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Direkt vorm Bahnhof: Abbiegespur weggefallen – Kritik an neuer Verkehrsführung

vor 13 Minuten
3 Min. Lesezeit

Michendorf - Die Potsdamer Straße ist wieder freigegeben, doch mit der Fahrbahnerneuerung verändert sich auch die Verkehrsführung: An der Bahnhofskreuzung entfällt ortseinwärts die separate Linksabbiegerspur. Autos sollen künftig eine gemeinsame Spur für alle Richtungen nutzen. In sozialen Netzwerken sorgt das für Kritik. Offen bleibt, welche Auswirkungen die Änderung auf den Verkehrsfluss hat.


Nach Angaben der Gemeinde wurde die Fahrbahnerneuerung zwischen Teltower Straße und Caputher Chaussee am Freitag, 30. Oktober, planmäßig fertiggestellt. Die Sperrung sei aufgehoben. Markierungsarbeiten liefen allerdings noch bei laufendem Verkehr, teilte die Verwaltung am Montag, 2. November, auf ihrer Internetseite mit.


Eine Spur für alle Richtungen

Die Sanierung bringt Veränderungen mit sich, die über eine erneuerte Fahrbahndecke hinausgehen. Radfahrer erhalten Schutzstreifen und an der Bahnhofskreuzung eine Aufstellfläche vor den wartenden Autos. Zugleich entfällt dort ortseinwärts die bisherige separate Linksabbiegerspur.


Damit stehen Fahrzeuge, die nach links in die Teltower Straße abbiegen wollen, künftig auf derselben Spur wie der geradeaus fahrende Verkehr. Müssen Linksabbieger warten, können sie nachfolgende Fahrzeuge aufhalten. Wie stark sich das auf den Verkehrsfluss auswirkt, hängt unter anderem von der Verkehrsbelastung und der Ampelschaltung ab.


Angaben zu einer entsprechenden Untersuchung, zu erwarteten Wartezeiten oder einer Anpassung der Ampelschaltung enthält die Gemeindemeldung nicht. Damit bleibt offen, auf welcher Grundlage die Auswirkungen des Spurwegfalls bewertet wurden.


Kritik und Zustimmung im Netz

In der Facebook-Gruppe „Michendorf.Blick“ sorgt die Änderung für Unmut. Der Verfasser eines Beitrags befürchtet, dass links abbiegende Autos künftig den Verkehr Richtung Ortszentrum aufhalten könnten. Weitere Kommentatoren äußern ebenfalls Kritik und verbinden diese teilweise mit Forderungen nach politischen Veränderungen in der Gemeinde.


Unter dem Instagram-Beitrag der Bürgermeisterin finden sich dagegen neben Kritik auch ausdrücklich positive Rückmeldungen. Eine Nutzerin berichtet, die Straße lasse sich sehr gut befahren. Ein weiterer Kommentar bedankt sich bei den Beteiligten.


Die vorliegenden Reaktionen zeigen unterschiedliche Einschätzungen, sind aber kein repräsentatives Meinungsbild. Belege für regelmäßig auftretende Rückstaus infolge der neuen Verkehrsführung liefern sie bislang nicht.


Erst privater Kanal, dann Gemeindewebsite

Die Bürgermeisterin hatte die Fertigstellung und die veränderte Verkehrsführung bereits einige Tage vor der Meldung auf der Gemeindewebsite auf ihrem privaten Instagram-Kanal vorgestellt. Am 2. November folgte die Veröffentlichung auf der offiziellen Internetseite.


Die Verwaltung bestätigt darin den Wegfall der Abbiegespur und ergänzt Details zum Stand der Arbeiten. Die Fertigstellung der Fahrbahnerneuerung bedeutet demnach noch nicht, dass sämtliche begleitenden Maßnahmen abgeschlossen sind.


Querungsstelle wird noch umgebaut

In Richtung Potsdam soll ein Schutzstreifen Radfahrer bereits ab der Bahnhofskreuzung auf der Fahrbahn führen. Nach der Brücke wurde nach Angaben der Gemeinde eine neue Auffahrt zum gemeinsamen Geh- und Radweg gepflastert. Diese soll zusätzlich einen Richtungspfeil erhalten. Die neue Auffahrt soll Konflikte mit Fußgängern am bisherigen Übergang vermeiden.


Ortseinwärts ist ebenfalls ein Schutzstreifen zwischen Caputher Chaussee und Bahnhofskreuzung vorgesehen. Im Bereich nach den Bushaltestellen kündigt die Gemeinde eine Querungsmöglichkeit für Radfahrer aus Richtung Potsdam sowie für Fußgänger an. Diese solle in der Woche ab dem 2. November abgesenkt und gepflastert werden. Die Verwaltung stellt ausdrücklich klar, dass es sich dabei nicht um einen Fußgängerüberweg handelt.


Der bisherige gemeinsame Geh- und Radweg soll aus Richtung Potsdam künftig eine Beschilderung mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ erhalten. An der Einfahrt zur Bahnstraße ist außerdem eine rote Markierung des Schutzstreifens geplant. Sie soll die Radverkehrsführung sichtbarer machen und dadurch die Sicherheit erhöhen.


Verwirrung um die Verkehrsinsel

Auch eine Verkehrsinsel sei nach Angaben der Gemeinde verbreitert worden. Deren Lage beschreibt die Verwaltung als „nach der Einmündung in die Bahnstraße (Richtung Potsdam)“.


Diese Ortsangabe hinterfragt ein Nutzer auf Facebook. Seiner Darstellung zufolge befinde sich die betreffende Insel vielmehr auf der Potsdamer Straße, nachdem man aus der Bahnstraße nach links Richtung Potsdam abgebogen sei. Die Formulierung der Gemeinde lässt damit Fragen zur genauen Lage offen. Eine bestätigte Präzisierung liegt der MIR bislang nicht vor.


Weitere Arbeiten für 2027 geplant

Hinter der BÄKO-Einfahrt Richtung Potsdam soll der Radweg außerdem verlegt und begradigt werden. Die Gemeinde beschreibt die bisherige Stelle als gefährlich. Für die Anfang 2027 vorgesehene Maßnahme seien weitere Abstimmungen mit dem Kreisstraßenbetrieb als Straßenbaulastträger erforderlich; außerdem würden Angebote eingeholt.


Für die neue Verkehrsführung an der Bahnhofskreuzung steht unterdessen die Bewährungsprobe im Alltag an. Die Gemeinde erläutert ausführlich die vorgesehenen Änderungen für Radfahrer. Welche Folgen die gemeinsame Fahrspur für den übrigen Verkehr erwarten lässt, beantwortet auch die jetzt veröffentlichte Mitteilung nicht.

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