehrvereinsheim entwickelt werden kann. Für den Ortsteil wäre das ein wichtiger Treffpunkt.


Bei der Feuerwehr geht es um die Berufung eines stellvertretenden Gemeindewehrführers. Das ist für die Organisation der Freiwilligen Feuerwehr und damit für die Sicherheit in der Gemeinde wichtig.


Außerdem soll die Hauptsatzung angepasst werden, damit die Mitgliederzahl des Seniorenbeirats eindeutig geregelt wird. Der Beirat soll mit acht Mitgliedern arbeiten können und nicht handlungsunfähig werden, wenn ein Mitglied ausscheidet.


Am Montag geht es um Prioritäten

Die öffentliche Sitzung beginnt am Montag, 6. Juli 2026, um 19 Uhr im Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“, Potsdamer Straße 64, 14552 Michendorf. Zu Beginn ist standardmäßig eine Einwohnerfragestunde vorgesehen.


Wer die Tagesordnung nur chronologisch liest, sieht viele Einzelpunkte. Wer sie politisch liest, sieht ein Muster: Michendorf muss sparen, investieren, erklären und Vertrauen sichern – alles gleichzeitig.


Am Montag entscheidet die Gemeindevertretung deshalb über weit mehr als Vorlagen.

Sie entscheidet darüber, welche Prioritäten Michendorf in schwerer werdenden Zeiten setzt.

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