Ein Laden der Skeptiker bekehrt: Unser Besuch im CoBa SaiGon
- Gregory Gosciniak

- vor 2 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Michendorf - Es gibt Lebensmittel, mit denen wird man einfach nicht warm. Bei einem unserer Tester war das Tofu. Mehrfach probiert, mehrfach beschlossen: Braucht kein Mensch. Und dann kam das CoBa SaiGon.
Ein Sonntagabend, zwei Hauptgerichte, eine Vorspeise, Getränke, am Ende rund 56 Euro auf der Rechnung – und die Erkenntnis: Wenn sogar der Tofu schmeckt, muss die Küche irgendetwas richtig machen.
Seit April gibt es das CoBa SaiGon an der Potsdamer Straße 55, dort, wo Michendorfer zuvor das La Palma kannten. Vietnamesische Küche und Sushi stehen auf dem Programm. Die MIR hat sich einen Tisch gesucht – draußen unter dem großen Kastanienbaum.

Erst einmal: Erdnusssoße!
Laternen, ein lauer Sonntagabend und ausnahmsweise eine Potsdamer Straße, die sich akustisch etwas zurückhielt: Der Außenbereich kann durchaus gemütlich sein.
Aber wir waren schließlich nicht zum Bäumegucken gekommen.
Auf dem Tisch landeten unter anderem knusprige Ente mit Erdnusssoße, Bio-Tofu und Mangosalat. Und bereits beim Anrichten wurde klar: Das hier sieht nicht nach „Nummer 37 mit Reis“ aus.
Große moderne Teller, kräftige Farben, viel Gemüse. Rote Bete kam derart fein geraspelt auf den Teller, dass wir zunächst rätselten, was wir da eigentlich vor uns hatten.
Vor allem aber: Es schmeckte.
Eine kleine Tofu-Sensation
Beginnen wir mit der persönlichen Sensation des Abends.
Tofu gehörte bislang nicht gerade zu den Lebensmitteln, wegen derer wir bisher ein Restaurant besucht hätten. Umso erstaunlicher das Urteil nach dem ersten Probieren des Tofus: Der ist richtig gut.
Außen angenehm, innen weich und in Verbindung mit der Soße tatsächlich etwas, von dem man freiwillig noch ein zweites Stück nimmt.
Vielleicht werden aus uns keine Tofu-Ultras mehr. Aber das CoBa SaiGon hat zumindest einen hartnäckigen Skeptiker ins Grübeln gebracht.

