„Feuerwehrgerätehaus Stücken als Mehrvereinsheim ist tot“ - und weitere Ergebnisse der Gemeindevertretung
- Gregory Gosciniak

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Stücken/Michendorf – Für Stücken ist es ein bitteres Signal: Der geplante Umbau des alten Feuerwehrgerätehauses zu einem Mehrvereinsheim steht nach der Sitzung der Gemeindevertretung praktisch vor dem Aus.
Aus Reihen der Gemeindevertretung hieß es nach der Beratung deutlich: „Das Feuerwehrgerätehaus Stücken als Mehrvereinsheim ist tot. Einfach zu teuer.“
Damit ist aus einem Zukunftsprojekt für den kleinsten Michendorfer Ortsteil ein weiteres Symbol der angespannten Haushaltslage geworden. Noch vor wenigen Wochen hatte die Gemeindevertretung grundsätzlich beschlossen, an dem Vorhaben festzuhalten und 25.000 Euro für Planungsleistungen bereitzustellen.
Nun ging es um weitere 13.000 Euro, weil das wirtschaftlichste Angebot für die Planungsleistungen bei 38.000 Euro lag.
Genau diese zusätzliche Summe wurde politisch zum Knackpunkt. Auf dem Papier ging es nur um Planung. Tatsächlich ging es um die Frage, ob Michendorf dem Projekt überhaupt noch eine realistische Chance gibt.
Ein Haus für Vereine, Sitzungen und Dorfleben
Die Idee war für Stücken durchaus bedeutend. Das alte Feuerwehrgerätehaus sollte nicht einfach leerstehen oder nur notdürftig genutzt werden. Geplant war ein Mehrvereinsheim: ein Ort für Vereine, Proben, Sitzungen, Lagerflächen, Veranstaltungen und das Dorfleben.
Gerade für Stücken wäre das mehr gewesen als eine Baumaßnahme. Der Ortsteil hat ein aktives Vereinsleben, aber wie viele kleinere Ortsteile braucht er Räume, in denen Ehrenamt sichtbar und dauerhaft stattfinden kann. Das Konzept sah unter anderem einen barrierefreien Versammlungsraum, Nutzungsmöglichkeiten für Vereine, Probenräume, Lagerflächen und einen Raum für den Ortsbeirat vor.
Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit lagen am Ende die Kosten.
Bereits die Planung wurde teurer als zunächst angesetzt. Statt 25.000 Euro sollten nun 38.000 Euro benötigt werden. In den Unterlagen war außerdem ersichtlich, dass der eigentliche Umbau später deutlich größere Summen erfordern würde.
Damit stand die Gemeindevertretung vor der Frage: Gibt man weiteres Geld für Planung aus, wenn schon jetzt Zweifel bestehen, ob die spätere Umsetzung finanzierbar ist?
Die Antwort scheint nach der Sitzung klar: eher nicht.
Stücken verliert mehr als ein Bauprojekt
Für Stücken ist das politisch heikel. Denn während in anderen Ortsteilen große Projekte auf der Agenda stehen, wirkt das Aus für das Mehrvereinsheim wie ein Rückschlag für die Ortsteilgerechtigkeit.
In Wilhelmshorst wird über eine neue Zweifeldsporthalle mit Millionenvolumen gesprochen.
In Michendorf selbst steht der Apfelbaum als zentraler Veranstaltungsort mit einem Sanierungsbedarf von bis zu 600.000 Euro im Fokus. Straßen, Bushaltestellen und weitere Infrastrukturmaßnahmen kosten ebenfalls viel Geld.
Natürlich lässt sich das alles nicht eins zu eins vergleichen. Eine Sporthalle, ein Gemeindezentrum und ein Mehrvereinsheim erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Trotzdem bleibt die politische Frage: Welche Ortsteile bekommen welche Räume, welche Projekte werden weiterverfolgt – und welche verschwinden still aus der Planung?
Gerade für Stücken dürfte diese Frage jetzt schmerzen. Denn das Feuerwehrgerätehaus war eines der wenigen sichtbaren Projekte, das direkt auf das Vereins- und Dorfleben im Ortsteil gezielt hätte.
Der Haushalt entscheidet mit
Die Entscheidung passt in das Gesamtbild der Sitzung. Michendorf steht finanziell unter Druck. Der Bürgerhaushalt soll für 2027 erneut pausieren, die Wirtschaftsförderung bleibt auf Sparflamme, Verwaltungsgebühren werden angepasst und bei der Jugendsozialarbeit wurde über Stellenanteile gestritten.
Gleichzeitig sind die Pflichtaufgaben groß: Straßen müssen saniert, Bushaltestellen barrierefrei umgebaut, Gebäude erhalten und Sportstätten geplant werden. Die Gemeinde muss also priorisieren.
Das Problem: Priorisieren klingt sachlich. Für die Ortsteile fühlt es sich aber schnell wie Verlieren an.
Wenn ein Projekt wie das Mehrvereinsheim Stücken an den Kosten scheitert, ist das haushaltspolitisch erklärbar. Aber es braucht auch eine politische Antwort darauf, was stattdessen passiert. Bleibt das alte Feuerwehrgerätehaus künftig ungenutzt? Wird eine abgespeckte Lösung geprüft? Gibt es andere Räume für die Stückener Vereine? Oder ist das Thema tatsächlich erledigt?
Genau diese Fragen dürften in Stücken bleiben.
Bürgerhaushalt und Beteiligung: erneut auf Eis
Auch der Bürgerhaushalt bleibt ein Reizthema. Die Gemeindevertretung befasste sich mit der erneuten Aussetzung für das Haushaltsjahr 2027. Die Verwaltung hatte dies unter anderem mit der angespannten Finanzlage und geringer Beteiligung begründet.
