"Eher unzufrieden" - die Ergebnisse der großen Bürgerumfrage
- Gregory Gosciniak
- vor 9 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Michendorf - Gerade auf Social Media prallen Meinungen häufig hart aufeinander: Für die einen läuft in der Gemeinde vieles gut, für andere ist fast alles falsch. Zwischen „alles top“ und „alles katastrophal“ bleibt wenig Raum für sachliche Diskussion.
Genau deshalb hat die Michendorfer Rundschau zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember 2025 Bürgerinnen und Bürger gefragt, wie zufrieden sie mit der Arbeit der Gemeindeverwaltung sind. Mehr als 1.700 Menschen beteiligten sich an der Online-Umfrage. Sie erhebt keinen Anspruch auf ein amtliches Meinungsbild – bildet aber ein deutliches Stimmungsbild ab.
Das Ergebnis ist ein deutliches Signal aus der Bürgerschaft: Die Arbeit der Gemeindeverwaltung und ihrer Führung wird im Durchschnitt mit „eher unzufrieden“ bewertet.
Kein Ortsteil jubelt
Ob Michendorf, Langerwisch, Wildenbruch, Wilhelmshorst, Fresdorf oder Stücken: Ein Ortsteil, der der Verwaltung klar ein gutes Zeugnis ausstellt, ist nicht erkennbar.
In einigen Ortsteilen fällt die Bewertung etwas milder aus – aber selbst dort reicht es nicht für ein klares „eher zufrieden“.
Besonders kritisch fällt die Bewertung im Kernort Michendorf aus.
Das Stimmungsbild zieht sich damit durch die gesamte Gemeinde.

Jüngere etwas versöhnlicher – Mitte besonders kritisch
Auffällig: Die unter 20-Jährigen bewerten die Arbeit der Verwaltung vergleichsweise am positivsten und bewegen sich eher im Bereich „eher zufrieden“.
In den Altersgruppen zwischen 20 und 65 Jahren fällt die Einschätzung deutlich kritischer aus. Hier bewegt sich die Bewertung klar im Bereich „eher unzufrieden“.
Bei den über 65-Jährigen fällt das Urteil wieder etwas moderater aus – allerdings ohne dass daraus eine klare Zufriedenheit wird.

Nicht mehr ganz so moderat fällt hingegen die Bewertung derjenigen aus, die bereits lange im Ort leben: Besonders Bürgerinnen und Bürger, die seit mehr als 35 Jahren in Michendorf wohnen, bewerten die Verwaltungsarbeit am kritischsten. Wer erst seit wenigen Jahren hier lebt, äußert sich dagegen tendenziell etwas positiver.
Dazwischen zeigen sich Schwankungen – ein durchgehend linearer Trend lässt sich daraus nicht ableiten.

Politisch stark polarisiert
Besonders ausgeprägt ist die Differenz beim Blick auf die politische Präferenz.
Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen, SPD sowie den Linken bewerten die Verwaltungsarbeit überwiegend im Bereich „eher zufrieden“ bis "zufrieden".
Anhänger der AfD hingegen äußern eine sehr deutliche Unzufriedenheit. Auch bei potentiellen CDU-Wählerinnen und -Wählern überwiegt eher die kritische Einschätzung.
Die Zahlen deuten darauf, dass die Verwaltung politisch betrachtet wird – selbst auf kommunaler Ebene.

Kein Wahlbarometer – aber ein Stimmungsindikator
Bei der Befragung handelt es sich ausdrücklich um eine nicht-repräsentative Online-Umfrage. Sie ersetzt keine wissenschaftliche Studie und kein amtliches Meinungsbild.
Aber: Mehr als 1.700 Teilnehmende sind keine Randnotiz.
Und wer die Antworten genauer betrachtet, erkennt: Die Bewertungen kommen aus allen Altersgruppen, aus allen Ortsteilen, aus unterschiedlichen politischen Lagern.
Wenn eine so große Gruppe im Durchschnitt „eher unzufrieden“ votiert, ist das kein statistischer Ausreißer.
Es ist ein Stimmungsindikator – und der sollte ernst genommen werden.
Was heißt das für Michendorf?
Die Umfrage liefert keine Erklärungen – nur Bewertungen.
Sie zeigt ein Stimmungsbild. Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Was konkret hinter einer positiven oder negativen Einschätzung steht und welche Themen die Menschen besonders bewegen, lässt sich aus den Zahlen allein nicht ablesen.
Wie diese Daten politisch und administrativ eingeordnet werden, liegt bei Verwaltung und politischen Akteuren. Die MIR wird die Ergebnisse weiter einordnen, Hintergründe recherchieren und einzelne Themenfelder vertiefen.
Zugleich freuen wir uns über Ihre Zuschriften und persönlichen Eindrücke – auf Wunsch auch anonym.
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