„Soziale Infrastruktur darf Michendorf nicht verlieren“ - MIR-Sommerinterview mit Kay-Uwe Fleischmann (UWG-FW)
Langerwisch - Was bewegt die Menschen in Michendorf? Wo läuft es gut, wo drückt der Schuh? Und was macht den Sommer in der Gemeinde besonders? Im MIR-Sommerinterview spricht Kai-Uwe Fleischmann, Ortsvorsteher von Langerwisch und Gemeindevertreter der UWG/Freien Wähler, über bezahlbaren Wohnraum, steigende Wasser- und Abwasserpreise, die Zukunft der Kitas und seinen persönlichen Sommerort in Michendorf.
Was beschäftigt die Menschen in Michendorf aus Ihrer Sicht aktuell am meisten?
"Wenn man auf den Ortsteil Michendorf schaut, dann beschäftigen viele Menschen sicherlich die Ablösebeiträge für das Sanierungsgebiet an der Potsdamer Straße. Das ist für die Betroffenen ein wichtiges Thema.
Wenn ich die Gemeinde Michendorf insgesamt betrachte, dann ist aus meiner Sicht der soziale Wohnungsbau eines der zentralen Themen. Wir sehen das an den neu geschaffenen Wohnungen, die gemeinsam mit der GWG entstanden sind. Dort wurden 34 Wohnungen in relativ kurzer Bauzeit fertiggestellt. Auf diese 34 Wohnungen gab es aber mehr als 300 Anmeldungen. Das heißt: Nur ungefähr zehn Prozent der Menschen, die eigentlich anspruchsberechtigt waren, konnten berücksichtigt werden.
Das zeigt deutlich, dass es in Michendorf zu wenig sozialen Wohnungsbau und zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt. Das ist sicherlich kein reines Michendorfer Problem, sondern ein deutschlandweites Thema. Aber es betrifft die Menschen hier ganz konkret. Die Rahmenbedingungen passen derzeit einfach nicht zu bezahlbaren Mieten. Vor allem die Baupreise, die aktuell zu Buche stehen, sind mit bezahlbarem Wohnen kaum vereinbar.
Für Langerwisch selbst bleibt außerdem der Erhalt der Kita ein sehr wichtiges Thema. Noch ist offen, ob das Ministerium der geplanten Verschlankung der Kita zustimmt. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen wäre die Kita sonst eventuell nicht zu halten. Geplant ist, die Einrichtung von zwei Häusern auf ein Haus zu konzentrieren. Dafür gibt es ein Konzept und einen Umsetzungsplan. Wenn die Genehmigung kommt, könnte damit zumindest mittelfristig der Erhalt der Kita gesichert werden. Mir ist wichtig, dass wir in allen Ortsteilen die soziale Infrastruktur erhalten."

Wo läuft es in Michendorf derzeit gut und wo muss Ihrer Meinung nach noch nachgebessert werden?
"Gut läuft aus meiner Sicht, dass viele Projekte angeschoben worden sind. Dazu gehören zum Beispiel Teichsanierungen, Seesanierungen und Maßnahmen, die in Richtung Biodiversität gehen. Es wurden Bäume gepflanzt und Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt. Ich würde sagen, dass wir in einer Gemeinde mit einem schönen und lebenswerten Naturraum leben.
Nachgebessert werden muss aus meiner Sicht bei den drastisch gestiegenen Preisen für Wasser und Abwasser. Das brennt vielen Bürgerinnen und Bürgern unter den Nägeln. Im Vergleich zu anderen Zweckverbänden liegen wir mittlerweile bei rund neun Euro oder sogar etwas darüber für den Kubikmeter Wasser inklusive Abwasser. Damit liegen wir weit über dem Durchschnitt anderer Verbände.
Natürlich haben wir einen großen und ländlich geprägten Zweckverband. Aber wenn man zum Beispiel nach Beelitz schaut, wo man für Wasser und Abwasser noch ungefähr fünf Euro bezahlt, dann ist der Unterschied enorm. Das sind rund 80 Prozent mehr Kosten. Das belastet die Menschen und sie spüren es jeden Tag im Portemonnaie. So darf es auf keinen Fall weitergehen."
Welche Entscheidung würden Sie für Michendorf sofort treffen, wenn Geld und Bürokratie keine Rolle spielen würden?
"Ich würde beim sozialen Wohnungsbau ansetzen. Das ist ein Kernproblem, das sehr viele Menschen beschäftigt. Wenn die entsprechenden Möglichkeiten da wären oder wenn die Rahmenbedingungen anders wären, müsste man deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Wenn die Rahmenbedingungen nicht ausreichen, muss man versuchen, Fördermittel zu generieren. Denkbar wäre auch, dass die Gemeindeverwaltung gemeinsam mit der GWG geeignetes und günstigeres Bauland ausweist. Damit könnten Bauträger einen Anreiz bekommen, geförderten sozialen Wohnraum zu schaffen. Entscheidend ist, dass Wohnen in Michendorf bezahlbar bleibt."
Was darf Michendorf in den kommenden Jahren auf keinen Fall verlieren?
"Michendorf darf seine soziale Infrastruktur nicht verlieren. Dazu gehören vor allem Kitas und Schulen. Wenn Kitas geschlossen oder stark verkleinert werden müssen, hat das Folgen für die Ortsteile und für das Gemeindeleben insgesamt.
Wir sehen durch die demografische Entwicklung und auch durch die Entwicklungen seit der Corona-Zeit sinkende Kinderzahlen in den Kitas. In manchen Einrichtungen macht sich das stärker bemerkbar als in anderen. Teilweise sind Kitas nur noch zu etwa 50 Prozent ausgelastet. Wenn wir diese Einrichtungen erhalten wollen, brauchen wir tragfähige Konzepte, wie man mittelfristig gegensteuern kann.
Das Thema wird sich auch auf die Schulen auswirken. Die Grundschule in Michendorf wurde mit erheblichen finanziellen Mitteln erweitert. Auch deshalb ist es wichtig, die soziale Infrastruktur insgesamt zu erhalten. Im Sozialausschuss, im Bauausschuss und in weiteren Gremien befassen wir uns mit diesen Fragen und versuchen, die besten Lösungen zu finden."
Welcher Ort oder welcher Moment steht für Sie persönlich für „Sommer in Michendorf“?
"Für mich steht der Seddiner See ganz klar für Sommer in Michendorf. Er zieht nicht nur Einwohnerinnen und Einwohner aus der Gemeinde an, sondern auch Menschen aus dem Umland. An mehreren Badestellen kann man dort den Sommer und die Sonne genießen. Die Wasserqualität ist derzeit in Ordnung.
Und für Langerwisch gehört natürlich das Langerwischer Höfefest zum Sommer. Es findet mittlerweile schon zum 18. Mal statt und ist ein dörfliches, kulturelles Fest, das viele Menschen anzieht. Die Besucherinnen und Besucher können Höfe kennenlernen und sehen, wie vielseitig Langerwisch ist – mit Obstgartenverein, Bienenzucht, Pferdeverein und vielen weiteren Angeboten."
Und zum Schluss ganz klassisch: Meer, Berge, Brandenburg oder Balkonien?
"Für mich schließen sich Meer und Berge nicht aus. Persönlich bin ich aber eher der Meer-Fan.
Brandenburg und Michendorf haben aber auch einiges zu bieten."





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