„Fünf lautstarke Querulanten sind oft nur deshalb erfolgreich, weil die Mehrheit schweigt“ - MIR-Sommerinterview mit Axel Lipinski-Mießner (FDP)
- Gregory Gosciniak

- vor 2 Tagen
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Wilhelmshorst - Auch in diesem Sommer spricht die Michendorfer Rundschau mit Kommunalpolitikern und prägenden Persönlichkeiten der Gemeinde über die Fragen, die Michendorf bewegen. Nach seinem ersten Sommerinterview im vergangenen Jahr stellt sich erneut Axel Lipinski-Mießner, Vorsitzender der FDP Michendorf und der FDP/UWG-FW-Fraktion in der Gemeindevertretung, den Fragen der Redaktion.
Im Gespräch geht es um die finanziellen Herausforderungen der Gemeinde, den Zustand der Schulen, die Zukunft der Ortsteile und die Frage, wie Michendorf seinen dörflichen Charakter bewahren kann. Außerdem erklärt Lipinski-Mießner, warum ihn die Debatte um die Deutschlandflagge noch immer bewegt und weshalb er sich mehr Beteiligung der Bürger wünscht.
Was beschäftigt die Menschen in Michendorf aus Ihrer Sicht aktuell am meisten?
"Während sich die Gesellschaft immer neuen Herausforderungen durch Kriege, Migration aus kulturfremden Ländern, Energiekrise oder auch den Vormarsch der künstlichen Intelligenz – verbunden mit vielen Unsicherheiten und der Angst vor Jobverlust – gegenübersieht, scheint die Welt bei uns in Michendorf oberflächlich oft noch in Ordnung zu sein.
Vielleicht liegt gerade darin das Problem. Die großen Krisen und Unsicherheiten unserer Zeit überlagern häufig die Entwicklungen direkt vor unserer Haustür. Denn ich höre wenig davon, dass den Michendorfern bewusst ist, dass wir auch vor Ort finanziell auf schwierige Zeiten zusteuern. Die finanziellen Spielräume unserer Gemeinde werden immer enger, gleichzeitig steigen die Anforderungen und Erwartungen. Eine Besserung ist derzeit leider nicht in Sicht, sondern eher eine weitere Verschlechterung. Vielleicht ist es auch eine Art Verdrängungsmechanismus oder Resignation nach dem Motto, man könne ohnehin nichts ändern.
Und hier möchte ich immer wieder dazu aufrufen: Ja, wir können etwas ändern, und sei es im Kleinen hier in unserer Gemeinde direkt vor Ort – aber man muss auch mal was sagen! Denn fünf lautstarke Querulanten und Verhinderer sind oft nur deshalb erfolgreich, weil sich die große Mehrheit nicht traut, ihre Meinung ebenfalls zu äußern. Zum Glück gab es beim Projekt „REWE-Markt in Langerwisch“ auch einmal eine große Beteiligung mit positivem Feedback. Das würde ich mir für mehr Themen innerhalb unserer Gemeinde wünschen."
Wo läuft es in Michendorf derzeit gut und wo muss Ihrer Meinung nach noch nachgebessert werden?
"Michendorf ist eine lebenswerte Gemeinde mit hoher Wohn- und Lebensqualität. Besonders schätze ich das große ehrenamtliche Engagement in Vereinen, Feuerwehren und Initiativen. Es ist nie leicht, Menschen nachhaltig für eine Sache zu begeistern.
Mich hat persönlich beispielsweise der Einsatz der Initiatoren der Mitte Wilhelmshorst beeindruckt. Er hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass wir nicht nur für das Hier und Jetzt Verantwortung tragen, sondern mit unseren Entscheidungen immer auch die Weichen dafür stellen, welche Handlungsspielräume nachfolgende Generationen einmal haben werden.
In meinem politischen Antrag zum Erhalt der Wilhelmshorster Mitte habe ich daher ausdrücklich gesagt: Vielleicht wissen wir heute noch nicht, was dort einmal entstehen soll. Dann lassen wir es eben die nachfolgenden Generationen entscheiden. Im Endeffekt darf man sich selbst auch einfach nicht zu wichtig nehmen, denn wir sind alle nur ein kleines Sandkorn in der Geschichte von Michendorf.
