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Progesteronmangel: Wenn die zweite Zyklushälfte Probleme macht

vor 5 Stunden
4 Min. Lesezeit

Gastbeitrag - Viele Frauen merken schon einige Tage vor der Periode sehr genau, dass sich im Körper etwas verändert.


Die Stimmung kippt schneller, man ist gereizter als sonst, schläft schlechter, die Brust spannt, Wasser lagert sich ein oder es beginnen schon vor der eigentlichen Regelblutung Schmierblutungen.


Und dann kommt häufig die Frage: Habe ich zu wenig Progesteron?


Die Antwort ist: Das kann sein. Aber längst nicht jede Beschwerde vor der Periode ist automatisch ein Progesteronmangel.


Genau da lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen.


Was macht Progesteron eigentlich?


Progesteron ist vor allem ein Hormon der zweiten Zyklushälfte.


Nach dem Eisprung bildet sich im Eierstock der sogenannte Gelbkörper. Dieser produziert Progesteron. Das Hormon sorgt unter anderem dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet.


Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, sinkt der Progesteronspiegel wieder ab. Die Schleimhaut wird abgestoßen und die Menstruation beginnt.


Das klingt zunächst recht simpel. In der Praxis ist der Zyklus aber natürlich deutlich empfindlicher.


Wenn kein regelrechter Eisprung stattfindet oder die zweite Zyklushälfte nicht stabil genug ist, kann auch die Progesteronproduktion verändert sein.


Welche Beschwerden sehe ich dabei häufig?


Typisch sind Beschwerden wie:


* Reizbarkeit

* Stimmungsschwankungen

* Brustspannen

* Wassereinlagerungen

* Kopfschmerzen

* Schlafprobleme

* Müdigkeit

* Schmierblutungen

* Veränderungen der Zykluslänge


Was mir dabei fast wichtiger ist als die einzelne Beschwerde, ist der Zeitpunkt.


Wenn eine Patientin sagt: „Eine Woche vor meiner Periode geht es los, und sobald die Blutung einsetzt, wird es wieder besser“, dann ist das eine wichtige Information.


Dieses Muster passt zu prämenstruellen Beschwerden.


Aber: Es beweist noch keinen Progesteronmangel.


Das ist ein Punkt, der im Internet gerne zu schnell übersprungen wird.


Warum kann die zweite Zyklushälfte aus dem Takt geraten?


Da gibt es nicht nur einen Grund.


Stress kann eine Rolle spielen. Schlafmangel ebenfalls. Starke Gewichtsveränderungen, sehr intensiver Sport oder andere hormonelle Veränderungen können den Zyklus beeinflussen.


Auch die Schilddrüse sollte man nicht vergessen.


Gerade bei unregelmäßigen Zyklen, Blutungsstörungen oder Kinderwunsch gehört sie für mich mit in die Abklärung.


Oft gibt es übrigens gar nicht den einen großen Auslöser. Häufig ergibt sich erst aus mehreren Dingen ein stimmiges Bild.


Wie finde ich heraus, ob wirklich ein Progesteronproblem vorliegt?


Ich würde nie nur auf einen einzelnen Laborwert schauen.


Der Zyklus selbst liefert oft schon sehr viele Informationen.


Interessant ist zum Beispiel:


Wann beginnt die Menstruation?


Wie lang ist der Zyklus?


Gibt es Schmierblutungen?


Wann beginnen die Beschwerden?


Gibt es Hinweise auf einen Eisprung?


Ein sauber geführter Zykluskalender ist deshalb oft hilfreicher, als viele denken.


Wer möchte, kann zusätzlich Ovulationstests oder eine Basaltemperaturmessung nutzen.


Wenn Progesteron im Blut bestimmt werden soll, ist der Zeitpunkt entscheidend.


Hier wird sehr oft pauschal „Tag 21“ genannt.


Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Frau ungefähr einen 28-Tage-Zyklus hat.


Bei einem 35-Tage-Zyklus wäre Tag 21 häufig schlicht zu früh.


Sinnvoller ist es, die Blutentnahme ungefähr sieben Tage vor der erwarteten nächsten Menstruation zu planen.


Je nach Beschwerden können zusätzlich Schilddrüsenwerte oder weitere Hormone sinnvoll sein.


