Die großen Michendorfer Sport-Pläne: Neue Halle, Kunstrasen, Freizeitfläche – und die Frage nach dem Geld
- Gregory Gosciniak

- vor 3 Stunden
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Michendorf - Es geht um mehr als Fußballtore, Turnmatten und Hallenzeiten. Die neue Sportstättenkonzeption der Gemeinde Michendorf ist ein Fahrplan dafür, wie sich Schul- und Vereinssport, Freizeit und Gesundheitsangebote bis 2030 entwickeln sollen. Am Ende steht eine Grundsatzfrage: Was muss die Gemeinde zwingend leisten – und was kann sie sich überhaupt noch leisten?
Die Fortschreibung der Konzeption liegt jetzt als Beschlussvorlage für die kommende Gemeindevertretersitzung vor. Sie soll die Sport- und Bewegungsinfrastruktur der Gemeinde für die kommenden Jahre strategisch ausrichten. Die Verwaltung will Maßnahmen schrittweise umsetzen, Fördermittel prüfen, die Projekte in der Haushalts- und Investitionsplanung berücksichtigen und spätestens nach drei Jahren erneut fortschreiben. Beschlossen wird damit noch nicht jede einzelne Ausgabe – aber die Richtung.
Sport ist Pflicht – aber nicht alles ist Pflicht
Schulsport ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Die Gemeinde muss als Schulträgerin dafür sorgen, dass der Unterricht lehrplangerecht stattfinden kann. Die Unterstützung des übrigen Sports – also Vereins-, Freizeit- und Breitensport – ist dagegen grundsätzlich eine freiwillige Aufgabe und hängt damit stärker von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune ab. Genau an dieser Schnittstelle wird das Konzept politisch interessant.
Denn Michendorf wächst zwar weiter, wird aber zugleich älter. Die Konzeption verweist auf den demografischen Wandel: Die Gemeinde sei weiter attraktiv, gleichzeitig gingen Kinderzahlen in Kitas und Schulen perspektivisch zurück. Ab 2028 werde ein deutlicher Rückgang bei den Schulkindern erwartet. Für die Sportplanung schließt man daraus: weniger reine Kinderlogik, mehr Mehrfachnutzung, Barrierefreiheit, Seniorensport, Gesundheitsangebote und wohnortnahe Bewegungsflächen.
8,7 Millionen Euro für Wilhelmshorst
Der größte Einzelposten steht in Wilhelmshorst. Dort soll an der Grund- und Oberschule eine neue Zweifeldsporthalle entstehen. In der Sportstättenkonzeption rechnet die Gemeinde derzeit mit Baukosten von 8,7 Millionen Euro. Die Halle soll barrierefrei werden, Nebenräume und Lagerflächen erhalten und eine Tribüne für bis zu 199 Personen bieten. Sie soll nicht nur den Schulsport sichern, sondern auch dem Vereins- und Wettkampfsport dienen. Als Zeitraum nennt das Konzept 2026 bis 2028, ohne dort genauer aufzuschlüsseln.
Die Vereine hängen an den Hallen
Michendorf hat laut Konzeption 18 Sportvereine mit insgesamt 4.461 Sportlerinnen und Sportlern. Davon sind 1.710 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 25 Jahren. Das zeigt: Die Sportstätten sind nicht nur Schulgebäude mit Nebenfunktion. Sie sind nachmittags, abends und am Wochenende das Rückgrat des Vereinsleben.
Bislang stellt die Gemeinde ihre Sporthallen, Sportplätze und geeigneten Räume für gemeinnützige Vereine kostenfrei oder stark vergünstigt zur Verfügung. Zusätzlich gibt es nach der Sportförderrichtlinie eine jährliche Förderung von 10 Euro pro Mitglied. Auch das gehört zum Gesamtkontext: Sportförderung ist nicht nur Baupolitik, sondern dauerhaftes Geld im Haushalt.
Hellerfichten, Umgehungsbahn, Stücken, Tennis, Reiten
Auch außerhalb der Hallen stehen große und kleine Projekte auf der Liste. Die Sportanlage Hellerfichten ist laut Konzept zu 89,6 Prozent ausgelastet. Für 2028/2029 ist die Sanierung des Kunstrasenplatzes vorgesehen. Dafür werden 500.000 Euro angesetzt, zusätzlich tauchen 200.000 Euro für die Flutlichtanlage beziehungsweise deren wirtschaftliche Prüfung auf.
An der Umgehungsbahn zwischen Langerwisch und Wilhelmshorst entsteht ein neuer Sport- und Freizeitstandort. Der erste Bauabschnitt soll im Spätsommer 2026 fertig werden. Geplant sind zunächst ein Multifunktionsspielfeld, Wege, Pkw- und Fahrradstellplätze sowie Wildblumenwiesen. Später sollen unter anderem Beachvolleyball, Skateranlage, Erlebnisspielflächen und überdachte Sitzmöglichkeiten folgen.
Für den Sportplatz Stücken wird eine Rasenvollsanierung mit 90.000 Euro genannt – allerdings vorbehaltlich Fördermitteln. Für den Tennisplatz Wilhelmshorst stehen eine mobile Bogenhalle und eine Flutlichtanlage mit zusammen rund 160.000 Euro im Konzept. Beim Reitverein Siedlerhof ist eine Reithalle in Leichtbauweise vorgesehen, die Kosten sind aber noch nicht konkretisiert.
Papier kostet nichts – Bauen schon
Bemerkenswert: In der Beschlussvorlage steht bei den finanziellen Auswirkungen zunächst „Nein“. Formal stimmt das, weil der Beschluss der Konzeption noch keine direkte Bauausgabe auslöst. Politisch ist es trotzdem ein Millionen-Fahrplan. Denn was heute als strategische Grundlage beschlossen wird, kann morgen in Haushaltsberatungen, Förderanträgen und konkreten Bauentscheidungen wieder auftauchen.
Die Sportstättenkonzeption ist damit kein fertiger Geldautomat, aber auch keine harmlose Ideensammlung. Sie sortiert Prioritäten, schafft Argumente für Fördermittel und legt fest, welche Projekte die Gemeinde in den kommenden Jahren auf dem Zettel hat. Für Vereine, Schulen, Eltern und Steuerzahler ist deshalb entscheidend, was am 6. Juli beschlossen wird – und was später tatsächlich bezahlt werden kann.




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