Hochzeits-DJ und Trauerredner: Oliver Plattig über seinen zweiten beruflichen Weg
Michendorf – Seit 16 Jahren begleitet Oliver Plattig als Hochzeits- und Event-DJ Menschen bei besonderen Anlässen. Hochzeiten, Geburtstage und andere Feierlichkeiten gehören zu seinem beruflichen Alltag. Im Fliederhof Syring ist er als Exklusiv-DJ tätig. Am 1. Oktober 2026 feiert sein Unternehmen sein 16-jähriges Bestehen.
Nun hat sich Plattig entschieden, sein berufliches Tätigkeitsfeld zu erweitern.
Neben seiner bisherigen Arbeit möchte er künftig auch als freier Trauerredner Menschen in einer ganz anderen Lebenssituation begleiten. Eine entsprechende Weiterbildung hat er bereits absolviert, erste Trauerfeiern durfte er ebenfalls gestalten.
Im Gespräch mit der Michendorfer Rundschau erzählt der 49-Jährige, wie es zu dieser Entscheidung kam, welche Erfahrungen er bei seinen ersten Trauerfeiern gesammelt hat und weshalb er zwischen seinen beiden beruflichen Tätigkeiten trotz aller Unterschiede auch Gemeinsamkeiten sieht.
Herr Plattig, Sie sind seit vielen Jahren als DJ tätig. Nun erweitern Sie Ihr Geschäft um einen ganz anderen Bereich: Sie arbeiten künftig auch als Trauerredner. Wie kam es dazu?
„Wenn man sich fast 16 Jahre mit einem eigenen Unternehmen beschäftigt, denkt man natürlich irgendwann auch darüber nach, wie es beruflich weitergehen soll. Im kommenden Jahr werde ich 50 und habe mich gefragt, welche Fähigkeiten und Erfahrungen ich eigentlich noch in andere Bereiche einbringen könnte.
Ich liebe meine Arbeit als DJ und möchte sie auch weiterhin ausüben. Gleichzeitig hatte ich den Wunsch, mich persönlich und beruflich noch einmal weiterzuentwickeln.
Dabei bin ich irgendwann auf den Beruf des freien Trauerredners aufmerksam geworden.
Je intensiver ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr hat mich diese Tätigkeit angesprochen. Die Möglichkeit, Menschen zuzuhören, ihre Lebensgeschichten aufzunehmen und daraus einen persönlichen, würdevollen Abschied zu gestalten, empfinde ich als eine sehr besondere Aufgabe.“
Und wie sind Sie dabei ausgerechnet auf das Schreiben und Reden gekommen?
„Das Schreiben begleitet mich eigentlich schon seit meiner Jugend. Ich war früher journalistisch tätig, unter anderem bei einer Schülerzeitung, und habe auch später immer gerne geschrieben.
Auch die Texte meiner Internetseiten, inzwischen sind das über 300 Seiten, stammen aus meiner eigenen Feder. Ich beschäftige mich also schon sehr lange damit, Gedanken und Geschichten in Worte zu fassen.
Dazu kommt, dass ich durch meine Tätigkeit als DJ gewohnt bin, mit ganz unterschiedlichen Menschen umzugehen, ihnen zuzuhören und auf ihre Wünsche einzugehen.
Irgendwann habe ich festgestellt, dass sich genau diese Fähigkeiten auch in einem ganz anderen Bereich sinnvoll einsetzen lassen.
Daraufhin habe ich eine Weiterbildung zum freien Trauerredner bei Daniel Mossa absolviert und begonnen, mich intensiv mit der Gestaltung persönlicher Abschiedszeremonien auseinanderzusetzen.“
Hochzeiten und Trauerfeiern könnten emotional kaum weiter auseinanderliegen. Hat Sie dieser Gegensatz beschäftigt?
„Natürlich. Auf den ersten Blick sind das zwei vollkommen unterschiedliche Welten.
Als DJ begleite ich Menschen an einem der schönsten Tage ihres Lebens. Bei einer Trauerfeier begegne ich Menschen, die gerade einen schweren Verlust erfahren haben.
Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, gibt es durchaus eine Verbindung: In beiden Bereichen geht es um Menschen, ihre Geschichten, ihre Gefühle und um Momente, die ihnen lange in Erinnerung bleiben.
Bei einer Hochzeit darf ich dazu beitragen, dass Menschen einen wunderschönen Tag erleben. Als Trauerredner möchte ich dazu beitragen, dass Angehörige einen persönlichen und würdevollen Abschied erleben können.
