„Hier bist du nicht allein“ – Im Gespräch mit Pater Heribert Kerschgens und Frau Buchholz von der Kirchengemeinde St. Cäcilia
Michendorf - Sie ist deutlich kleiner als die evangelische Gemeinde – und doch seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Michendorfer Gemeindelebens: die katholische Kirchengemeinde St. Cäcilia. Gottesdienste, Pfadfinder, Martinsumzug, Kirchenkaffee und gemeinsame Feste gehören ebenso dazu wie Seelsorge, Religionsunterricht und ökumenische Angebote.
Die Michendorfer Rundschau hat mit Pater Heribert Kerschgens und Karin Buchholz aus dem Sprecherteam des Gemeinderates darüber gesprochen, was katholisches Leben in Michendorf heute ausmacht, warum Gemeinschaft dabei eine besondere Rolle spielt – und weshalb auch Menschen willkommen sind, die mit Kirche bislang wenig anfangen konnten.
„Eine Kirchengemeinde ist für viele ein Heimatort“
MIR: Frau Buchholz, Pater Heribert Kerschgens – mit wem haben wir es eigentlich zu tun?
Karin Buchholz: "Ich bin Karin Buchholz und gehöre zum Sprecherteam des Gemeinderates St. Cäcilia. Darüber hinaus engagiere ich mich an verschiedenen Stellen ehrenamtlich in der Gemeinde."
Pater Heribert Kerschgens: "Ich gehöre zum Seelsorgeteam der Pfarrei Allerheiligen – Potsdamer Land. Michendorf ist einer ihrer Gemeindeorte, und ich habe hier einen seelsorglichen Schwerpunkt. Die einzelnen katholischen Standorte wurden 2023 zu dieser größeren Pfarrei zusammengeschlossen."
MIR: Michendorf hat also keinen eigenen katholischen Pfarrer mehr?
Pater Heribert Kerschgens: "Nein. Zur gemeinsamen Pfarrei gehören unter anderem die Gemeinden in Babelsberg, Michendorf, Werder und Potsdam. Vieles wird heute zentral organisiert. Gleichzeitig bestehen vor Ort weiterhin eigene Gremien wie der Gemeinderat."
MIR: Was macht dieser Gemeinderat konkret?
Karin Buchholz: "Wir beschäftigen uns zum Beispiel damit, wie wir die besonderen Zeiten im Kirchenjahr gestalten: Ostern, Advent und Weihnachten oder einen Einkehrtag in der Fastenzeit. Aber auch ganz praktische Themen rund um unser Gemeindezentrum werden dort besprochen.
Der Gemeinderat ist außerdem ein wichtiges Bindeglied zur großen Pfarrei. Informationen müssen schließlich auch wieder in die einzelnen Gemeindeorte getragen werden."
Was würde Michendorf ohne die katholische Gemeinde fehlen?
MIR: Was bedeutet die katholische Kirche für Michendorf? Anders gefragt: Was würde dem Ort fehlen, wenn es sie nicht gäbe?
Pater Heribert Kerschgens: "Eine Kirchengemeinde ist für viele Menschen ein besonderer Heimatort. Ein Ort, an dem sie ihren Glauben leben, Menschen mit ähnlichen Überzeugungen treffen, gemeinsam christliche Feiertage begehen und Gemeinschaft erfahren können.
Damit prägt eine Kirchengemeinde natürlich auch den Ort insgesamt. Das gilt für die evangelische genauso wie für die katholische Kirche.
Man hat das beispielsweise beim Jubiläum der politischen Gemeinde gesehen, bei dem auch ein ökumenischer Gottesdienst Teil des Programms war. Dass die Religionsgemeinschaften dort eingebunden wurden, zeigt, dass sie zum Gemeindeleben gehören."
Karin Buchholz: "Als wir vor rund 17 Jahren nach Michendorf gezogen sind, war es für uns tatsächlich auch ein Kriterium, ob es hier einen katholischen Gottesdienstort gibt.
Ganz konkret bringen wir uns zum Beispiel beim Martinsumzug ein. Unsere Pfadfinder organisieren ihn gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde. Gestartet wird an der evangelischen Kirche, anschließend geht es zum Pfadfindergelände."
Gottesdienst – und danach noch eine Tasse Kaffee
MIR: Was findet neben den Gottesdiensten statt?
Pater Heribert Kerschgens: "Vieles ist natürlich mit dem Kirchenjahr verbunden.
An Fronleichnam schließt sich an die Prozession beispielsweise unser Gemeindefest an.
Nach der Liturgie kommt also auch das Gesellige.
Seit einigen Monaten haben wir außerdem nach dem Sonntagsgottesdienst regelmäßig einen Kirchenkaffee. Die Menschen können bei Kaffee, Tee und ein paar Plätzchen einfach noch zusammensitzen.
Gerade diese Gemeinschaft ist wichtig. Für ältere Menschen kann das ein fester Treffpunkt sein. Daneben gibt es beispielsweise den ökumenischen Kreis 50 plus.
Ein wesentlicher Dienst von Kirche ist aus meiner Sicht, solche Orte der Gemeinschaft anzubieten und den Menschen zu sagen: Hier bist du nicht allein."
MIR: Muss man dafür überzeugter Katholik sein?
Pater Heribert Kerschgens: "Nein. Wenn jemand zu uns kommt, fragen wir nicht zuerst:
„Bist du katholisch?“ Erst einmal ist jeder herzlich willkommen – auch der Suchende, der Fragende oder der Zweifelnde.
