top of page

MIR fällt auf: Es reichen keine Problembeschreibungen mehr

Meinung - Ein Medium wie die Michendorfer Rundschau kann Probleme beschreiben. Das ist sogar ein Teil unserer Aufgabe. Von Politikern — und gerade von denen in Verwaltungsverantwortung — erwartet man allerdings etwas mehr.


Denn genau hier beginnt Demokratie für viele Menschen an Glaubwürdigkeit zu verlieren: wenn Parteien, politische Gruppierungen und Verantwortliche zwar regelmäßig Probleme benennen, Betroffenheit äußern und Stellungnahmen veröffentlichen, sichtbare Veränderungen im Alltag aber ausbleiben.


Ein ziemlich prominentes Beispiel dafür ist inzwischen der Vandalismus in Michendorf — und gerade in Wildenbruch. Ein ums andere Mal kommt es dort in beinahe schon bedrückender Regelmäßigkeit zu Vorfällen: zerstörte Bushaltestellen, herausgerissene Verkehrsbarken und die mittlerweile mehrfach beschädigte Bücherzelle am Pappelplatz. Es ist schon so normal, dass ich gar nicht darüber schreiben wollte, bis eine Anwohnerin sich an die MIR wandte.


Der Ortsvorsteher beschrieb die Bücherzelle im Februar als „Ort der Begegnung, des Austauschs und der Bildung“. Sie lebe „vom Vertrauen, vom respektvollen Umgang miteinander und vom freiwilligen Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger“.


Und genau das stimmt auch. Frau Melior und dem Heimatverein Wildenbruch — dem auch ich angehöre — kann man nur danken, dass sie sich mit so viel Einsatz um ein solches Kulturangebot kümmern. Dass die Beteiligten trotz der wiederholten Zerstörung bislang nie die Reißleine gezogen haben, verdient höchsten Respekt.


Ganz anders wirkt inzwischen allerdings die politische Kommunikation rund um das Thema.

Im April hieß es nach zerstörten Bushaltestellen, Vandalismus sei „kein Kavaliersdelikt“ und verursache Kosten, „die am Ende von uns allen“ getragen werden müssten. Jetzt folgte vor einigen Tagen - nach den erneuten Schäden an der Bücherzelle - die nächste öffentliche Erklärung: Man könne „wirklich nicht nachvollziehen“, warum Menschen „das Engagement anderer so mit Füßen treten“.


Das alles mag vielleicht ehrlich gemeint sein. Aber viele Bürger haben inzwischen merklich das Gefühl, dass auf öffentliche Empörung zu selten sichtbare Konsequenzen folgen. Und genau das merkt man inzwischen sehr deutlich an den Kommentarspalten. Dort geht es längst nicht mehr nur um kaputte Scheiben oder beschädigte Telefonzellen. Dort liest man Frust, Unverständnis und immer häufiger ein deutliches Gefühl von: Langsam reicht’s.


Natürlich wird es keine einfache Sofortlösung für Vandalismus geben. Niemand behauptet ernsthaft, dass ein einzelner Facebook-Post oder eine politische Erklärung solche Probleme plötzlich beendet.


Aber Bürger erwarten zu Recht zumindest den Eindruck, dass Verantwortliche nicht nur kommentieren, sondern handeln wollen. Denn Hochglanz-Betroffenheit, Bürgermonologe und regelmäßige Newsletter ersetzen eben kein sichtbares Handeln vor Ort. Probleme immer wieder öffentlich zu beklagen, macht sie nicht kleiner.


Hier werden keine neuen Problembeschreibungen gebraucht. Hier werden Problembehebungen gebraucht.

Kommentare


Kontakt zur Redaktion

Für Gastbeiträge, Pressemitteilungen, Veranstaltungseinladungen und redaktionelle Hinweise erreichen Sie die Redaktion der Michendorfer Rundschau unter redaktion@michendorfer-rundschau.de.

Gerne nehmen wir Informationen, Termine, Bildmaterial und Themenvorschläge aus Michendorf und den Ortsteilen entgegen. Bitte fügen Sie nach Möglichkeit alle relevanten Angaben sowie einen Ansprechpartner hinzu.

Logo (57).png
  • Facebook
  • Whatsapp
  • Instagram
  • X
  • LinkedIn

Gemäß § 19 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) wird keine Mehrwertsteuer ausgewiesen, da unser Unternehmen der Kleinunternehmerregelung unterliegt.

 

Kontakt zur Redaktion: Redaktion@Michendorfer-Rundschau.de

© 2026 Michendorfer Rundschau | Gosciniak & Bettermann Ads & Publishing GbR | Impressum | Datenschutz

bottom of page