Die Ente kann es auch
Noch überzeugender war der Imbiss-Klassiker: knusprige Ente mit Erdnusssoße.
Das Fleisch war fein geschnitten und knusprig, ohne dass anschließend das typische Gefühl einsetzte, gerade eine halbe Fritteuse gegessen zu haben. Überhaupt überraschte uns, wie leicht das Essen trotz Frühlingsrollen, panierter Zutaten und Ente wirkte.
Der eigentliche Star war allerdings die Erdnusssoße.
Wer jetzt die dicke Standardsoße erwartet, die bei vielen Asia-Imbissen gefühlt aus demselben großen Eimer kommt, liegt daneben. Die Variante im CoBa schmeckte eigenständiger und wirkte frisch zubereitet.
Auch beim Gemüse gefiel uns die Küche. Es war eher weich gegart als knackig. Das ist Geschmackssache – zur Erdnusssoße passte es für uns ausgesprochen gut.
Mango mit Biss – etwas zu viel Biss
Und weil ein Restauranttest wenig wert wäre, wenn plötzlich alles fantastisch ist: Nein, perfekt war der Abend nicht.
Der Mangosalat sah hervorragend aus und schmeckte grundsätzlich sehr gut. Nur die Hauptdarstellerin hatte offenbar noch keine große Lust auf ihren Auftritt: Die Mango war ziemlich fest und hätte etwas mehr Reife vertragen können.
Vielleicht Sonntagabend-Pech, vielleicht eine einzelne Frucht. Mehr als ein kleiner Minuspunkt war es nicht.
Zumal der Rest des Salats wieder zeigte, was uns an diesem Abend mehrfach auffiel: In der Küche wird erstaunlich sorgfältig geschnitten, angerichtet und kombiniert.
Eine riesige Karte, die gar nicht so riesig ist
Dann wäre da noch die Speisekarte.
Die ist groß. Wirklich groß.
Aber nach einigen Minuten merkt man: So kompliziert ist die Sache gar nicht. Statt unzählige Fantasienamen auswendig lernen zu müssen, sind viele Speisen nach Soßen und Zubereitungsarten gegliedert.
Lust auf Erdnusssoße? Wunderbar. Jetzt nur noch entscheiden, was hinein soll: Hähnchen, Rind, knusprige Ente, Tofu und weitere Varianten stehen zur Auswahl.
Das erklärt zugleich einen Teil des Umfangs. Hinter den vielen Positionen verbergen sich nicht Hunderte völlig unterschiedliche Gerichte, sondern zahlreiche Kombinationen.
Uns gefällt das. Wer schon weiß, dass heute Erdnusssoßen-Tag ist, muss sich nicht erst durch eine halbe Enzyklopädie vietnamesischer Gerichtsnamen arbeiten.
56 Euro – fair?
Bleibt die Frage, die spätestens beim Bezahlen interessiert.
Für zwei Hauptgerichte, eine kleine Vorspeise und Getränke zahlten wir rund 56 Euro.
Das CoBa ist damit kein Billig-Imbiss. Angesichts der Portionsgrößen fanden wir den Preis allerdings sehr fair. Wir wurden problemlos satt – und offenbar ging es anderen Gästen ähnlich. An mehreren Nachbartischen wurden Reste zum Mitnehmen eingepackt. Das war für den Service selbstverständlich.
Gerade die Kombination aus viel frischem Gemüse, großen Portionen und einer Küche, die geschmacklich über dem üblichen Schnellimbiss-Niveau liegt, ergibt für uns ein sehr ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.
Freundlich – nur manchmal etwas weit weg
Auch der Service sammelte Pluspunkte.
Die Bedienungen waren freundlich und ausgesprochen entgegenkommend. Als wir um etwas zusätzliche Soße baten, kam kurz darauf gleich eine ganze Schüssel an den Tisch. Berechnet wurde dafür nichts.
So einfach kann man Gäste glücklich machen.
Ein bisschen häufiger hätte man allerdings nach den Tischen schauen dürfen. Wer noch etwas bestellen möchte, sollte nicht erst überlegen müssen, wie er Blickkontakt zur Bedienung herstellt.
Auch sonst gibt es noch ein paar kleine Baustellen.
Auf dem Weg zu den Toiletten fiel uns etwa der offen einsehbare Bereich mit Putzutensilien auf. Und Kartenzahlung war bei unserem Besuch nicht möglich. Spätestens wenn zwei Personen für gut 50 Euro essen gehen, gehört die Möglichkeit, eine Karte oder das Handy auf ein Lesegerät zu halten, für uns inzwischen eigentlich zum Standard.
Ein bisschen La Palma ist noch da
Wer früher im La Palma zu Gast war, dürfte beim Betreten außerdem ein kleines Déjà-vu erleben.
Das CoBa SaiGon hat den früheren Gastronomiestandort übernommen, und gerade im Innenraum erinnert noch einiges an den Vorgänger. Bei manchen Möbeln fragten wir uns sogar, ob wir sie nicht schon einmal gesehen hatten – sicher behaupten können wir das allerdings nicht.
Schlecht ist das nicht. Noch fehlt dem Innenraum aber etwas die unverwechselbare Handschrift, die sagt: Hier ist jetzt CoBa SaiGon.
Draußen unter Kastanie und Laternen gelingt das bereits besser.
Auch digital ist noch nicht jede Renovierung abgeschlossen. Auf der eigenen Internetseite werden Gäste an einer Stelle beispielsweise noch auf eine kulinarische Reise „von Rheine nach Asien“ geschickt. Michendorf dürfte gemeint sein.
Das Essen hat den Umzug jedenfalls geschafft.
Das Wichtigste stimmt
Denn genau hier liegt die Stärke des CoBa SaiGon.
Wer hineingeht und einen beliebigen Dorf-Asiaten mit den immer gleichen Standardgerichten erwartet, dürfte positiv überrascht werden. Natürlich wird das Rad der asiatischen Gastronomie auch hier nicht neu erfunden. Ente, Hähnchen, Tofu, Reis und bekannte Soßen stehen auf der Karte.
Aber das, was auf den Teller kommt, wirkt eben nicht beliebig.
Das Gemüse ist reichlich vorhanden und sorgfältig verarbeitet, die Präsentation stimmt, die Soßen haben Charakter und selbst Frittiertes lag bei unserem Besuch erstaunlich leicht im Magen.
Das ist der Unterschied zwischen „kann man mal machen“ und „da würde ich noch einmal hingehen“.
Und jetzt wollen wir den Mittagstisch testen
Beim Verlassen des Restaurants hatten wir deshalb weniger die Frage, ob wir wiederkommen würden.
Die Frage war: Was gibt es eigentlich mittags?
Laut eigener Internetseite bietet das CoBa SaiGon von 12 bis 16 Uhr ein Mittagsangebot an. Regulär nennt das Restaurant Öffnungszeiten von täglich 11.30 bis 22 Uhr.
Wenn es dort eine etwas kleinere Auswahl zu günstigeren Preisen gibt und die Küche ihr Niveau vom Abend hält, könnte das ein ziemlich interessantes Angebot für Michendorf sein. Und wer nach den großen Portionen tatsächlich noch Platz findet, kann sich beispielsweise an Mochi-Eis wagen.
Außen Dorf-Asiate, auf dem Teller deutlich mehr
Das CoBa SaiGon ist noch nicht bis in die letzte Ecke fertig angekommen.
Der Innenraum könnte mehr eigene Persönlichkeit vertragen, die harte Mango hätte noch etwas Zeit gebraucht, der Service darf häufiger vorbeischauen und Kartenzahlung vermissten wir deutlich.
Aber das sind die Nebenschauplätze.
Entscheidend ist, was aus der Küche kommt – und da hat uns das CoBa SaiGon überzeugt.
Gute Portionen, viel Gemüse, überraschend leichte Gerichte, sehr gute Soßen, freundlicher Service und ein Preis, den wir für das Gebotene absolut angemessen finden.
Ein Restaurant, das sich unseren zweiten Besuch redlich verdient hat.




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