Politisch bleibt das schwierig. Denn der Bürgerhaushalt ist eines der wenigen direkten Beteiligungsinstrumente der Gemeinde. Dort konnten Bürgerinnen und Bürger kleinere Projekte vorschlagen und darüber abstimmen. Wenn ausgerechnet dieses Instrument weiter pausiert, sendet das ein klares Signal: Beteiligung ist gewünscht, aber offenbar nur, solange sie in den Haushalt passt.
Gerade nach der Stücken-Debatte wirkt das doppelt bitter. Denn kleinere Ortsteile sind besonders darauf angewiesen, dass ihre Anliegen sichtbar bleiben. Wenn große Projekte dominieren und kleine Beteiligungsformate wegfallen, wächst schnell der Eindruck, dass am Ende nur noch das Dringendste und Größte übrig bleibt.
Jugendsozialarbeit bleibt Streitpunkt
Auch bei der Jugendsozialarbeit zeigte sich die Prioritätendebatte. Die Verwaltung hatte für 2027 insgesamt 1,5 Vollzeitstellen für die Jugendarbeit vorgeschlagen. Für die drei Schulstandorte in Michendorf, Wildenbruch und Wilhelmshorst ist jeweils eine Vollzeitstelle Schulsozialarbeit vorgesehen.
Ein Änderungsantrag forderte 2,0 Vollzeitstellen für die Jugendarbeit. Begründet wurde dies mit dem fachlich dargestellten Bedarf des Trägers.
Damit standen zwei Fragen im Raum: Braucht Michendorf mehr Jugendsozialarbeit? Und falls ja, kann die Gemeinde sie sich leisten?
Gerade in einer Flächengemeinde ist die Debatte nicht einfach. Mobile Jugendarbeit, offene Angebote und Prävention brauchen Personal. Kritiker zweifeln allerdings, ob solche Angebote in allen Ortsteilen tatsächlich ausreichend ankommen und angenommen werden.
Aus ihrer Sicht besteht die Gefahr, dass ein Konzept aus städtischen Strukturen auf eine ländlich geprägte Gemeinde übertragen wird.
Auch hier zeigt sich: Michendorf ringt nicht nur um Geld, sondern um die richtige Form kommunaler Angebote.
Keine Kontroverse um Stellvertretungsfrage
Bemerkenswert im Kontext der vergangenen Tag war die Stellvertretungsfrage der Rathauschefin. Während diese in den sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert wurde, zeigte sich die Gemeindevertretung im Sitzungssaal parteiübergreifend geschlossen.
Die entsprechende Entscheidung fiel einstimmig. Damit blieb die Online-Debatte politisch ohne sichtbaren Bruch in der Gemeindevertretung.
Gebühren, Straßen, Apfelbaum: Viele Baustellen gleichzeitig
Neben Stücken und Jugendsozialarbeit standen weitere Beschlüsse auf der Tagesordnung, die für Bürgerinnen und Bürger spürbar werden können.
Bei der Verwaltungsgebührensatzung geht es darum, dass einfache mündliche Auskünfte weiter kostenlos bleiben sollen. Wenn aber Akteneinsicht, Archivsuche oder sonstige Nachforschungen erforderlich sind, können Gebühren anfallen. Das ist aus Sicht der Verwaltung nachvollziehbar, weil Arbeitszeit gebunden wird. Gleichzeitig bleibt der Punkt sensibel, weil Informationszugang und Transparenz in einer kleinen Kommune besonders wichtig sind.
Auch die Straßen bleiben ein Dauerthema. Die Potsdamer Straße zwischen Teltower Straße und Caputher Chaussee soll erneuert werden. Dafür sind 140.000 Euro außerplanmäßig vorgesehen. Zudem soll eine neue Prioritätenliste für Straßen- und Entwässerungsmaßnahmen die alte Liste aus dem Jahr 2022 ablösen.
Der Apfelbaum selbst wird ebenfalls teuer. Das Gemeindezentrum im Ortsteil Michendorf braucht nach der Dachsanierung weitere umfassende Arbeiten. Die grobe Kostenschätzung liegt bei 500.000 bis 600.000 Euro. Damit wird ausgerechnet der zentrale Sitzungs- und Veranstaltungsort der Gemeinde selbst zum Sanierungsfall.
Das Muster der Sitzung
Nach der Sitzung bleibt ein klares Muster: Michendorf muss an vielen Stellen gleichzeitig handeln, hat aber nicht genug Spielraum für alles.
Das ist keine neue Erkenntnis. Neu ist, wie konkret diese Prioritätensetzung inzwischen wird. Bürgerhaushalt pausiert. Wirtschaftsförderung bleibt klein. Jugendsozialarbeit wird abgewogen. Straßen werden nach Listen sortiert. Gebäude werden nach Dringlichkeit saniert. Und in Stücken scheint ein Mehrvereinsheim an den Kosten zu scheitern.
Damit wird die zentrale Frage der kommenden Monate nicht lauten, ob Michendorf sparen muss. Das muss die Gemeinde offensichtlich.
Die Frage lautet: Wer erklärt den Bürgerinnen und Bürgern verständlich, warum welches Projekt weiterlebt – und welches stirbt?
Für Stücken ist diese Frage jetzt besonders konkret. Denn dort steht nach der Sitzung nicht nur ein altes Feuerwehrgerätehaus. Dort steht nun auch die Frage im Raum, wie viel Ortsteilleben sich Michendorf in knappen Zeiten noch leisten will.




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