Reizthema Flächennutzungsplan - 429 Stellungnahmen sind ausgewertet
Michendorf - Der neue Flächennutzungsplan der Gemeinde nimmt weiter Form an.
Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit lagen der Verwaltung 429 schriftliche Stellungnahmen vor. Hinzu kommen Rückmeldungen von Behörden, Nachbargemeinden und weiteren Trägern öffentlicher Belange. Die Einwendungen haben an mehreren Stellen zu Änderungen geführt. Einige große und umstrittene Bauflächen bleiben jedoch im Verfahren.
Am Mittwoch, 9. September 2026, beschäftigt sich der Ausschuss für Gemeindeentwicklung mit dem aktuellen Arbeitsstand. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rathaus.
Eine abschließende Entscheidung über den Flächennutzungsplan ist damit noch nicht verbunden. Vielmehr sollen die bisherigen Abwägungen beraten und politische Hinweise für die weitere Bearbeitung gegeben werden.
Der Flächennutzungsplan legt für das gesamte Gemeindegebiet fest, wo langfristig Wohnen, Gewerbe, Gemeinbedarf, Verkehr, Landwirtschaft, Wald oder Grünflächen vorgesehen werden können. Unmittelbares Baurecht schafft er nicht. Dennoch ist er für Eigentümer, Anwohner und Betriebe von erheblicher Bedeutung: Was hier als Baufläche erscheint, kann später durch einen Bebauungsplan weiter konkretisiert werden. Flächen, die nicht aufgenommen werden, haben dagegen deutlich geringere Entwicklungschancen.
Mehr Wohnbaufläche, deutlich weniger Gewerbe
Die im August erstellte Übersicht zeigt zunächst eine auffällige Verschiebung.
Die Gesamtfläche der untersuchten Siedlungszuwachsflächen sinkt demnach von rund 80 auf knapp 59 Hektar. Gleichzeitig steigt die darin enthaltene Wohnbaufläche von etwa 41 auf knapp 46 Hektar. Rechnerisch könnten auf diesen Flächen zwischen 364 und 546 Wohneinheiten entstehen.
Der starke Rückgang der Gesamtfläche hängt vor allem mit dem Gewerbe zusammen.
Statt ursprünglich gut 31 Hektar werden in der August-Übersicht nur noch etwas mehr als fünf Hektar als mögliche neue Gewerbeflächen geführt. Hauptgrund ist der vorläufige Verzicht auf ein fast 30 Hektar großes Gewerbegebiet südlich der Autobahnraststätte Michendorf.
Diese Zahlen sind allerdings nur eine Zwischenbilanz. Nach den Sitzungen der Ortsbeiräte im August wurde ein aktualisiertes Arbeitspapier mit Stand vom 2. September erstellt.
Darin werden einzelne Flächen anders bewertet als in der zusammenfassenden Tabelle.
So soll eine sieben Hektar große Waldfläche in Michendorf nach dem Votum des Ortsbeirates nicht mehr aufgenommen werden. In Stücken könnte dagegen eine zwischenzeitlich gestrichene Fläche wieder in das Verfahren zurückkehren.
Michendorf: Größtes Wohngebiet bleibt im Plan
Die mit Abstand größte potenzielle Wohnbaufläche liegt im Ortsteil Michendorf. Die rund 15,3 Hektar große Fläche "MD-3" erstreckt sich zwischen Feldstraße, Schmerberger Straße und Am Upstall. Nach den bisherigen Berechnungen könnten hier langfristig etwa 122 bis 183 Wohneinheiten entstehen.
Die Verwaltung sieht darin ein zentrales innerörtliches Entwicklungspotenzial.
Als Gründe werden die Lage innerhalb des Siedlungsbereiches, die Möglichkeit eines größeren zusammenhängenden Wohnquartiers und zusätzlicher bezahlbarer Wohnraum genannt.
Eine Verkleinerung wurde geprüft, fand im Ortsbeirat jedoch keine Mehrheit.
Im aktuellen Arbeitsstand bleibt die Fläche deshalb vollständig enthalten.
Dem stehen gewichtige Einwände gegenüber. In den Unterlagen wird die Fläche unter anderem wegen ihrer Bedeutung für Biotope, Arten, Wasserhaushalt und Lokalklima als konfliktträchtig bewertet. Teile des Gebietes dienen der Kaltluftentstehung. Außerdem ist die Grundwasserneubildung von Bedeutung.
Auf einem wesentlichen Teil des Gebietes wirtschaftet der Pferdehof der Familie von Robert Schuster. Nach Angaben des Rundfunks Berlin-Brandenburg besteht der Betrieb seit rund 30 Jahren. Zum Konzept gehören Pferdepension, Offenstallhaltung, Weiden und die Erzeugung eigenen Futters. Ein erheblicher Teil der genutzten Flächen ist nach Angaben des Betriebes gepachtet.
Im Vorentwurf vom Oktober 2025 wurde ausdrücklich beschrieben, dass die innerörtliche Pferdehaltung mittel- bis langfristig aufgegeben oder an einen Ersatzstandort verlagert werden solle. Schuster und Unterstützer des Hofes haben deshalb die Initiative „Rettet den Pferdehof“ gegründet und im Beteiligungsverfahren für den Erhalt des Betriebes geworben.
Mit der Darstellung als Wohnbaufläche sind weder eine Kündigung der Pachtflächen noch ein unmittelbarer Bau- oder Räumungsbeschluss verbunden. Die planerische Zielrichtung ist dennoch klar: Bleibt "MD-3" in dieser Form im Flächennutzungsplan, wäre dort langfristig ein großes Wohngebiet vorgesehen. Der Fortbestand des Pferdehofes am bisherigen Standort und die vollständige Umsetzung der Planung wären dann kaum miteinander vereinbar.
