MIR fällt auf: Es grünt so richtig
- Gregory Gosciniak

- vor 3 Tagen
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Meinung - Es grünt in Michendorf. Und zwar gewaltig.
Nach dem Regen schießt das Grün plötzlich überall aus dem Boden. Pflanzen wachsen meterhoch, Pusteblumen stehen am Straßenrand, Grünflächen verschwinden unter dichtem Bewuchs. Mancherorts ist ein Durchkommen zur Infotafel kaum noch möglich.
Ein beinahe schon geflügelter Spruch lautet: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Und genau diese Frage stellt sich inzwischen auch in Michendorf. Ist dieses hoch gewachsene, oft eher unansehnliche Gestrüpp inzwischen Teil der neuen Blühwiesen-Strategie der Gemeinde? Plant man hier vielleicht, den Begriff „Blühwiese“ ganz neu zu interpretieren? Oder wird das gemeindeeigene Grün am Ende schlicht nicht mehr ausreichend gepflegt?
Vor wenigen Jahren fragte ich – damals noch als Ortsbeiratsmitglied – einmal nach, warum manche Grünflächen völlig überwuchert wirken. Die Antwort lautete sinngemäß: Dort entstehe eine "Blühwiese".
Grundsätzlich ist die Idee natürlich richtig. Mehr Natur, mehr Insekten, mehr Biodiversität – dagegen wird kaum jemand etwas haben. Nur entfaltet diese Idee direkt am Waldesrand vielleicht nicht ganz dieselbe Wirkung wie in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg.
Und überhaupt: Echte Blühwiesen folgen normalerweise einem klaren und erkennbaren Konzept. Viele Flächen in Michendorf wirken derzeit dagegen eher wie bestellt und nicht abgeholt.
Und wo wir beim Abholen sind: Besonders auffällig sind dabei die Mitnahmebänke der Gemeinde. Wären sie in Benutzung, so stünden sie für Gemeinschaft, Nachbarschaft und unkomplizierte Hilfe im Alltag. Doch inzwischen fragt man sich, wie das Konzept „Blühwiese“ und das Konzept „Mitnahmebank“ nun koexistieren sollen.
Denn eines ist sicher: Wenn sich jemand auf eine Mitnahmebank setzen wollen würde – und jemand diese Person mitnehmen wollen würde –, dann dürfte das mancher Orts derzeit schwierig werden. Manche Bänke verschwinden inzwischen fast vollständig im hohen Grün.
Vielleicht kann man inzwischen also wirklich sagen: Hier entsteht die erste Blühwiese zum Mitnehmen.
Und vielleicht ist es mit der Grünpflege ähnlich wie mit dem Winterdienst. Wenn der Schnee sich nicht an den Kalender hält, kommt dieser oft erst dann vorbei, wenn schon wieder alles geschmolzen ist. So bleibt am Ende fast nur die Hoffnung auf einen frühen Herbst – damit das Sprießen ein natürliches Ende findet.




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