Schon wieder Kleider-Chaos: Warum Michendorfs Container überquellen
- Gregory Gosciniak

- vor 2 Minuten
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Michendorf – Hosen auf dem Gehweg, Säcke zwischen Glascontainer und Bordstein, Kleidung kreuz und quer auf dem Boden: Ein Foto aus Michendorf hat Anfang August eine alte Debatte neu entfacht. Was der Wiederverwendung dienen soll, sah zeitweise eher nach einer wilden Müllablage aus.

„Michendorf von seiner besten Seite. Kann sich die Gemeinde hier nicht für die Ordnung im Straßenbild einsetzen?“, schrieb ein Nutzer Anfang August bei Facebook. Unter dem Beitrag brach sich der Ärger schnell Bahn. „Ja, schlimm. Und alles durchwühlt“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer kommentierte: „Das ist doch ein Dauerzustand, der aber in der Gemeinde anscheinend niemand interessiert.“ Wieder jemand anderes brachte es auf drei Worte: „So eine Schande.“
Andere sahen die Verantwortung breiter verteilt. „Das Problem entsteht doch in erster Linie dadurch, dass viele ihre Kleiderspenden einfach vor den Containern abstellen, wenn diese bereits voll sind“, schrieb ein Nutzer – und ergänzte, bei regelmäßig überfüllten Containern müsse häufiger geleert werden. Ein weiterer: „So sieht es an jedem Kleidercontainer aus im Dorf. Kaum leer und schon wieder voll.“
Die MIR fragt nach – und bekommt nur einen Satz
Schon einen Tag nach dem Facebook-Beitrag wandte sich die Michendorfer Rundschau an die Gemeindeverwaltung. Die Redaktion wollte wissen, wann die überfüllten Container geleert werden und ob angesichts der wiederkehrenden Probleme die Leerungszyklen verkürzt werden können.
Die gute Nachricht: Wenige Tage später war das akute Problem gelöst - der Kleiderberg war verschwunden.
Die offizielle Antwort auf die Presseanfrage erreichte die MIR allerdings erst in der folgenden Woche – und fiel ausgesprochen knapp aus. Die Rathauschefin teilte lediglich mit:
„Die Leerung der Altkleider-Container erfolgte nach intensiven Bemühungen der Verwaltung in der letzten Woche.“
Damit war beantwortet, dass geleert worden war. Die zweite Frage der MIR blieb jedoch offen: Sollen die Leerungsintervalle künftig verkürzt oder anderweitig angepasst werden, damit sich solche Zustände möglichst gar nicht erst wiederholen? Auch zur bisherigen Leerungshäufigkeit oder zu konkreten Übergangsmaßnahmen bis zum angekündigten Betreiberwechsel enthielt die Antwort keine Angaben.
Ausführliche Erklärung – aber nur auf privatem Account
Dabei lagen der Verwaltung durchaus weitere Informationen vor. Bereits am Vortag hatte die Rathauschefin auf ihrem privaten Social-Media-Account ausführlich über das Thema berichtet.
Dort erklärte sie, die überfüllten Altkleidercontainer hätten die Gemeindeverwaltung in der vergangenen Woche „intensiv beschäftigt“. Die Verwertung von Alttextilien werde zunehmend schwieriger und teurer: Die Qualität der Sammelware sinke, die Entsorgungskosten stiegen und gleichzeitig gingen die Erlöse für gebrauchte Kleidung zurück. Immer mehr Kommunen hätten deshalb Schwierigkeiten, Anbieter für solche Containerstandorte zu finden.
Auch zur konkreten Situation in Michendorf enthielt der private Beitrag Informationen, die in der Antwort an die MIR fehlten. Nach der Insolvenz eines Dienstleisters im Frühjahr 2025 habe bereits ein neuer Anbieter gefunden werden müssen. Zum Oktober 2026 stehe nun erneut ein Wechsel des Dienstleisters bevor. Der derzeitige Betreiber sei noch bis Ende September in der Pflicht. Die Verwaltung habe nach Darstellung der Rathauschefin täglich Kontakt mit ihm gehalten, bis die Leerung schließlich erfolgt sei.
Zugleich sieht sie die Bürger in der Pflicht: Ist ein Container voll, sollen Alttextilien wieder mitgenommen oder zu einem anderen Standort gebracht werden.
Auf den offiziellen Kanälen blieb es still
Auffällig ist dabei nicht nur der Unterschied zwischen ausführlichem Social-Media-Beitrag und knapper Presseantwort. Auf den offiziellen Informationskanälen der Gemeindeverwaltung wurde die ausführliche Erklärung nicht veröffentlicht.
Damit sind die Informationen über den mutmaßlich bevorstehenden Betreiberwechsel und den laut Verwaltungsangaben "täglichen Kontakt" zum Dienstleister nach aktuellem Stand ausschließlich über den privaten Account der Rathauschefin einsehbar.
Wer lediglich die offiziellen Gemeinde-Kanäle verfolgt, erhält diese Informationen dort nicht. Und auch die MIR bekam sie auf ihre konkrete Anfrage nicht mitgeteilt.
Das Problem ist nicht neu
Ganz neu ist die Geschichte nicht. Bereits im Sommer 2025 beschäftigten überfüllte Altkleidercontainer in Wildenbruch die MIR. Anfang Juli hatte ein Bürger einen überquellenden Standort gemeldet. Als sichtbar nichts änderte, hakte er nach. Die damalige Antwort der Gemeinde lautete zunächst: „Wir bestätigen den Eingang Ihres Anliegens und die Weiterleitung an den für Ihren Sachverhalt zuständigen Fachbereich.“ Später wurde eine Leerung „noch diese Woche“ angekündigt.
Voll ist voll
Der aktuelle Berg ist weg. Im Oktober soll ein neuer Dienstleister übernehmen. Ob damit auch die Bilder von Kleidungsbergen neben Michendorfer Containern verschwinden, wird sich zeigen. Nach den Erfahrungen von 2025 und 2026 wäre schon das eine Nachricht, über die die MIR gerne berichten würde.




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