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„Eher unzufrieden“ – und nun? Politik und Bürger reagieren auf die MIR-Umfrage

Michendorf - Die Michendorfer Rundschau hat in den vergangenen Tagen ausführlich über die Ergebnisse ihrer großen Bürgerumfrage berichtet. Mehr als 1.700 Bürgerinnen und Bürger hatten sich zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember 2025 beteiligt. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Im Durchschnitt wurde die Arbeit der Verwaltung mit „eher unzufrieden“ bewertet.

Nun gibt es die ersten Reaktionen aus Politik und Zivilgesellschaft.


Zunächst erneut: ein Kurzabriss

Auffällig war: Kein Ortsteil stellte der Verwaltung ein klares „eher zufrieden“ aus. Ob Michendorf, Langerwisch, Wildenbruch, Wilhelmshorst, Fresdorf oder Stücken – überall überwog im Schnitt die kritische Einschätzung. Besonders deutlich fiel sie im Kernort Michendorf aus.



Auch altersmäßig zeigte sich ein Muster: Die unter 20-Jährigen bewerteten die Verwaltungsarbeit noch vergleichsweise am positivsten. In den Altersgruppen zwischen 20 und 65 Jahren überwog hingegen klar die Unzufriedenheit. Bei den über 65-Jährigen fiel das Urteil moderater aus, ohne jedoch in den Bereich klarer Zufriedenheit zu kippen.



Langjährige Einwohner – insbesondere mit mehr als 35 Jahren Wohnzeit in der Gemeinde – äußerten sich im Schnitt kritischer als Neubürger.



Politisch betrachtet zeigte sich eine deutliche Polarisierung: Anhänger von Grünen, SPD und Linken bewerteten die Verwaltungsarbeit überwiegend im Bereich „eher zufrieden“ bis „zufrieden“.


Gerade Anhänger der AfD äußerten hingegen eine sehr deutliche Unzufriedenheit. Auch bei Personen mit CDU-Präferenz überwog eher die kritische Einschätzung.



FDP: „Ein wichtiger Hinweis“


Für Axel Lipinski Mießner, Vorsitzender der FDP Michendorf, ist das Ergebnis mehr als eine Momentaufnahme.

„Auch wenn die Befragung nicht repräsentativ ist, zeigt sie deutlich, dass es bei einem Teil der Bürgerschaft eine ausgeprägte Unzufriedenheit gibt“, erklärte er gegenüber der MIR. Solche Rückmeldungen sollten von der Bürgermeisterin ernst genommen werden. Sie seien „ein wichtiger Hinweis darauf, wo Gesprächs- und Verbesserungsbedarf besteht“.


Für die FDP bedeute das, weiterhin konsequent auf Transparenz bei politischen Entscheidungsprozessen zu drängen, Verwaltungsabläufe nachvollziehbar zu gestalten und den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu stärken – „gerade weil wir hier derzeit erkennbare Defizite sehen“.


Gute Kommunalpolitik lebe von "Offenheit, klarer Kommunikation und der Bereitschaft, Kritik konstruktiv aufzugreifen", so Lipinski Mießner. Der Anspruch der FDP bleibe eine sachorientierte und verantwortungsvolle Politik, „die Vertrauen stärkt und die Gemeinde insgesamt voranbringt“.


AfD sieht sich als starke Kraft

Peer Dorow, Ortsvorsitzender der vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuften AfD, erklärte zur Umfrage, die Beteiligung von 1.743 Bürgerinnen und Bürgern sei „ein starkes Zeichen für das politische Interesse in unserer Gemeinde“. Das Gesamtergebnis „eher unzufrieden“ dürfe im Rathaus „nicht überhört werden“.


Zugleich würdigte Dorow den persönlichen Einsatz der Bürgermeisterin und Formate wie die mobile Bürgersprechstunde. „Bürgernähe ist wichtig“, so Dorow. „Doch die Umfrage macht deutlich: Sympathie ersetzt keine effiziente, transparente Verwaltungsarbeit.“


Die AfD sehe sich als „stärkste Kraft dieser nicht repräsentativen Befragung (34,5 %)“ und nehme das entgegengebrachte Vertrauen ernst. Ziel sei eine „verlässliche, konstruktive Zusammenarbeit mit der Bürgermeisterin und allen Fraktionen zum Wohle der Gemeinde“. Die Ergebnisse bezeichnete Dorow als „Weckruf“.


