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„Ein sicherer Raum abseits der Schule“ – So läuft der Start im Jugendclub MICHECK

vor 1 Minute
4 Min. Lesezeit

Michendorf – Tischtennis, Billard, Playstation, Bolzplatz – und vor allem ein Ort, an dem Jugendliche einfach Jugendliche sein können: Seit April hat der Jugendclub MICHECK in der Potsdamer Straße wieder einen festen Betreiber. Die Michendorfer Rundschau hat den Club besucht und mit Sozialarbeiter Falko Netsch darüber gesprochen, wie der Start läuft, was Jugendliche dort erwartet und warum ein Jugendclub heute mehr sein muss als nur ein Raum mit Kickertisch.


Nach mehreren Monaten ohne regulären Betrieb übernahm im Frühjahr die IB Berlin-Brandenburg gGmbH des Internationalen Bundes den Jugendtreff. Seit April betreibt der neue Träger den MICHECK im Auftrag der Gemeinde.


Falko war zunächst allein vor Ort, seit dieser Woche verstärkt ihn Joelle Selke. Auch sie ist Sozialarbeiterin. Gemeinsam bilden die beiden nun das Team des Jugendclubs.


Die Gemeinde beschreibt das Ziel als offenen und sicheren Treffpunkt, den die Jugendlichen ausdrücklich selbst mitgestalten sollen. Für Falko ist genau das entscheidend: Der MICHECK soll kein fertig durchgeplanter Freizeitraum sein, sondern ein Ort, an dem die Jugendlichen mitbestimmen, was passiert.


Mal 20 Jugendliche – mal nur zwei

Wie gut das bislang funktioniert, schwankt noch erheblich. „Die ersten Wochen hatten wir tatsächlich recht hohen Andrang“, erzählt Falko. Vor den Sommerferien sei deutlich geworden, dass grundsätzlich Bedarf bestehe. Dann wurde es ruhiger. Derzeit seien an einem gewöhnlichen Öffnungstag häufig etwa fünf Jugendliche im Club.


Doch das könne schnell umschlagen, beschreibt Falko. Verabreden sich Jugendliche über ihre eigenen Social-Media-Kanäle, könne der MICHECK plötzlich voll sein. Bei rund 20 Besuchern gleichzeitig sei in den vergleichsweise kleinen Räumen ordentlich Betrieb.


Jetzt gehe es vor allem darum, den MICHECK noch bekannter zu machen und mehr Jugendliche dauerhaft für den Treffpunkt zu gewinnen.


Zocken, kicken oder einfach nur abhängen

Die Zielgruppe liegt hauptsächlich zwischen 11 und 16 Jahren. Wer etwas jünger oder älter ist, werde aber nicht automatisch weggeschickt, erklärt Falko.


Und langweilig muss es eigentlich nicht werden: Billard, Tischtennis, Dart und Fußball gehören ebenso zum Angebot wie gemeinsames Gaming, Musik hören oder Filmabende. Auch die kleine Küche kann genutzt werden. Wer nach der Schule Hunger hat, kann sich dort beispielsweise etwas warm machen. Die Angebote sind kostenlos.


Dazu kommen kleinere Programmpunkte und Aktionstage. Mal soll gemeinsam Pizza gegessen werden, mal steht Gaming im Mittelpunkt, mal könnte ein kleines Kicker- oder Tischtennisturnier entstehen.


Noch ist vieles ein Testlauf. „Wir sind noch am Aufbauen“, sagt Falko. Wenn ein Angebot gut angenommen werde, könne daraus später auch ein regelmäßiger Termin entstehen.


Jugendclub gegen TikTok und Co.?

Dass der MICHECK nach seinem Start nicht automatisch jeden Nachmittag voll ist, überrascht Falko nicht. Jugendarbeit habe sich verändert. Ein erheblicher Teil des Austauschs unter Jugendlichen finde inzwischen digital statt. Freizeit werde über soziale Netzwerke organisiert, Kontakte liefen über das Smartphone.


Ein klassischer Jugendclub müsse deshalb heute stärker zeigen, warum es sich lohnt, überhaupt vorbeizukommen.


Eine eigene Instagram- oder TikTok-Seite hat der MICHECK bislang allerdings nicht. Informationen werden vor allem über die Gemeinde und den Internationalen Bund verbreitet.

Eine eigene Social-Media-Präsenz bedeute zusätzlichen Betreuungsaufwand und müsse dauerhaft professionell gepflegt werden, erklärt Falko.