Das sind völlig unterschiedliche Aufgaben, aber beide verdienen Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen und Respekt.“
Wie kommt man als neuer Trauerredner überhaupt an die ersten Aufträge? Auf einer DJ-Webseite werden Angehörige vermutlich eher selten nach einem Trauerredner suchen.
„Das stimmt. Die beiden Bereiche unterscheiden sich auch darin, wie der Kontakt zu den Menschen entsteht.
Im Hochzeitsbereich kommen viele Anfragen direkt über meine Internetseiten, persönliche Empfehlungen oder Veröffentlichungen in regionalen Medien.
Im Bestattungswesen spielen dagegen die Bestattungsunternehmen eine wichtige Rolle.
Sie sind häufig die ersten Ansprechpartner für Angehörige und vermitteln auf Wunsch auch den Kontakt zu einem freien Trauerredner.
Für mich bedeutet das zunächst einmal, Kontakte aufzubauen, mich persönlich vorzustellen und Vertrauen zu gewinnen.
Ich habe deshalb nach meiner Weiterbildung begonnen, erste Bestattungsunternehmen in der Region anzuschreiben, unter anderem im Raum Luckenwalde und Trebbin.
Tatsächlich kam dann ganz spontan an einem Sonntag der erste Anruf. Ein Bestatter hatte gerade eine Familie bei sich und fragte, ob ich die Trauerfeier übernehmen könnte.
Das war natürlich ein aufregender Moment. Schließlich ist die erste Trauerrede etwas ganz Besonderes, und man trägt eine große Verantwortung gegenüber den Angehörigen.
Inzwischen durfte ich vier Trauerfeiern begleiten. Jede einzelne war anders und hat mir noch einmal verdeutlicht, wie individuell ein Abschied sein sollte.“
Was passiert nach einem solchen Anruf? Wie entsteht aus den Erinnerungen einer Familie am Ende eine Trauerrede?
„Zunächst geht es darum, die Angehörigen kennenzulernen und ihnen zuzuhören.
Ich möchte erfahren, wer der verstorbene Mensch war, was ihn ausgemacht hat und welche Erinnerungen die Familie mit ihm verbindet.
Dabei geht es nicht nur um Lebensdaten oder berufliche Stationen. Oft sind es gerade die kleinen Geschichten, persönlichen Eigenheiten oder gemeinsamen Erlebnisse, die einen Menschen unverwechselbar machen.
Aus diesen Gesprächen entsteht anschließend eine individuelle Trauerrede. Mir ist wichtig, dass sich die Angehörigen darin wiederfinden und sagen können: Ja, genau so war er. Oder:
Genau so war sie.
Eine Trauerrede muss aus meiner Sicht auch nicht ausschließlich traurig sein. Wenn ein Mensch beispielsweise einen besonderen Humor hatte, darf auch einmal ein liebevolles Schmunzeln entstehen.
Es geht schließlich darum, ein Leben in Erinnerung zu rufen – mit all seinen Facetten.“
Viele Menschen beschäftigen sich erst mit der Suche nach einem Trauerredner, wenn ein Angehöriger gestorben ist. Wie wird ein Redner überhaupt ausgewählt?
„Häufig erfolgt die Empfehlung tatsächlich über das Bestattungsunternehmen.
Die Bestatter kennen verschiedene Rednerinnen und Redner und können den Angehörigen entsprechende Kontakte vermitteln.
Dabei spielen persönliche Vorstellungen natürlich eine wichtige Rolle. Manche Menschen wünschen sich eine Frau, andere lieber einen Mann. Für einige ist das Alter entscheidend, für andere die Stimme, die Art des Auftretens oder einfach das persönliche Gefühl.
Ich glaube nicht, dass es dabei grundsätzlich richtig oder falsch gibt.
Wichtig ist, dass die Angehörigen einen Menschen finden, bei dem sie sich gut aufgehoben fühlen und dem sie ihre Erinnerungen an einen geliebten Menschen anvertrauen möchten.“
Worauf sollten Angehörige bei der Auswahl eines Trauerredners achten?
„Aus meiner Sicht ist die persönliche Sympathie ganz entscheidend.
Wer gerade einen geliebten Menschen verloren hat, befindet sich ohnehin in einer schwierigen Situation. Da möchte man nicht zusätzlich das Gefühl haben, sich durch unzählige Angebote arbeiten zu müssen.
Deshalb ist eine gute Empfehlung durch den Bestatter sicherlich hilfreich. Trotzdem sollte jeder die Möglichkeit haben, sich selbst ein Bild zu machen.
