Exklusiv: Stehen die Zeichen im Rathaus auf Wechsel? Ergebnisse der Michendorfer Sonntagsfrage
Aktualisiert: 2. Sept.
Michendorf – Am 1. September 2019 wurde in Michendorf über das Bürgermeisteramt abgestimmt. Exakt sieben Jahre später veröffentlicht die Michendorfer Rundschau ihr Bürgermeisterbarometer 2026 – und die Zahlen zeigen eine Gemeinde, in der politisch einiges in Bewegung zu sein scheint.
41,1 Prozent der Befragten tendieren heute klar zu einem personellen Wechsel. Nur 35,8 Prozent sprechen sich für eine Bestätigung der Amtsinhaberin aus oder tendieren zu ihr. Und dazwischen steht eine Gruppe, die bei der nächsten Wahl noch entscheidend werden könnte: 18,6 Prozent sind offen für einen Wechsel - unter den richtigen Gegebenheiten.
Diese nicht mit den "Unentschiedenen" und "Nicht-Wählern" (nach Umfrage gesamt rund 4,5 Prozent) zu verwechselnde Gruppe zeigt sich zwar offen, aber nur unter der Bedingung, dass eine "überzeugende Gegenkandidatur" antritt.
Sieben Jahre später: Was wurde aus den Wählern von 2019?
Zum Jahrestag der Bürgermeisterwahl lohnt sich ein Blick zurück – und dabei nicht nur auf die damaligen Ergebnisse. Denn die MIR hat die Teilnehmenden des Bürgermeisterbarometers auch gefragt, wie sie 2019 gewählt haben.
Von den Befragten, die nach eigener Aussage damals für die heutige Amtsinhaberin stimmten, tendieren heute noch nur noch 52,4 Prozent zu ihrer Bestätigung.
25,2 Prozent Ihrer mutmaßlichen damaligen Unterstützer geben heute eine klare Wechselpräferenz an. Weitere 20,1 Prozent zeigen sich bedingt offen – würden einen Wechsel also bei einer aus ihrer Sicht überzeugenden Gegenkandidatur erwägen. Anders gesagt: Fast die Hälfte der damaligen Unterstützer zählt heute nicht mehr eindeutig zum Bestätigungslager.
Bei denjenigen, die 2019 gegen die Amtsinhaberin stimmten, fällt die Bindung an die damalige Entscheidung stärker aus. 64,5 Prozent tendieren auch heute zu einem Wechsel, 16,4 Prozent sind bedingt offen. Umgekehrt würden inzwischen 15,9 Prozent der damaligen Gegner für eine zweite Amtszeit tendieren.
Passt die Erinnerung der Befragten überhaupt zum echten Wahlergebnis?
Bei rückblickenden Befragungen stellt sich allerdings eine wichtige Frage: Bildet die Erinnerung der Teilnehmer das tatsächliche Wahlverhalten von damals wenigstens einigermaßen plausibel ab?
Ein Vergleich liefert dafür einen interessanten Anhaltspunkt. Bei der Bürgermeisterwahl 2019 entfielen 5.457 Stimmen, also 70,49 Prozent der gültigen Stimmen auf die aktuellen Rathauschefin.
Für den Vergleich mit der aktuellen Befragung ist allerdings noch eine andere Zahl interessant: Bezogen auf alle damaligen Wahlberechtigten entsprachen diese Stimmen einem Anteil von 51,8 Prozent.
Im aktuellen Bürgermeisterbarometer können für diesen Vergleich 544 heute Wahlberechtigte herangezogen werden, die weder angaben, 2019 noch nicht wahlberechtigt gewesen zu sein, noch damals nicht in Michendorf gewohnt zu haben. 275 von ihnen sagen, 2019 für die heutige Amtsinhaberin gestimmt zu haben. Das entspricht 50,6 Prozent.
Damit liegen 50,6 Prozent in der Befragung und 51,8 Prozent beim tatsächlichen Verhältnis der damaligen Stimmen zur Zahl aller Wahlberechtigten erstaunlich nah beieinander.
Wildenbruch und Wilhelmshorst: Wechsel besonders stark
Der Blick auf die sechs Ortsteile zeigt: Von einem einheitlichen Michendorfer Stimmungsbild kann kaum gesprochen werden.
Am deutlichsten ist der Wechselwunsch in Wildenbruch. Dort entfallen 49,5 Prozent auf die Kategorie Wechsel. Nur 22,7 Prozent tendieren zu einer Bestätigung. Fast ebenso deutlich fällt das Bild in Wilhelmshorst aus: Dort stehen 48,5 Prozent für einen Wechsel einer Bestätigung von 36,2 Prozent gegenüber.