Wir hatten hier beispielsweise auch Erwachsenentaufen. Menschen haben sich mit dem Glauben beschäftigt, sich vorbereitet und sich schließlich taufen und firmen lassen.
Auch bei Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen erleben wir oft, dass längst nicht alle Beteiligten kirchlich gebunden sind. Auch diese Menschen möchten wir mitnehmen."
Eine kleine Gemeinde mit kurzen Wegen
MIR: Sie sprechen von einer kleinen Gemeinde. Was bedeutet „klein“?
Pater Heribert Kerschgens: "Schon unser Kirchenraum zeigt es: Da passen keine 400 Menschen hinein. Dafür fällt aber auch auf, wenn jemand neu dazukommt."
Karin Buchholz: "Genau das ist das Schöne. Wenn ein neues Gesicht auftaucht, bemerkt man es – im positiven Sinne. Dann spricht eigentlich immer jemand die Person an.
Der Kirchenkaffee ist dafür ideal. Man kommt ganz unkompliziert miteinander ins Gespräch. Manche sind nur zu Besuch, andere gerade erst zugezogen oder möchten sich Kirche einfach einmal anschauen."
Pater Heribert Kerschgens: "In einer großen Kirche ist das naturgemäß schwieriger.
Hier sind die Wege kurz.
Gleichzeitig ist die größere Pfarrei noch dabei, zusammenzuwachsen. Es gibt inzwischen gemeinsame Veranstaltungen. Bei einer Fahrradwallfahrt durch die verschiedenen Gemeindeorte waren beispielsweise mehr als 50 Menschen unterschiedlichen Alters dabei."
Vieles funktioniert nur durch Ehrenamt
MIR: Wir sitzen hier im Haus St. Georg. Welche Rolle spielt das Gebäude?
Pater Heribert Kerschgens: "Eine große. Hier gibt es Räume für Gemeindeveranstaltungen, Religionsunterricht und verschiedene Gruppen. Auch eine Kegelbahn gehört zum Haus und kann genutzt beziehungsweise angemietet werden.
Ein erheblicher Teil dessen, was hier passiert, funktioniert durch Ehrenamt. Wir haben viele engagierte Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten, darunter auch handwerklich sehr versierte Gemeindemitglieder."
Karin Buchholz: "Zweimal im Jahr gibt es beispielsweise einen gemeinsamen Hausputz.
Dann helfen Jugendliche und Erwachsene zusammen. Anschließend sitzt man noch zusammen, isst etwas oder trinkt Kaffee. Auch daraus entsteht Gemeinschaft."
Pater Heribert Kerschgens: "In der Vergangenheit konnten wir die vorhandenen Räume auch nutzen, um ukrainischen Geflüchteten vorübergehend Unterkunft zu geben. Wenn Menschen in Not sind und Räume vorhanden sind, muss man schauen, was man mit den eigenen Möglichkeiten tun kann."
Gemeinde und Norberthaus unter einem Dach
MIR: Oben auf dem Berg befindet sich auch die Kapelle. Wie eng ist dort das Miteinander mit dem Norberthaus und seinen Bewohnern?
Pater Heribert Kerschgens: "Sehr eng. Die Kapelle gehört nicht der Pfarrei, wir haben dort ein Nutzungsrecht.
Bewohnerinnen und Bewohner des Norberthauses nehmen regelmäßig an unseren Gottesdiensten teil. Vier oder fünf sind eigentlich fast immer dabei, bei besonderen Festen auch mehr.
Sie gehören für uns selbstverständlich zur Gemeinde. Manche haben Einschränkungen oder ihre ganz eigenen Besonderheiten. Das wird von der Gemeinde sehr positiv mitgetragen. Dieses Miteinander ist über viele Jahre gewachsen und funktioniert sehr harmonisch."
„Einfach sonntags um 11 Uhr vorbeikommen“
MIR: Was steht in nächster Zeit an – gerade für Menschen, die die Gemeinde bislang gar nicht kennen?
Karin Buchholz: "Im Januar beginnt wieder ein Alpha-Kurs. Er richtet sich grundsätzlich an alle Menschen, die sich für den christlichen Glauben interessieren – egal, ob sie ganz neu anfangen oder ihren Glauben noch einmal vertiefen möchten.
Die Abende beginnen mit einem gemeinsamen Essen. Danach gibt es einen Impuls und Gespräche in kleinen Gruppen."
Pater Heribert Kerschgens: "Der Alpha-Kurs ist bewusst nicht rein katholisch ausgerichtet, sondern ökumenisch. Gerade Menschen, die Fragen haben oder erst einmal herausfinden möchten, was christlicher Glaube eigentlich bedeutet, bekommen dort einen sehr niedrigschwelligen Zugang."
Karin Buchholz: "Und ansonsten gilt natürlich: Einfach sonntags um 11 Uhr zur Heiligen Messe kommen."
Am Ende des Gesprächs wird deutlich: Die katholische Gemeinde in Michendorf mag zahlenmäßig klein sein – ihr Selbstverständnis ist es nicht. Sie will Glaubensort und Treffpunkt zugleich sein, über Konfessionsgrenzen hinweg mit anderen zusammenarbeiten und vor allem eines bieten: Gemeinschaft.
Wer bisher keinen Bezug zur katholischen Kirche hat, muss dabei keine Berührungsängste haben. Die Einladung von Pater Heribert Kerschgens und Karin Buchholz ist denkbar unkompliziert: vorbeikommen, kennenlernen und erst einmal schauen.





Kommentare