Potsdamer Straße: Skepsis in MIR-Umfrage – Gosciniak fordert Planungsstopp
Michendorf - Die aktuellen Pläne zur Umgestaltung der Potsdamer Straße stoßen unter den Teilnehmern einer nicht-repräsentativen MIR-Leserumfrage überwiegend auf Vorbehalte. Nach Veröffentlichung unseres Artikels am Donnerstag sprechen sich rund 39 Prozent für eine Sanierung mit gezielten Verbesserungen aus. Weitere 28 Prozent lehnen das ganz Vorhaben ab und wünschen anderen Projekten Vorrang.
22 Prozent unterstützen das vorgestellte Konzept, weitere 11 Prozent befürworten einen Umbau, wünschen sich aber Änderungen.
Kandidat fordert eine einfachere Lösung
Bürgermeisterkandidat und MIR-Herausgeber Gregory Gosciniak spricht sich in einem aktuellen Statement deutlich gegen die bisherige Umbauplanung aus. „Michendorf kann sich kein weiteres Großprojekt leisten“, erklärt er. Er fordere einen sofortigen Planungsstopp und die Prüfung einer günstigeren, möglichst wenig eingreifenden Sanierung. Für einen grundhaften Ausbau in diesem Umfang sehe er keine Rechtfertigung.
Die Gemeinde plant unter anderem eine gepflasterte Fahrbahn in der Ortsmitte, Radschutzstreifen und veränderte Bushaltestellen. Ziel sind mehr Aufenthaltsqualität, bessere Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit. Allein der erste Bauabschnitt ist einschließlich Nebenkosten, Untersuchungen und Risikoreserve mit rund 3,7 Millionen Euro veranschlagt.
Gosciniak schlägt stattdessen eine Sanierung nach dem baulichen Ansatz des nördlichen Abschnitts zwischen Teltower Straße und Caputher Chaussee vor. Dessen Ausgestaltung bewertet er ebenfalls kritisch, insbesondere mit Blick auf Pendler, Senioren und Familien. Den begrenzten Eingriff in die Straße hält er jedoch für den richtigen Ansatz.
Eine solche Lösung könne nach seiner Einschätzung Bauzeit und Kosten reduzieren, Baumwurzeln schützen und das Risiko einer teuren Entsorgung belasteten Bodens verringern. Außerdem könne sie den Haushalt entlasten und die Abhängigkeit von künftigen Förderzusagen reduzieren. Ein belastbarer Vergleich beider Varianten liegt mit dem Statement allerdings nicht vor.
Parkbuchten und Abbiegeflächen erhalten
Besonders deutlich positioniert sich der Kandidat zur künftigen Verkehrsführung: „Parkbuchten, Ausweich- und Abbiegeflächen sowie Bushaltebuchten müssen erhalten bleiben. Eine andere Planungsentscheidung lehne ich ab.“
Die Potsdamer Straße müsse für Menschen funktionieren, die zur Arbeit fahren, einkaufen oder Restaurants besuchen wollten. Sichere Wege für Fußgänger und Radfahrer gehörten dazu, in einer Flächengemeinde aber ebenso eine vernünftige Erreichbarkeit mit dem Auto.
Die bisher vorliegenden Entwurfspläne sehen im Bereich der zentralen Bushaltestellen eine begrünte Mittelinsel vor. Eine separate Spur zum Vorbeifahren an haltenden Bussen ist dort nicht eingezeichnet. Nachfolgende Autofahrer müssten deshalb voraussichtlich während des Fahrgastwechsels warten. Wie sich das auf Rückstaus und die Erreichbarkeit auswirken würde, lässt sich aus den bislang ausgewerteten Unterlagen nicht beziffern.
Notwendige Arbeiten und Neugestaltung getrennt bewerten
Gosciniak verlangt von der Gemeinde eine nachvollziehbare Unterscheidung: Welche Arbeiten seien technisch notwendig, welche dienten lediglich der Neugestaltung? Der umfassende Umbau und eine einfachere Sanierung müssten hinsichtlich Kosten, Bauzeiten und Folgen offen verglichen werden. Dringende Reparaturen und notwendige Untersuchungen sollten auch bei einem Planungsstopp möglich bleiben.
Zudem fordert er eine wirksame Beteiligung von Anwohnern, Pendlern und Unternehmen vor weiteren Festlegungen. Eine unabhängige Prüfung solle über mögliche Risiken informieren.
Dazu zählt er Schäden am Grünbestand, Kostensteigerungen und langfristige Einschränkungen.
Auch mehrere Facebook-Nutzer befürchten unnötige Ausgaben, eine Verschlechterung des Verkehrs und Nachteile für die Gewerbetreibenden. Andere fordern, Mittel stärker in die Sanierung, sichere Nebenstraßen und Schulwege sowie die Entlastung vom Durchgangsverkehr zu investieren.
Die Verwaltung bezeichnet die Finanzierung des ersten Bauabschnitts bislang als gesichert. Die Gesamtfördersumme für das Vorhaben ist laut Planungspräsentation jedoch noch unbekannt. Dort wird bereits eine mögliche Beschränkung späterer Arbeiten auf Deckensanierung, barrierefreie Zufahrten und Regenwasserleitung genannt. Auch zeitweise Vollsperrungen während des ersten Bauabschnitts sind in den Unterlagen vorgesehen.
Gosciniak fasst seine Forderung so zusammen: „Wir müssen unseren Ort nicht komplett neu bauen, um ihn besser zu machen.“





Kommentare