Im Kernortsteil Michendorf ist das Rennen dagegen beinahe ausgeglichen: 40,2 Prozent Bestätigung stehen 37,7 Prozent Wechsel gegenüber. In Langerwisch liegt die Bestätigung ebenfalls bei 40,2 Prozent, der klare Wechselwunsch bei nur 33 Prozent.
Zwischen 30 und 59 ist der Wechselwunsch am größten
Bei den 30- bis 44-Jährigen erreicht der Wechsel mit 51,8 Prozent den höchsten Wert aller Altersgruppen. Nur 28,9 Prozent tendieren dort zu einer Bestätigung. Ganz ähnlich sieht es bei den 45- bis 59-Jährigen aus: 49,3 Prozent "Wechsel" stehen 30,5 Prozent "Bestätigung" gegenüber.
Das Bild dreht sich erst bei den Befragten ab 60: Dort liegt die Bestätigung mit 44,7 Prozent deutlich vor dem Wechsel mit 27,9 Prozent. Gleichzeitig sind 24,4 Prozent dieser Altersgruppe noch bedingt offen.
Was steckt hinter den Zahlen?
Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für die MIR nicht der Schlusspunkt der Befragung. Denn die Zahlen werfen neue Fragen auf: Warum ist der Wechselwunsch gerade in Wildenbruch und Wilhelmshorst so hoch? Weshalb unterscheiden sich jüngere und ältere Befragte so deutlich? Was hat einen Teil der Unterstützer von 2019 zum Umdenken gebracht? Und welche Themen beschäftigen diejenigen, die ihre Entscheidung von einer überzeugenden Alternative abhängig machen?
Diesen Fragen wird die MIR in den kommenden Recherchen nachgehen. Die Redaktion hat unter anderem die Parteien und Fraktionen in der Gemeinde um eine Einordnung der Ergebnisse gebeten. Ihre Antworten sowie weitere Recherchen sollen dabei helfen, die Zahlen hinter dem Bürgermeisterbarometer besser zu verstehen.
Alle Ergebnisse auf einen Blick
Neben den Gesamtzahlen enthält die vollständige Auswertung sämtliche Ergebnisse nach Ortsteilen, Altersgruppen sowie zur Wählerwanderung seit 2019. Dort finden sich auch die methodischen Hinweise und Berechnungsgrundlagen.
Wie wurde das Bürgermeisterbarometer erhoben?
Grundlage der Prozentwerte sind 611 vollständig gewichtbare und aktuell wahlberechtigte Befragte. In die Hauptauswertung flossen damit nur Datensätze ein, die diese Voraussetzungen erfüllten. Die Ergebnisse wurden anschließend nach Ortsteil und Altersgruppe gewichtet, damit unterschiedlich starke Beteiligungen einzelner Gruppen das Gesamtergebnis nicht unmittelbar verzerren.
Die Bruttobasis, also die Gesamtzahl der Befragten, umfasst 3.171 Antwortsätze aus Straßenumfrage, Online-Umfrage und Befragung per Flyer. Maßgeblich für die gewichtete Hauptauswertung sind ausschließlich die 611 vollständig gewichtbaren, aktuell wahlberechtigten Befragten. Die Befragung lief vom 13. Juli bis zum 20. August 2026.
Das Bürgermeisterbarometer ist ausdrücklich keine Wahlprognose und keine repräsentative Bevölkerungsumfrage im wissenschaftlichen Sinne. Die Gewichtung nach Alter und Ortsteil verbessert die Vergleichbarkeit der Antworten, kann mögliche Effekte einer freiwilligen Teilnahme jedoch nicht vollständig ausschließen.
Da die Online-Umfrage grundsätzlich von derselben Person mehrfach ausgefüllt werden konnte, wurden vom System erkannte Mehrfachteilnahmen herausgefiltert und die entsprechenden zusätzlichen Datensätze nachträglich aus der Auswertung entfernt.
Sieben Jahre nach der Bürgermeisterwahl vom 1. September 2019 und damit rund ein Jahr vor der nächsten Wahl liefert die Befragung dennoch ein bemerkenswertes Stimmungsbild: Fast jeder fünfte Befragte macht seine weitere Entscheidung davon abhängig, ob ein aus seiner Sicht überzeugender Gegenkandidat zur Wahl steht.




Kommentare