Erster Veteranentag im Landkreis: „Die Bundeswehr gehört in die Mitte der Gesellschaft“
- Gregory Gosciniak

- vor 5 Tagen
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Treuenbrietzen - Es war ein Satz, der hängen blieb: „Wenn man das da sieht, weiß man, wo die Bedürfnispyramide anfängt.“ Mit diesen Worten beschrieb Major der Reserve André Deinhardt beim ersten Veteranentag des Landkreises Potsdam-Mittelmark seine Erfahrungen aus dem Auslandseinsatz.
Am 15. Juni hat der Landkreis erstmals einen Nationalen Veteranentag ausgerichtet. In den Kammerspielen Treuenbrietzen kamen Veteraninnen und Veteranen, Angehörige, Vertreter aus Politik und Gesellschaft sowie interessierte Gäste unter dem Motto „Veterans, Family and Friends“ zusammen.
Im Mittelpunkt stand nicht allein ein offizielles Programm. Es ging um Begegnungen, Gespräche und um die Frage, wie viel Anerkennung Menschen erfahren, die für Deutschland im Einsatz waren.
Afghanistan, Feldpostbriefe und persönliche Erfahrungen
Besonderer Gast des Abends war Major der Reserve André Deinhardt. Er las aus seinem Buch „Afghanistan Krieg 2005 – Edition von Feldpostbriefen aus dem 7. Deutschen Einsatzverband ISAF Kabul“ und berichtete anschließend über seine Erfahrungen in Auslandseinsätzen.
Die SPD-Fraktion Potsdam-Mittelmark schrieb dazu auf Instagram, Deinhardt habe „offen, ehrlich und sehr eindrucksvoll“ berichtet. Es seien genau solche Sätze gewesen, „die hängenbleiben“. Die Fraktion dankte zudem der Landkreisverwaltung, weil diese das Thema „in die Mitte der Gesellschaft“ rücke.
Auch die unter anderem für Michendorf zuständige Landtagsabgeordnete Melanie Balzer (SPD) teilte Eindrücke von der Veranstaltung. Sie sprach von einer „beeindruckenden Lesung“ und einer „tollen Veranstaltung“. Der Kreistag Potsdam-Mittelmark habe beschlossen, den Nationalen Veteranentag auch im Landkreis durchzuführen.
FDP Michendorf: Bundeswehr gehört in die Mitte
Auch aus Michendorf gab es politische Reaktionen. Axel Lipinski-Mießner, Vorsitzender der FDP Michendorf, nahm ebenfalls am ersten Veteranentag des Landkreises teil. In einem Video sprach er von einem bewegenden Vortrag.
Besonders hängen geblieben sei für ihn Deinhardts zentrales Fazit: „Die Bundeswehr muss wieder vom Rand der gesellschaftlichen Wahrnehmung zurück in die Mitte unserer Zivilgesellschaft.“ Dort gehöre sie hin, so Lipinski-Mießner. Deutschland sei auf die Verteidigungsfähigkeit des Landes angewiesen.
Wer Sicherheit und Freiheit wolle, müsse auch diejenigen wertschätzen, „die bereit sind, diese Freiheit für uns zu verteidigen“. Dazu gehörten gesellschaftliche, politische und auch finanzielle Anerkennung.
Beeindruckt habe ihn außerdem die Arbeit von Unterstützungsorganisationen wie Combat Veteran und Ehrfurcht, die sich für Veteranen und Einsatzkräfte einsetzten. Sie zeigten, wie wichtig Zusammenhalt und Unterstützung auch nach dem Dienst seien.
Ein Anfang mit Signalwirkung
Der erste Veteranentag in Potsdam-Mittelmark war damit mehr als eine Gedenkveranstaltung. Er setzte ein Signal: Einsatz, Dienst und persönliche Opfer von Soldatinnen und Soldaten sollen sichtbarer werden. Zugleich rückten auch Angehörige, Unterstützungsangebote und der gesellschaftliche Zusammenhalt nach dem Dienst in den Blick.
Lipinski-Mießner nannte den ersten Veteranentag einen „guten Start“. Nun komme es darauf an, ihn mit Leben zu füllen und die Anerkennung für Veteraninnen und Veteranen dauerhaft in der Gesellschaft zu verankern.
Gerade in Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Unsicherheit bekommt diese Debatte zusätzliches Gewicht. Der Abend in Treuenbrietzen zeigte: Der Umgang mit Veteraninnen und Veteranen ist kein Randthema. Es geht um Respekt, Verantwortung und die Frage, welchen Platz die Bundeswehr in der Gesellschaft einnimmt.




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