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MIR reichts! So geht „Flagge zeigen“ für Anfänger

Meinung - Das große Michendorfer Flaggen-Finale ist durch: Die Gemeindevertretung hat entschieden, dass es nun doch gar keine dauerhafte Bundesbeflaggung an unseren öffentlichen Gebäuden geben wird. Zu viel Diskussion, zu viel Hin und Her, am Ende das große textile Nichts. Wenn man es politisch also nicht für gut befindet oder schlicht nicht auf die Reihe kriegt, ein paar Meter Stoff zu präsentieren, dann muss eben der mündige Bürger ran. Also ich. Ich zeige jetzt mal, wie das ganz ohne Ausschusssitzung und Fraktionszwang geht.


Bei uns hängen nämlich nicht nur eine, nein, gleich zwei Deutschlandflaggen. Und wissen Sie auch, warum? Genau: wegen der Fußball-Weltmeisterschaft! Und weil wir nicht erst monatelang über Fundamente und Mast-Statiken debattieren, haben wir die Flaggen einfach direkt an den Zaun gehängt. Zack, fertig. Ganz ohne bürokratischen Alltagstrott, einfach so. Schwarz-Rot-Gold im Doppelpack, direkt an der Grundstücksgrenze, passend zum WM-Fieber.


Und jetzt kommt der eigentliche Skandal, der besonders empfindsamen Teilen der lokalen Debatte vermutlich schlaflose Nächte bereiten dürfte: Ich habe das doch tatsächlich völlig verständnislos ohne eine Europaflagge nebenan getan! Die reine, blanke deutsche Flagge. Wahnsinn, oder? Absoluter Nervenkitzel am Zaunpfahl.


Diesen textilen Staatsstreich ziehe ich jetzt auch eiskalt durch. Die Flaggen bleiben hängen – und zwar hochoffiziell bis zum 19. Juli, dem Tag des WM-Finales. Hoffentlich natürlich mit Deutschland als Teilnehmer. Bis dahin, so meine kühne Hoffnung, hat das WM-Fieber dann auch die sonst so links-woke-angehauchten Teile Michendorfs vollends gepackt. Ich sehe es schon vor mir: Die patriotischen Hemmungen fallen, und die schwarz-rot-goldenen Fahnen wehen plötzlich massenhaft auf den lokalen Balkonen und in den Vorgärten.


Als krönenden Abschluss erwarte ich dann den ultimativen, politisch maximal inkorrekten CO2-Tempo-30-Autokorso, der sich hupend und feiernd über die ohnehin völlig kaputte Potsdamer Straße quält. Das wäre doch mal ein Michendorf, das Farbe bekennt!


Ich muss allerdings gestehen: Bis dahin bleibt das Flaggen-Design am eigenen Zaun ein Extremsport. Jedes Mal, wenn ich morgens aus dem Fenster schaue, bin ich quasi stündlich überrascht und zutiefst glücklich, dass bisher noch keine Heerscharen empörter Aktivisten mit Transparenten und Megafon vor meinem Grundstück aufmarschiert sind, um mich wegen akuten Verfassungspatriotismus am Maschendraht abzustrafen. Es grenzt an ein Wunder, dass mein Heim noch nicht von einem SEK-Team gestürmt und ich ordnungsgemäß „geswattet“ wurde, weil irgendein hyperventilierender Passant beim Anblick von verfassungskonformen Nationalfarben am Zaun den drohenden Umsturz in der Gemeinde vermutet hat.


Liebe Gemeindevertretung, schaut doch mal vorbei! Es tut gar nicht weh. Man nimmt die Flagge, bindet sie an den Zaun, fertig. Während in der Ortspolitik das große finale Flaggen-Aus besiegelt wird, sorge ich privat für den passenden Fanjubel. Ihr könnt euch das Geld für die gemeindlichen Masten also komplett sparen – guckt einfach bei mir an den Zaun. Gerne kostenlos, solange mir keiner das Sondereinsatzkommando auf den Hals hetzt.

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