PMS und Progesteronmangel sind zwei verschiedene Dinge


Das ist mir wichtig.


Viele Frauen haben PMS und denken automatisch, dass sie zu wenig Progesteron haben.


So einfach ist es nicht.


PMS beschreibt zunächst einmal Beschwerden, die regelmäßig vor der Menstruation auftreten und nach Beginn der Blutung wieder nachlassen.


Das können körperliche Beschwerden sein, aber auch Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Schlafprobleme.


Daraus lässt sich allein noch kein Progesteronmangel ableiten.


Auch ein einzelner niedriger Wert reicht nicht, um die ganze Situation zu erklären.


Man muss den Zyklus immer im Zusammenhang betrachten.


Wann kann eine Bestimmung von Progesteron sinnvoll sein?


Wenn sich tatsächlich Hinweise auf eine Störung der zweiten Zyklushälfte ergeben, kann Progesteron therapeutisch eingesetzt werden.


Das kann zum Beispiel oral oder vaginal erfolgen.


Aber auch hier gilt: Nicht jede Patientin mit PMS braucht automatisch Progesteron.


Die Frage ist immer: Was ist eigentlich das Problem?


Geht es um Beschwerden?


Um unregelmäßige Blutungen?


Um Kinderwunsch?


Oder liegt möglicherweise etwas ganz anderes dahinter?


Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann man sinnvoll behandeln.


Und die Pille?


Die Pille kann zyklusabhängige Beschwerden durchaus reduzieren.


Aber sie macht etwas anderes.


Sie unterdrückt in der Regel den Eisprung und verändert damit den natürlichen Zyklus.


Das kann medizinisch sinnvoll sein, ist aber nicht dasselbe wie eine gezielte Behandlung mit Progesteron.


Bei Kinderwunsch ist diese Option ohnehin keine Lösung.


Progesteron bei Kinderwunsch


Beim Kinderwunsch ist Progesteron besonders wichtig.


Nach dem Eisprung sorgt es dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vorbereitet wird.


In der Kinderwunschbehandlung wird Progesteron deshalb häufig zur Unterstützung der zweiten Zyklushälfte eingesetzt.


Auch zur Abklärung kann ein Progesteronwert hilfreich sein, zum Beispiel wenn geklärt werden soll, ob überhaupt ein Eisprung stattgefunden hat.


Aber auch hier gilt wieder: Der richtige Zeitpunkt der Blutentnahme entscheidet mit darüber, ob der Wert überhaupt sinnvoll beurteilt werden kann.


Was kann man selbst tun?


Ich halte wenig davon, jeder Frau mit Zyklusbeschwerden sofort eine lange Liste an Nahrungsergänzungsmitteln zu geben.


Natürlich spielen Schlaf, Stress, Ernährung, Gewicht und Bewegung eine Rolle.


Wer dauerhaft zu wenig schläft, unter massivem Stress steht oder extrem viel trainiert, kann durchaus merken, dass der Zyklus darauf reagiert.


Das bedeutet aber nicht, dass sich jedes hormonelle Problem mit Magnesium, Zink oder Vitamin B6 beheben lässt.


Nahrungsergänzung sollte gezielt eingesetzt werden und nicht nach dem Motto: Viel hilft viel.


Wenn ein Mangel besteht, kann man ihn behandeln.


Wenn keiner besteht, ist die nächste Kapsel meistens nicht die Lösung.


Wann sollte man zum Frauenarzt?


Wenn Beschwerden immer wieder auftreten oder zunehmend stärker werden, würde ich das abklären lassen.


Besonders dann, wenn zusätzlich:


* Schmier- oder Zwischenblutungen auftreten

* der Zyklus deutlich unregelmäßig wird

* die Menstruation ausbleibt

* starke prämenstruelle Beschwerden bestehen

* Kinderwunsch besteht


Am Ende geht es nicht darum, möglichst schnell irgendein Hormon zu verschreiben.


Es geht darum, zu verstehen, was im Zyklus tatsächlich passiert.


Manchmal liegt tatsächlich eine Störung der zweiten Zyklushälfte vor.


Manchmal steckt etwas anderes dahinter.


Und genau deshalb sollte die Behandlung nicht mit einer Vermutung beginnen, sondern mit einer vernünftigen Diagnostik.


Dr. med. Marcus Fischdick

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