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Neuer ADFC-Kreisverband in Michendorf gegründet: Radfahrer machen jetzt Druck auf den Landkreis

Michendorf - Der Radverkehr in Potsdam-Mittelmark bekommt eine neue Stimme – und die kommt direkt aus Michendorf. Am Samstag, dem 20. Juni 2026, wurde im Gemeindezentrum Michendorf der neue ADFC-Kreisverband Potsdam-Mittelmark gegründet.


Für die Radaktiven im Landkreis ist das mehr als ein organisatorischer Schritt. Es ist auch ein klares Signal an die Kreispolitik und Verwaltung: Beim Radverkehr soll es endlich vorangehen.


Der neue Kreisverband soll künftig die Arbeit der sieben Orts- und Regionalgruppen im Landkreis stärker bündeln. Nach Angaben des ADFC vertritt der Verband damit 588 Mitglieder in Potsdam-Mittelmark.


Geplant sind unter anderem vierteljährliche Onlinetreffen der Radaktiven in der Mittelmark. Ziel sei es, Informationen schneller auszutauschen, gemeinsame Forderungen besser abzustimmen und gegenüber dem Landkreis geschlossener aufzutreten.


Mehr Stimme für die Radfahrer

Zum neuen Kreisvorsitzenden wurde Hartwig Paulsen aus Michendorf gewählt.

Als stellvertretende Vorsitzende gehören Sven Schugart aus Bad Belzig, Antje Kooymann aus Michendorf und Daniel Solf aus Werder dem Vorstand an.


Paulsen machte bei der Gründung deutlich, worum es dem neuen Kreisverband vor allem geht: sichtbare Verbesserungen im Alltag. „Um den Radverkehr voranzubringen, braucht es zunächst nicht viel: Schilder sowie Farbe für die Sicherheit und Schotter für die Schlaglöcher.


Entscheidend ist der Wille, den Radverkehr zu entwickeln – und der hat im Landkreis nachgelassen“, sagte der neugewählte Kreisvorsitzende.


Die Botschaft ist deutlich: Der ADFC will nicht nur über große Konzepte sprechen, sondern über konkrete Maßnahmen auf Straßen, Wegen und Schulrouten. Gerade in Flächengemeinden wie Michendorf geht es dabei nicht nur um Freizeitverkehr, sondern auch um sichere Wege zur Schule, zum Bahnhof, zum Einkauf oder zur Arbeit.


Kritik am Tempo im Landkreis

Besonders kritisch blickt der neue Kreisverband auf die Umsetzung des Radverkehrskonzepts des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Dieses wurde 2024 verabschiedet. Nach Einschätzung des ADFC sei davon bislang jedoch kaum etwas umgesetzt worden.


Auch die im Konzept vorgesehene Arbeitsgruppe „AG Rad“ sei bisher nicht eingerichtet worden. Zudem ruhe derzeit das Amt der Radverkehrsbeauftragten.


Der neue Kreisvorstand wurde nach Angaben des ADFC ausdrücklich aufgefordert, stärker auf den Landkreis einzuwirken. Aus Sicht der Radaktiven seien der Landkreis und die Kreisverkehrsbehörde bei vielen Maßnahmen inzwischen zum Engpass geworden.


Diese Kritik ist politisch nicht nebensächlich. Denn Radverkehr ist längst kein reines Nischenthema mehr. Es geht um Schulwegsicherheit, Pendlerverbindungen, Barrierefreiheit, Klimaschutz, Tourismus und die Frage, ob Mobilität im ländlichen Raum auch ohne Auto praktikabel sein kann.


RE 7, Templiner See und sichere Schulwege

Die Gründungsversammlung beließ es nicht bei der Wahl des Vorstandes. Verabschiedet wurden auch mehrere Anträge. Gefordert wird unter anderem ein Landesradweg entlang der RE 7. Außerdem setzt sich der ADFC für den Bau einer Fahrradbrücke an der Eisenbahnbrücke über den Templiner See ein.


Ein weiteres Thema war die Frage, wie Jugendliche wieder stärker zum Radfahren motiviert werden können. Dabei ging es insbesondere um die Sicherheit auf Schulwegen. Gerade hier sehen viele Eltern und Radinitiativen seit Jahren Handlungsbedarf: Wenn Kinder und Jugendliche selbstständig mit dem Rad unterwegs sein sollen, müssen Wege übersichtlich, sicher und alltagstauglich sein.


Michendorf als Startpunkt

Dass die Gründung ausgerechnet in Michendorf stattfand, passt zur Entwicklung der vergangenen Jahre. In der Gemeinde ist der Radverkehr immer wieder Thema: von sicheren Schulwegen über Bahnhofsverbindungen bis hin zur Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrer. Mit dem neuen Kreisverband bekommt dieses Engagement nun eine stärkere Struktur auf Landkreisebene.


Für die Michendorfer Radaktiven ist das ein wichtiger Schritt. Aus einzelnen Ortsgruppen soll mehr gemeinsamer Druck entstehen. Ob daraus auch schneller sichtbare Verbesserungen auf den Straßen und Wegen werden, wird sich nun im Landkreis zeigen.

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