Nachgebessert werden muss bei uns vor allem im Bereich der Schulen und beim immer häufiger werdenden Unterrichtsausfall. An Bildung darf nicht gespart werden. Dabei muss auch die Lebensrealität berücksichtigt werden, dass durchaus einmal zwei oder drei Lehrkräfte gleichzeitig krank werden können.
Und noch etwas in diesem Zusammenhang: Lehrer und Schülerschaft stehen gemeinsam unter einem immer größer werdenden Druck. Unsere Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der sie täglich mit einer Flut von Informationen, digitalen Medien und Eindrücken konfrontiert werden. Das bleibt auch für den Schulalltag nicht ohne Folgen. Für die Lehrkräfte wird es zunehmend schwieriger, einen konzentrierten Zugang zu den Kindern zu finden. Die steigende Zahl der Schulbegleitungen in den Klassen zeigt, wie herausfordernd die Situation inzwischen geworden ist."
Welche Entscheidung würden Sie für Michendorf sofort treffen, wenn Geld und Bürokratie keine Rolle spielen würden?
"Die Frage ist natürlich etwas utopisch. Dann würde ich vermutlich sofort alle Steuern abschaffen und den gesamten Verwaltungsapparat auf seine Kernaufgaben beschränken – diese dafür aber vollumfänglich erfüllen lassen.
Da ich mir die Welt leider nicht so malen kann, wie sie mir gefällt, beantworte ich die Frage einmal im Kleinen: Mit unserem gemeinsamen Antrag mit der CDU zur dauerhaften Beflaggung mit der Deutschlandflagge sind wir gescheitert, was mich persönlich sehr traurig gestimmt hat.
Wie wenig unserem Symbol für Einigkeit und Recht und Freiheit teilweise noch zugetraut wird, hat mich wirklich überrascht. „Bloß nicht zu viel Deutschlandflagge“, „Ich weiß auch so, dass ich in Deutschland bin“ oder „Gibt es denn keine anderen Probleme?“ waren nur einige der Argumente, die mir entgegengehalten wurden. Selbst mein Hinweis auf Eleonore Prochaska, eine Potsdamerin, die sich 1813 als Mann verkleidete, um gegen die napoleonische Fremdherrschaft für Freiheit zu kämpfen und dabei die Farben Schwarz-Rot-Gold auf ihrer Uniform trug, hat das Bündnis für Michendorf, die Grünen, die SPD und die Linke nicht zur gedanklichen Umkehr bewegt.
Daher meine Antwort: Wenn ich die Entscheidung sofort treffen könnte, würde ich dafür sorgen, dass unsere Deutschlandflagge als sichtbares Zeichen wieder dauerhaft zu unserer Gemeinde und ihren verschiedenen Ortsteilen gehört. Ein starkes Symbol, das uns alle verbindet und vereint!"
Was darf Michendorf in den kommenden Jahren auf keinen Fall verlieren?
"Seinen dörflichen Charakter und den starken Zusammenhalt der Ortsteile. Michendorf lebt von seinen gewachsenen Strukturen, seinen Vereinen, den vielen Ehrenamtlichen und der Nähe zur Natur. Wachstum darf nicht dazu führen, dass diese Identität verloren geht.
Mir liegt unsere Gemeinde wirklich sehr am Herzen. Daher schmerzt es mich, wenn Stein- und Betonwüsten als die neue Michendorfer „Apfelmitte“ verkauft werden."

Welcher Ort oder welcher Moment steht für Sie persönlich für „Sommer in Michendorf“?
"Wie für die meisten: der Seddiner See. Einfach herrlich, dort schon früh morgens einzutauchen."
Und zum Schluss ganz klassisch: Meer, Berge, Brandenburg oder Balkonien?
"Die Antwort auf diese Frage hat sich seit dem letzten Sommerinterview nicht geändert. Ich habe hier die Saarmunder Berge, Wälder, Seen und wunderschöne Landschaften direkt vor der Haustür – was will man also Me(e)hr?"




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