Wende am Seddiner See: Saisonales Bootsverbot soll 2027 Geschichte sein
Michendorf - Das saisonale Verbot für Boote, Paddler und Surfer auf dem Seddiner See läuft nach Angaben der Bürgermeisterin von Seddiner See Ende 2026 aus. Die Einschränkungen hätten auch Angler und Gewässerforscher getroffen – kontrolliert worden seien sie dagegen nicht.
Künftig will die Gemeinde gezielter gegen Verstöße am Schilfgürtel vorgehen.
Seddiner See. Weniger pauschale Einschränkungen, dafür mehr Kontrollen am Ufer:
Beim Schutz des Seddiner Sees zeichnet sich ein Kurswechsel ab. Wie die MAZ berichtet, werde der Landkreis Potsdam-Mittelmark seine bis Ende 2026 befristete Allgemeinverfügung nicht verlängern.
Das habe Bürgermeisterin Carina Simmes (BVB/Freie Wähler) in der Gemeindevertretung mitgeteilt. Damit würde das darin geregelte saisonale Verbot für Bootsfahrten, Paddeln und Surfen ab 2027 entfallen.
Die Gemeindevertretung hat bereits ihren eigenen Beschluss aus dem Jahr 2021 aufgehoben. Zwölf Mitglieder stimmten dafür, zwei dagegen, eines enthielt sich. Ursprünglich hatte die Gemeinde eine Einschränkung für Elektroboote erreichen wollen.
Die 2024 erlassene Verfügung des Landkreises ging jedoch darüber hinaus und erfasste auch weitere Nutzungen außerhalb der Sommersaison.
Anträge und Gebühren – aber keine Kontrollen?
Besonders kritisch sieht Simmes laut MAZ die fehlende Überprüfung der Verbote.
Der Landkreis hätte die Einhaltung kontrollieren müssen, habe dies jedoch nicht getan.
Ohne Kontrollen bleibe eine solche Regelung wirkungslos, so die Bürgermeisterin.
Zugleich habe die Verfügung Menschen und Einrichtungen belastet, die sich selbst für den See einsetzen. Angler hätten für Bootsfahrten außerhalb der Sommersaison Ausnahmen beantragen und bezahlen müssen.
Auch das Institut für angewandte Gewässerökologie, das im Auftrag der Gemeinde den Zustand des Sees untersucht, habe jährlich einen kostenpflichtigen Antrag stellen müssen.
Der ursprüngliche Anlass sei ein anderer gewesen: Während der Corona-Zeit habe der Bootsverkehr zugenommen, gleichzeitig sei der Wasserstand besonders niedrig gewesen.
Daran erinnerte dem Bericht zufolge auch Gemeindevertreter Jürgen Wagler (BVB/Freie Wähler), Vorsitzender des Fördervereins Seddiner See.
Die Verfügung sei erst Jahre später gekommen und habe nicht dem ursprünglichen Anliegen der Gemeinde entsprochen.
Kritik: Warum nicht die Kontrollen verbessern?
Der Kurswechsel stößt allerdings auch auf Widerspruch. In der Einwohnerfragestunde kritisierte Mirko Pierdzig laut MAZ, dass der Uferschutz damit zurückgedrängt werde.
Statt Schutzmaßnahmen wegen fehlender Kontrollen aufzugeben, müsse die Kontrolle verbessert werden.
Hinter den Einschränkungen stand der Schutz empfindlicher Uferbereiche und der Vogelwelt. Wer mit einem Boot oder einem Paddelbrett zu dicht an das Schilf heranfährt oder hineinfährt, kann dort brütende Vögel aufscheuchen.
Verlassen sie ihre Nester, sind Eier und Nachwuchs schlechter geschützt. Auch rastende Zugvögel sollten von den saisonalen Einschränkungen profitieren.
Ordnungsamt soll auch das Schilf im Blick haben
Nach Darstellung der Bürgermeisterin bedeutet das Auslaufen der Verfügung jedoch nicht, dass der Schilfgürtel künftig ungeschützt sei. Andere naturschutzrechtliche Vorgaben bestünden weiter.
Die Gemeinde wolle deshalb selbst stärker darauf achten, dass Boote und Stand-up-Paddler nicht ins Schilf fahren. Entsprechende Verstöße solle das Ordnungsamt ahnden.
Dessen Mitarbeiter seien an Sommerwochenenden ohnehin am See unterwegs – bislang vor allem wegen falsch abgestellter Fahrzeuge. Künftig solle der Schutz der Uferbereiche stärker in den Mittelpunkt rücken.
Für die verbleibenden Monate des Jahres gilt zunächst weiterhin die bestehende Verfügung: Das saisonale Verbot ist am 1. Oktober nach dem Ende der Sommersaison noch einmal in Kraft getreten.





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