Ich würde Angehörigen empfehlen, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Nimmt sich der Redner Zeit? Hört er wirklich zu? Habe ich das Gefühl, dass er versteht, was mir wichtig ist?
Eine Trauerrede ist schließlich etwas sehr Persönliches. Da sollte das Vertrauen stimmen.“
Sie sind als DJ weiterhin vor allem auf Hochzeiten unterwegs. Kann sich die Arbeit als Trauerredner zeitlich mit Ihrem bisherigen Geschäft überschneiden?
„Bislang lässt sich das gut miteinander vereinbaren.
Hochzeiten und größere Veranstaltungen finden überwiegend freitags und samstags statt, während Trauerfeiern in der Regel unter der Woche und häufig am Vormittag durchgeführt werden.
Natürlich kann es auch einmal Überschneidungen geben. Aber ich organisiere meine Termine seit vielen Jahren selbstständig und bin es gewohnt, Veranstaltungen sorgfältig vorzubereiten.
Das gilt für meine neue Tätigkeit selbstverständlich genauso.“
Schwieriger dürfte der emotionale Wechsel sein: morgens eine Trauerfeier, nachmittags eine Hochzeit. Können Sie sich vorstellen, beides an einem Tag zu machen?
„Das ist sicherlich eine besondere Herausforderung, mit der ich mich auch ganz bewusst auseinandersetze.
Eine Trauerfeier kann emotional sehr bewegend sein. Gerade wenn man sich zuvor intensiv mit der Lebensgeschichte eines Menschen beschäftigt und die Angehörigen persönlich kennengelernt hat, geht das natürlich nicht spurlos an einem vorbei.
Gleichzeitig gehört es zu dieser Tätigkeit, einen professionellen Umgang mit solchen Situationen zu entwickeln.
Mir ist wichtig, beiden Aufgaben gerecht zu werden. Eine Trauerfeier verdient meine volle Aufmerksamkeit, genauso wie eine Hochzeit, bei der sich zwei Menschen auf einen wunderschönen gemeinsamen Tag freuen.
Ich möchte weder das eine noch das andere einfach nebenbei machen. Deshalb werde ich auch künftig sehr bewusst darauf achten, wie ich meine Termine plane.“
Soll das DJ-Geschäft trotzdem Ihr beruflicher Schwerpunkt bleiben?
„Auf jeden Fall möchte ich weiterhin als DJ tätig sein. Ich habe mir über 16 Jahre ein Unternehmen aufgebaut, viele wunderbare Menschen kennengelernt und begleite einige Veranstaltungsorte inzwischen schon seit vielen Jahren.
Das möchte ich keinesfalls aufgeben.
Gleichzeitig sehe ich meine neue Tätigkeit als Trauerredner nicht als kurzfristiges Projekt, sondern als einen beruflichen Weg, den ich langfristig weiterentwickeln möchte.
Wie sich beide Bereiche in den kommenden Jahren entwickeln werden, wird die Zeit zeigen.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Tätigkeit als Trauerredner irgendwann einen größeren Raum in meinem Berufsleben einnimmt.
Für mich ist das auch eine Frage der persönlichen Entwicklung. Mit zunehmender Lebenserfahrung verändert sich vielleicht der Blick auf manche Dinge. Und ich finde den Gedanken schön, meine Erfahrungen künftig auf unterschiedliche Weise für andere Menschen einsetzen zu können.“
Sie gehen damit also nicht vom DJ-Pult weg, sondern bauen sich bewusst etwas für die kommenden Jahre auf?
„Ganz genau. Ich möchte weiterhin Menschen bei ihren Hochzeiten und Feierlichkeiten begleiten und gleichzeitig auch als freier Trauerredner für Angehörige da sein.
Es geht mir nicht darum, das eine gegen das andere auszutauschen.
Vielmehr habe ich festgestellt, dass ich mit dem Schreiben, dem Reden und dem Umgang mit Menschen Fähigkeiten mitbringe, die ich auch in diesem besonderen Beruf einsetzen kann.
Ich freue mich darauf, diesen Weg weiterzugehen, Erfahrungen zu sammeln und auch hier in unserer Region Kontakte aufzubauen.
Und wenn ich mit einer persönlichen Trauerrede dazu beitragen kann, dass Angehörige einen geliebten Menschen auf eine Weise verabschieden können, die sich für sie richtig anfühlt, dann ist das eine sehr erfüllende Aufgabe."





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