Vorerst setzt das Team deshalb vor allem darauf, dass sich der Club unter den Jugendlichen selbst herumspricht.


„Das ist ein sicherer Raum“

Der wichtigste Teil des MICHECK lässt sich ohnehin nicht an Playstation, Billardtisch oder Bolzplatz messen. „Das ist ein sicherer Raum abseits von der Schule“, sagt Falko.


Er freue sich besonders, wenn Jugendliche Vertrauen fassten, Gespräche suchten und mit persönlichen Themen oder Problemen auf die Sozialarbeiter zukämen.


Über konkrete Fälle spricht er bewusst nicht. Der Club sei klein und einzelne Jugendliche könnten schnell erkennbar werden. Vertrauliche Gespräche sollen vertraulich bleiben.


Wenn junge Menschen wiederkämen, sich öffneten und den MICHECK als ihren eigenen Ort annähmen, sei das für ihn ein Zeichen, dass Jugendarbeit funktioniere.


Fünf Regeln für alle

Ganz ohne Grenzen geht es allerdings nicht. Im Jugendclub hängen die „fünf goldenen Hausregeln“: Jeder wird geduzt. Kein Alkohol, Rauchen oder Drogen im Haus. Alkoholisierte oder berauschte Menschen bleiben draußen. Streit wird ohne Gewalt ausgetragen. Und: Nein heißt Nein.


Gerade bei älteren Jugendlichen müsse klar sein, dass der MICHECK kein Partyraum sei, sagt Falko. Die Sozialarbeiter seien dem Jugendschutz verpflichtet.


Wer Regeln nicht akzeptiere, müsse deshalb auch damit rechnen, dass Grenzen gesetzt werden. Das könne durchaus dazu führen, dass einzelne Jugendliche anschließend zunächst nicht mehr kämen.


„Wenn der Jugendclub der Ort ist, an dem ich mich berauschen will, dann ist es nicht der richtige Ort für mich“, bringt Falko seine Haltung auf den Punkt.


Auch gesellschaftliche Konflikte kommen durch die Tür

Ganz von gesellschaftlichen Entwicklungen abschotten lässt sich ein Jugendclub ebenfalls nicht.

Auf die im Raum hängende Regenbogenflagge angesprochen, berichtet Falko, dass politische Einstellungen und ein von ihm wahrgenommener Rechtsruck unter Teilen der Jugend auch in der täglichen Arbeit eine Rolle spielten. Einen konkreten Vorfall oder eine konkrete Anfeindung im MICHECK schildert er im Gespräch jedoch nicht.


Für die Sozialarbeit sei das ein Thema, mit dem man umgehen müsse – und wohl auch künftig umgehen werde. Gerade ein offener Jugendtreff könne dabei ein Ort sein, an dem unterschiedliche Jugendliche miteinander in Kontakt kommen und Gespräche möglich bleiben.


Draußen soll sich noch etwas tun

Auch räumlich ist der MICHECK noch nicht fertig. Neben einem Aufenthaltsbereich, Küche und Aktivitätsraum gehört ein größerer Außenbereich mit Bolzplatz, Tischtennisplatte und Graffiti-Flächen zum Club. Neue Sitzmöglichkeiten sollen hinzukommen und auch im Inneren will das Team weiter gestalten.


Der Bolzplatz wird dabei aktuell nicht nur von Clubbesuchern genutzt. Eine Besonderheit des Grundstücks ist der Weg zum benachbarten Kindergarten, der durch den Bereich führt.

Einen vollständig abgeschlossenen Außenbereich besitzt der Jugendclub deshalb nicht.


Doch Falko nimmt es pragmatisch: Die Räume seien zwar überschaubar, böten aber vieles von dem, was für einen kleinen Jugendtreff gebraucht werde.


Irgendwann soll Werbung überflüssig werden

Jetzt müsse vor allem erreicht werden, dass Jugendliche wissen, dass der MICHECK wieder da ist.


Dafür gibt es auch Veranstaltungen. Am 9. Oktober ist beispielsweise ein Herbstfest mit „Tausch & Plausch“ und Kleidertausch geplant. Auf Dauer hat Falko jedoch ein anderes Ziel: Er möchte möglichst wenig erklären müssen, warum Jugendliche in den MICHECK kommen sollten.


Am besten wäre es für ihn, wenn der Club irgendwann ganz selbstverständlich zum Michendorfer Alltag gehöre – und die Jugendlichen einfach die Tür aufmachen und hereinkommen.

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