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Könnte die neue Sport- und Freizeitanlage bald auch ein Gedächtnisort sein?

vor 1 Minute
2 Min. Lesezeit

Michendorf – Die neue Sport- und Freizeitstätte „An der Umgehungsbahn“ soll am 25. September eröffnet werden. Doch welchen Namen bekommt der Treffpunkt zwischen Langerwisch und Wilhelmshorst? Darüber konnten die Bürger im Sommer abstimmen.


Zwischen Vorschlägen wie „SportOase“, „FreiSpiel“ und „Bahnpark Michendorf“ findet sich ein Name, der auf ein bedrückendes persönliches Schicksal verweist: „Lieselotte Wietzel Sportanlage“. Die Gemeinde hatte auf Instagram zur Namensabstimmung bis zum 12. Juli aufgerufen.


Die Vorschläge stammten nach ihren Angaben aus einem öffentlichen Ideenwettbewerb.

Das Ergebnis der Abstimmung ist bislang nicht öffentlich bekannt.


Von „Apflethik“ bis „Bahnpark Michendorf“

Die veröffentlichte Auswahl reicht von sportlichen Wortspielen bis zu Namen mit örtlichem Bezug. Neben „SportOase“ und „FreiSpiel“ standen auch Vorschläge wie „Motion Park Michendorf“, „Midopolis“ und „MiZone“ zur Wahl.


Ein Vorschlag machte die Redaktion dann doch besonders neugierig und hebte sich von diesen Bezeichnungen ab: „Lieselotte Wietzel Sportanlage“.


Eine 17-Jährige und der 3. Mai 1945

Die Redaktion wandte sich zu diesem Thema an den Freunde & Förderer der Wilhelmshorster Ortsgeschichte e. V. - mit Erfolg: Ein der MIR vorliegender fotografierter Buchausschnitt aus dem Wilhelmshorster "Jubiläumsbuch" zeigt Lieselotte Wietzel als junge Frau.


Die Bildunterschrift bezeichnet sie als 17-Jährige und als „Opfer eines widerstandenen Vergewaltigungsversuchs vom 3. Mai 1945“. Damit führt der Namensvorschlag in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Europa zurück. Er verweist auf die Geschichte eines jungen Menschen, der sexualisierter Gewalt ausgesetzt war.


Eine Benennung nach Lieselotte Wietzel könnte ihre Geschichte damit dauerhaft in den Alltag der Gemeinde tragen. Gerade an einer Anlage, die auch jungen Menschen offenstehen soll, bekäme damit das Schicksal einer damals 17-Jährigen öffentliche Aufmerksamkeit.

Welche Begründung mit dem eingereichten Vorschlag verbunden war, geht aus der veröffentlichten Namensübersicht jedoch nicht hervor.


Namensgebung hinter verschlossenen Türen

Mit der Namensfrage hat sich inzwischen auch die Kommunalpolitik befasst – zumindest war sie für die Sitzung des Hauptausschusses am 14. September vorgesehen.

Die veröffentlichte Tagesordnung führt die Vorlage „Sport- und Freizeitstätte An der Umgehungsbahn – Namensgebung“ im nichtöffentlichen Teil auf.


Welche Empfehlung der Ausschuss ausgesprochen hat und wie die Bürgerabstimmung ausgegangen ist, lässt sich der Tagesordnung nicht entnehmen. Als Termin der nächsten Gemeindevertretung nennt das Dokument den 28. September - inzwischen wurde die Sitzung auf den 24. September vorverlegt. Ob dort abschließend über die Benennung entschieden wird, ist anhand der vorliegenden Unterlagen offen.


Eröffnung am 25. September

Die Gemeinde kündigt die Eröffnung für Freitag, den 25. September, an. Im Aufruf zur Namensabstimmung hatte sie für den ersten Bauabschnitt ein Multifunktionsspielfeld für Fußball, Basketball und Volleyball beschrieben. Weitere Angebote wie eine Skateranlage, ein Beachvolleyballfeld und überdachte Sitzbereiche seien geplant.


Ob die Anlage künftig einen sportlichen Fantasienamen, einen örtlichen Bezug oder den Namen Lieselotte Wietzels tragen wird, bleibt vorerst offen. Mit der Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses würde auch sichtbar, welche Unterstützung die einzelnen Vorschläge in der Bürgerbefragung erhalten haben.

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