Kleine Schilder, große Wirkung: Diese Einbahnstraßen sind jetzt für Radfahrer freigegeben
- Oliver Bettermann

- vor 2 Stunden
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Wilhelmshorst/Michendorf - Es sind keine Millionen-Baustellen, keine neue Brücke und kein frisch asphaltierter Radweg. Und doch kann sich für viele Radfahrende in Michendorf im Alltag spürbar etwas ändern: Mehrere Einbahnstraßen sind inzwischen für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben worden.
Nach Angaben der Radinitiative Michendorf betrifft das die Straße „An den Bergen“ zwischen „Rennsteig“ und „An der Bahn“ sowie den kurzen nördlichen Abschnitt des „Hasenweg“.
An der Straße „An der Kirche“ sei die Einbahnregelung bereits vor einigen Monaten aufgehoben worden. Die Einbahnstraße „Am Diek“ solle nach Abschluss der Bauarbeiten ebenfalls für den Radverkehr freigegeben werden.
Sieben Anträge, drei Erfolge
Hinter den neuen Regelungen steckt offenbar einiges an Beharrlichkeit. Die Radinitiative hatte nach eigenen Angaben im März 2025 sieben Anträge bei der Kreisverkehrsbehörde eingereicht. Ziel: Einbahnstraßen dort für den Radverkehr in Gegenrichtung öffnen, wo dies aus Sicht der Initiative rechtlich möglich und praktisch sinnvoll ist.
Die Bilanz fällt nun gemischt, aber sichtbar aus: Drei Anträge seien umgesetzt, ein weiterer befinde sich in Umsetzung. Für die Radinitiative ist das ein Erfolg. Zugleich dankt sie der Gemeinde ausdrücklich für die Umsetzung.
Gerade für Radfahrende können solche Freigaben viel ausmachen. Wo Autos weiter nur in eine Richtung fahren dürfen, können Fahrräder mit entsprechender Beschilderung kürzere Wege nutzen. Das spart Umwege, macht Alltagsfahrten direkter und kann besonders für Schulwege, Wege zum Bahnhof oder kurze Erledigungen im Ortsteil wichtig sein.
Mobilitätskonzept nicht nur fürs Regal
Brisant ist der zeitliche Hintergrund: Die Öffnung von Einbahnstraßen ist nach Angaben der Radinitiative bereits seit 2023 im Mobilitätskonzept der Gemeinde verankert.
Dieses Konzept sollte eigentlich genau solche Maßnahmen bündeln: kleinere Verbesserungen, mehr Sicherheit, bessere Wegebeziehungen, weniger Hürden im Alltag.
Nun zeigt sich: Wenn Bürgerinnen und Bürger dranbleiben, kann aus Papier tatsächlich ein Schild am Straßenrand werden.
Ganz erledigt ist das Thema aber nicht. Bei zwei Anträgen – Obere Berglehne und östlicher Eichenweg ab der Schule Wilhelmshorst – habe die Kreisverkehrsbehörde die Freigabe abgelehnt. Gegen diese Ablehnungen habe die Radinitiative Widerspruch eingelegt.
Ein weiterer Antrag, der Sanddornweg, sei noch offen.
Geduld statt schneller Umsetzung
Die Radinitiative zieht aus dem Verfahren deshalb ein doppeltes Fazit: Ja, Bürgerinnen und Bürger können etwas bewirken. Aber nein, schnell geht es offenbar nicht immer.
Die Initiative schreibt, das Verfahren erfordere „viel Geduld“. Besonders dort, wo der finanzielle Aufwand gering sei und die Rechtslage klar erscheine, sollten Abläufe beschleunigt werden.
Das ist der Kern dieses kleinen Verkehrsthemas: Es geht nicht um Prestigeprojekte, sondern um die vielen kleinen Stellen, an denen sich entscheidet, ob Radfahren im Alltag angenehm, sicher und praktisch ist.
Nächste Debatte: Goetheplatz?
Unter dem Beitrag der Radinitiative kam bereits der nächste Hinweis aus der Bürgerschaft.
Ein Nutzer schrieb, das seien „gute Neuigkeiten“. Gleichzeitig regte er an, auch am Goetheplatz über das Verkehrszeichen 277.1 nachzudenken – also über ein Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen.
Hintergrund: Dort würden weiterhin viele Autofahrende überholen, obwohl der nötige Seitenabstand aus Sicht des Kommentators nicht eingehalten werden könne.
Aus der Radinitiative kam daraufhin die Antwort, man nehme den Hinweis mit in den Steuerkreis. Zugleich wurde auf eine bekannte Argumentation verwiesen: Bisher sei häufig geantwortet worden, Verkehrsschilder seien nicht nötig, wenn die Rechtslage für alle Verkehrsteilnehmenden klar sei.
Genau hier dürfte die nächste Diskussion beginnen. Denn zwischen klarer Rechtslage und gelebtem Verkehrsalltag liegt manchmal mehr als nur ein weißer Strich am Straßenrand.




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