Unsere Redaktion weist darauf hin, dass es sich bei der Befragung nicht um eine Parteiumfrage oder Wahlprognose handelt.


Debatte im Netz: Zwischen Frust, Verteidigung und Resignation

In sozialen Netzwerken entwickelte sich nach Veröffentlichung der Zahlen eine intensive Diskussion – deutlich emotionaler als die nüchternen Diagramme der Auswertung.


Mehrere Nutzer äußerten grundsätzliche Kritik an Entscheidungsprozessen. Ein Nutzer schrieb, es reihten sich „Vorfall an Vorfall“, Bürgerbeteiligung werde „suggeriert“, führe aber „am Ende nicht zu nachvollziehbaren Ergebnissen“. Genannt wurden unter anderem das Sanierungsgebiet, Ausgleichszahlungen, der Neubau in der Ortsmitte, die Erweiterung der Grundschule sowie der neue Flächennutzungsplan.


Ein anderer kommentierte: „Wer sich beteiligt, bekommt keine Antworten. Wenn Kritik kommt, wird sie ignoriert oder als falsch dargestellt.“

Wiederum ein weiterer Nutzer sprach von zunehmender „Orts-Politikverdrossenheit“ und dem Eindruck, Entscheidungen würden „in Hinterzimmern“ vorbereitet.


Zustimmung – aber mit Einschränkungen

Doch nicht alle Stimmen fielen negativ aus. Ein Nutzer verteidigte die Bürgermeisterin ausdrücklich und schrieb, sie mache „einiges richtig: Fördergelder akquirieren, die Gemeinde zukunftsfähig ausbauen, Durchgangsverkehr reduzieren.“


Gleichzeitig folgte die Einschränkung: „Die Intensität der Maßnahmen wirkt teilweise überdimensioniert und führt zur Überschuldung. Geht’s manchmal nicht auch kleiner?“

Auch hier tauchte wieder das Thema Transparenz auf. Entscheidungsfindungen blieben „oft undurchsichtig“, Beteiligung wirke „obsolet“.


War die Umfrage manipulierbar?

Die Grünen wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Dafür sorgte ein Kommentar eines Nutzers, der in sozialen Netzwerken unter dem Namen Holger Itzcek auftritt und dem Bündnis für Michendorf zugeordnet wird, für Aufmerksamkeit.

Er schrieb öffentlich: „Bei dieser Abstimmung habe ich bestimmt 50 Mal teilgenommen und mit Sicherheit bin ich nicht derjenige mit den meisten Teilnahmen.“


Die MIR hatte bereits klargestellt, dass während des gesamten Erhebungszeitraums technische Schutzmechanismen eingesetzt wurden – darunter IP-Erkennung, Cookie-Sperren, Zeitmuster-Analysen und manuelle Plausibilitätsprüfungen. Auffällige Mehrfachabstimmungen wurden aus der Auswertung entfernt.


Unabhängig davon äußerte ein Nutzer einen weiteren Widerspruch: „Und trotzdem so ein schlechtes Ergebnis.“ Denn gerade wenn ein Unterstützer aus dem Umfeld der Bürgermeisterin tatsächlich vielfach in die Auswertung eingeflossen wäre, hätte sich das mutmaßlich eher in Richtung eines positiveren Ergebnisses auswirken müssen.


Was bleibt?

Die Umfrage ersetzt keine wissenschaftliche Studie. Sie ist kein Wahlbarometer.

Aber sie zeigt: In allen Ortsteilen, quer durch Altersgruppen und politische Selbstverortungen hinweg ergibt sich im Durchschnitt ein „eher unzufrieden“.


Die Ursachen dafür können vielfältig sein – von Bauprojekten über Finanzfragen bis zur Wahrnehmung von Transparenz und Bürgerbeteiligung.

Wie Verwaltung und politische Akteure weiter mit diesem Stimmungsbild umgehen, wird sich zeigen.

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