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Wichtig für Eltern: Michendorf trennt sich nach nur 4 Monaten von Essensanbieter

Michendorf – Im Frühjahr sollte beim Schul- und Kitaessen vieles besser werden, vier Monate später ist schon wieder Schluss: Die Gemeinde Michendorf beendet das Vertragsverhältnis mit Vielfalt Menü. Nach Darstellung der Verwaltung seien wiederholt Mängel festgestellt worden, die auch nach einer Abmahnung nicht ausreichend behoben worden seien. Ab dem 7. September kehrt deshalb der langjährige frühere Anbieter RWS Cateringservice zurück – zunächst per Notvergabe. Bemerkenswert: Die erst Anfang 2026 durchgeführte Ausschreibung war ausdrücklich auf Qualität ausgerichtet und eigentlich auf mehrere Jahre angelegt.


Erst im Mai sollte alles besser werden

Die MIR hatte bereits am 23. April 2026 über den damaligen Caterer-Wechsel berichtet. Zum 1. Mai löste Vielfalt Menü den bisdato Anbieter RWS ab. Die Gemeinde verband damit ausdrücklich hohe Erwartungen: Die Qualität der Speisen sollte verbessert, eine ausgewogene und kindgerechte Ernährung sichergestellt und nachhaltigen sowie regionalen Aspekten mehr Gewicht gegeben werden.


Der Wechsel erfolgte nicht, weil die Verwaltung damals öffentlich eine vorzeitige Trennung von RWS wegen Leistungsmängeln verkündet hätte. Vielmehr lief der bisherige Vertrag mit RWS regulär zum 30. April 2026 aus. RWS hatte die kommunalen Einrichtungen bereits über Jahre versorgt; schon 2020 führte die Gemeinde das Unternehmen als Caterer ihrer Kitas, Horte und Schulen.


Qualität zählte deutlich mehr als der Preis

Noch interessanter wird der Vorgang mit Blick in die damaligen Vergabeunterlagen. Die Gemeinde hatte die Verpflegungsleistungen Ende Januar europaweit ausgeschrieben. Vorgesehen war die tägliche Versorgung von rund 1.600 Essenteilnehmern in kommunalen Kitas, Horten und Schulen. Die Ausschreibung kalkulierte mit etwa 3.000 Mahlzeiten beziehungsweise Verpflegungsleistungen täglich.


Der Preis spielte bei der Auswahl überraschend nur eine vergleichsweise kleine Rolle: Der Angebotspreis pro Portion wurde mit 15 Prozent gewichtet. Die übrigen 85 Prozent entfielen auf Qualitätskriterien.


Allein Ernährungs- und Qualitätsstandards machten 18 Prozent aus. Weitere 14 Prozent entfielen auf Logistik und Organisation – darunter Lieferzuverlässigkeit und Versorgungssicherheit. Bewertet wurden außerdem Nachhaltigkeit und Regionalität, Hygiene und Personalqualifikation, das Küchenkonzept, digitale Bestell- und Abrechnungssysteme, Kommunikation und Beschwerdemanagement sowie ein Probeessen.


Aus drei Jahren werden nur rund vier Monate

Auch zeitlich war die Zusammenarbeit ursprünglich ganz anders angelegt. Die Ausschreibung sah einen Vertrag vom 1. Mai 2026 bis 30. April 2029 vor, mit der Möglichkeit weiterer Verlängerungen. Gleichzeitig war eine sechsmonatige Probezeit vorgesehen. Innerhalb dieser Probezeit sollte die Gemeinde den Vertrag mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende auch ohne Angabe von Gründen kündigen können.


Nun endet die Zusammenarbeit bereits nach rund vier Monaten. Die Gemeinde begründet den Schritt allerdings ausdrücklich mit Leistungsmängeln. Hinweise aus den Einrichtungen seien fortlaufend dokumentiert und dem Caterer mitgeteilt worden. Trotz Abmahnung und einer Frist zur Behebung seien die beanstandeten Punkte nach Darstellung der Verwaltung nicht ausreichend abgestellt worden. Welche konkreten Mängel es gegeben haben soll, erläutert sie bislang weder in der öffentlichen Meldung noch in dem Elternschreiben vom 28. August. Eine Stellungnahme von Vielfalt Menü zu den Vorwürfen liegt der MIR bislang nicht vor.


Jetzt kommt RWS zurück

Ab 7. September 2026 übernimmt ausgerechnet der vorherige Caterer RWS wieder die Versorgung. Die Gemeinde greift dabei zunächst auf eine Notvergabe zurück, damit das Mittagessen in den Einrichtungen weiter angeboten werden kann. Gleichzeitig soll erneut eine europaweite Ausschreibung vorbereitet werden.


Für Eltern bringt der erneute Wechsel allerdings Arbeit mit sich: Jedes Kind muss wieder bei RWS angemeldet werden. Die dafür benötigten einrichtungsbezogenen QR-Codes sollen am 31. August an die Kitas und Schulen verteilt und auch auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht werden. Wer sicherstellen möchte, dass sein Kind ab dem 7. September Essen erhält, soll die Anmeldung spätestens bis 3. September erledigen. Die Bearbeitung bei RWS benötigt laut Gemeinde zwei Werktage.


Schüler erhalten anschließend einen persönlichen QR-Code, der ausgedruckt täglich zur Essensausgabe mitgebracht werden soll. Er ersetzt den bisher bei Vielfalt Menü verwendeten Chip. Bestellt wird über eine RWS-App. In den Kitas übernimmt dagegen weiterhin die Einrichtung die Bestellung.


Für Schulkinder wird das Essen teurer

Für Kitakinder bleibt der Elternanteil bei 2,55 Euro pro Portion. Schülerinnen und Schüler zahlen bei RWS künftig 3,28 Euro. Bei Vielfalt Menü waren es seit Mai 3,00 Euro für Grundschulkinder und 3,10 Euro für Schüler der Sekundarstufe I.


Damit zahlen Grundschulkinder künftig 28 Cent mehr pro Essen, in der Sekundarstufe I sind es 18 Cent mehr.


Bei medizinisch notwendiger Sonderkost können Atteste über die App hochgeladen werden. Die Anmeldung soll zunächst auch ohne Attest möglich sein; dieses müsse anschließend möglichst schnell nachgereicht werden.


Für die Gemeinde beginnt damit nach nur wenigen Monaten erneut die Suche nach einem dauerhaften Essensanbieter. Der erste Wechsel war mit dem erklärten Ziel einer besseren Qualität gestartet. Nun muss kurzfristig der Vorgänger einspringen – während die nächste europaweite Ausschreibung bereits vorbereitet wird. Welche zusätzlichen Kosten der Gemeinde dadurch entstehen bleibt vorerst offen.

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