„Auf den zweiten Blick“: Zwei Künstler verwandeln das Michendorfer Rathaus
- Oliver Bettermann

- vor 9 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Michendorf - Kräftige Farben, ungewöhnliche Materialien und Bilder, die ihre Geschichten erst nach und nach preisgeben: Ab September wird das Rathaus Michendorf erneut zur Ausstellungsfläche. Unter dem Titel „Auf den zweiten Blick“ präsentieren Michael Müller und Grit May Wolff gemeinsam Malerei, Grafik und Cyanotypien.
Die Ausstellung wird am Dienstag, 8. September 2026, um 16.30 Uhr eröffnet. Bis zum 30. Oktober sollen die Arbeiten anschließend in den Fluren des Rathauses am Richard-Muth-Platz zu sehen sein.
Kunst zwischen Kassenbons und Farbschichten
Michael Müllers Werke verbinden Malerei, Collage und konzeptuelle Elemente. Kontrastreiche und farbintensive Flächen treffen dabei auf feine Details und kleine Figuren. Diese verleihen den Arbeiten eine erzählerische Ebene und sollen den Blick der Betrachter immer wieder auf neue Einzelheiten lenken.
Als Untergrund verwendet Müller teilweise Materialien aus dem Alltag – darunter Kassenbons, Rechnungen oder handschriftliche Notizen. Sie verschwinden nicht vollständig unter der Farbe, sondern bleiben stellenweise sichtbar.
Dicke Farbschichten und bewusst erkennbare Strukturen geben den Bildern eine besondere Tiefe und Materialität. Inhaltlich beschäftigen sich die Arbeiten nach Angaben der Künstler unter anderem mit Vergänglichkeit, Hoffnung und innerer Einkehr.
Bis zu 30 Schichten für ein Bild
Bei Grit May Wolff steht dagegen vor allem das Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien und Techniken im Mittelpunkt. Sie arbeitet unter anderem mit Acrylfarben, Schablonen und Spachteltechniken.
Einzelne Werke entstehen in einem langwierigen Prozess. Bei den sogenannten Eisberg-Motiven können nach Angaben der Künstlerin bis zu 30 verschiedene Farbschichten übereinanderliegen.
Wolffs Arbeiten greifen persönliche Erfahrungen und unterschiedliche Lebensphasen auf. Dabei setzt sie sich sowohl mit Schmerz und Angst als auch mit Wolken, dem Meer, Farbspielen und intuitivem Malen auseinander.
Nicht die handwerkliche Perfektion, sondern der kreative Prozess und die Wirkung der verschiedenen Materialien sollen dabei im Vordergrund stehen.
Blaudruck mit ungewissem Ergebnis
Eine besondere Rolle nimmt in Wolffs Arbeit die Cyanotypie ein. Das historische fotografische Blaudruckverfahren erzeugt charakteristische blaue Bilder und lässt sich nur eingeschränkt kontrollieren.
Gerade dieses Zusammenspiel aus bewusster Gestaltung und Zufall mache für die Künstlerin den Reiz der Technik aus. Das endgültige Ergebnis zeige sich häufig erst während des Entwicklungsprozesses.
Rathaus bleibt Ausstellungsort
Mit „Auf den zweiten Blick“ wird die Reihe regionaler Kunstausstellungen im Michendorfer Rathaus fortgesetzt. Zuvor waren dort unter dem Titel „Querbeet“ Arbeiten von Christine Dressler zu sehen.
Die neue Gemeinschaftsausstellung will ihrem Namen entsprechend dazu einladen, nicht nur flüchtig hinzusehen. Zwischen Farbschichten, Schriftstücken, Figuren und zufällig entstandenen Strukturen dürften sich viele Einzelheiten tatsächlich erst beim zweiten Blick erschließen.
Ausstellung: „Auf den zweiten Blick“
Künstler: Michael Müller und Grit May Wolff
Eröffnung: Dienstag, 8. September 2026, 16.30 Uhr
Ausstellungsdauer: bis 30. Oktober 2026
Ort: Rathaus Michendorf, Richard-Muth-Platz 1, 14552 Michendorf




Kommentare