MIR fällt auf: Jürgen Klopp hat recht
Meinung – Jürgen Klopp hat etwas gesagt, bei dem ich sofort dachte: Genau das ist der Punkt. Er wünsche sich einen „positiven Patriotismus“. Er wolle sich die Fahne zurückholen. Eine Deutschlandflagge, bei deren Anblick niemand mehr darüber nachdenkt, ob mit demjenigen, der sie zeigt, vielleicht „etwas nicht in Ordnung“ sei. Ich finde: Jürgen Klopp hat recht.
Vielleicht beschäftigt mich das auch deshalb, weil ich zu einer Generation gehöre, für die Schwarz-Rot-Gold lange Zeit tatsächlich etwas Spezielles war. Ich bin in den 2000er-Jahren geboren. Deutschlandflaggen kannte ich vor allem von Fußball-Welt- und Europameisterschaften.
Dann hingen sie plötzlich an Balkonen, steckten an Autos, wurden ins Gesicht gemalt und durch Innenstädte getragen. Deutschland spielte Fußball – und für ein paar Wochen war Schwarz-Rot-Gold normal.
Die Deutschlandflagge sollte aber nichts sein, das wir alle zwei bis vier Jahre aus dem Keller holen, wenn unsere Nationalmannschaft ein großes Turnier spielt. Sie darf etwas ganz Alltägliches sein. Genau deshalb habe ich die Diskussion um die dauerhafte Beflaggung öffentlicher Gebäude in Michendorf mit besonderem Interesse verfolgt. Im Mai scheiterte in der Gemeindevertretung ein entsprechender Antrag denkbar knapp mit 10 zu 13 Stimmen.
In der Debatte wurde deutlich, wie unterschiedlich Schwarz-Rot-Gold noch immer wahrgenommen wird. In einem konkurrierenden Antrag war sogar von möglichem „Spielraum für eine nationalistische Interpretation“ bei Beflaggung mit der Deutschlandflagge die Rede.
Und genau an diesem Punkt komme ich nicht mit.
Wenn wir bereits darüber nachdenken müssen, ob jemand uns für nationalistisch halten könnte, nur weil vor unserem Rathaus die Flagge der Bundesrepublik Deutschland weht, dann haben wir ein Problem. Nicht mit der Flagge. Sondern mit unserem Verhältnis zu ihr.
Natürlich gibt es Nationalismus. Natürlich gibt es Menschen, die nationale Symbole für Ausgrenzung, Überhöhung oder politische Provokation benutzen wollen. Aber daraus darf doch nicht folgen, dass alle anderen diese Symbole meiden.
Gesunder Nationalstolz kann etwas ganz gesundes sein: die Freude darüber, in einem freien und demokratischen Land zu leben. Dankbarkeit für das, was funktioniert. Verbundenheit mit unserer Heimat. Und gleichzeitig der Anspruch, Dinge besser zu machen, wo sie eben noch nicht gut sind. Das widerspricht weder Weltoffenheit noch Vielfalt. Genau darauf hat Klopp hingewiesen: Man könne stolz darauf sein, deutsch zu sein und gleichzeitig offen, vielfältig, freundlich und mitfühlend bleiben.
Vielleicht müssen wir deshalb tatsächlich wieder lernen, entspannter mit unseren eigenen nationalen Symbolen umzugehen.





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