Michendorf-West wächst deutlich weniger
Auch die Fläche "MD-1" zwischen Kiefernallee und Ahornallee bleibt grundsätzlich erhalten, wird jedoch von 3,3 auf etwa 1,3 Hektar verkleinert. Statt ursprünglich 26 bis 40 Wohnungen werden dort nun etwa 10 bis 16 Wohneinheiten angenommen.
Mit der Reduzierung sollen weniger dicht bebaute Bereiche geschont, Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet begrenzt und ein abgestufter Übergang zum Wald erreicht werden.
Der Ortsbeirat unterstützte diese Lösung einstimmig.
Unverändert bleibt dagegen die rund 1,3 Hektar große Fläche an der Schulstraße.
Einwände wegen möglicher Probleme bei Starkregen und Entwässerung sollen nach Auffassung der Verwaltung in einem späteren verbindlichen Planungsverfahren untersucht werden.
Sieben Hektar Wald vorerst aus dem Rennen
Für besondere Diskussionen sorgte auch die Fläche "MD-9" zwischen Ebereschenallee und Kastanienallee. In der August-Übersicht war das rund 7,1 Hektar große Waldstück erstmals als Wohnbaufläche enthalten. Rechnerisch wurden dort 57 bis 85 Wohneinheiten angenommen.
Die fachliche Begründung verwies auf die Lage innerhalb des Siedlungszusammenhangs und auf einen bereits durch Straßen und angrenzende Bebauung beeinflussten Waldbestand. Der Ortsbeirat Michendorf lehnte die Aufnahme jedoch einstimmig ab. Im jüngsten Arbeitspapier folgt die Verwaltung diesem Votum: Die Fläche soll derzeit nicht berücksichtigt werden.
Kleineres Gewerbegebiet statt großer Entwicklungsfläche
Westlich der Michendorfer Chaussee bleibt die Gewerbefläche "MD-4" erhalten, wird aber von rund zwei auf etwa 1,7 Hektar verkleinert. Zwischen Gewerbe und angrenzender Wohnnutzung soll ein 40 Meter breiter Waldstreifen als Abstand bestehen bleiben.
Nicht weiterverfolgt wird dagegen vorerst die fast 30 Hektar große Gewerbefläche "MD-5" südlich der Autobahnraststätte. Die Gemeinde wolle zunächst übergeordnete und gemeindeübergreifende Untersuchungen zum Umfeld des Güterbahnhofs Seddiner See abwarten. Sollte sich später ein konkreter Bedarf ergeben, wäre eine gesonderte Änderung des Flächennutzungsplans möglich.
Unverändert bleiben in Michendorf die Photovoltaikfläche an der Luckenwalder Straße und der A10, eine Erweiterungsfläche für Einzelhandel sowie die rund 1,9 Hektar große Gemeinbedarfsfläche Am Sportplatz. Letztere ist als Reserve für Schule und Sport vorgesehen und bereits im geltenden Flächennutzungsplan enthalten.
Wilhelmshorst: Alte Gärtnerei und Am Waldrand bleiben
In Wilhelmshorst hält die Gemeinde an zwei größeren Wohnbauflächen fest. Am Waldrand sollen rund 2,45 Hektar für etwa 20 bis 29 Wohneinheiten vorgesehen werden.
Die Fläche besteht heute überwiegend aus Wald und liegt teilweise in einem landschaftlich sensiblen Bereich. Einwände betreffen deshalb insbesondere Waldverlust, Ortscharakter und Landschaftsschutz.
Die Verwaltung argumentiert, dass Wilhelmshorst nur über wenige größere Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des vorgesehenen Siedlungsbereiches verfüge.
Der Ortsbeirat sprach sich mehrheitlich gegen eine Änderung der bisherigen Planung aus.
Das gilt auch für die Alte Gärtnerei. Auf rund vier Hektar wird von 32 bis 48 potenziellen Wohneinheiten ausgegangen. Heute befinden sich dort unter anderem Garten- und Wochenendnutzungen. Auch diese Fläche bleibt im aktuellen Arbeitsstand enthalten.
Anders fiel die Bewertung an der Dr.-Albert-Schweitzer-Straße aus. Der Ortsbeirat unterstützte dort die Aufnahme weiterer Grundstücke. Die Verwaltung lehnt dies bislang ab und verweist unter anderem auf die fehlende Vorprägung sowie auf die Nähe zur Bahnstrecke und die damit verbundene "Lärmbelastung".
Wildenbruch: Mehrere Konflikte bleiben ungelöst
In Wildenbruch ändern sich die rechnerischen Gesamtwerte nur wenig. Statt 9,93 Hektar werden nun etwa 9,66 Hektar potenzielle Siedlungsflächen betrachtet. Dahinter stehen jedoch mehrere politisch umstrittene Einzelentscheidungen.
Die Fläche "WB-2" zwischen Kirschsteig und Heidestraße umfasst rund 3,4 Hektar und könnte Platz für 27 bis 40 Wohneinheiten bieten. Der Ortsbeirat sprach sich gegen eine weitere Verfolgung aus. Die Verwaltung lässt bislang sowohl die Beibehaltung als auch einen Verzicht offen.
Für die Fläche werden erhebliche Konflikte mit dem Biotop- und Artenschutz, Klima und Wasserhaushalt beschrieben. Zudem könnten gesetzlich geschützte Biotope betroffen sein.
Ähnlich widersprüchlich ist die Lage östlich der Heidestraße. Die etwa 3,2 Hektar große Fläche "WB-4" bleibt im fachlichen Arbeitsstand enthalten, obwohl der Ortsbeirat eine Fortsetzung der Planung mehrheitlich ablehnte. Ihre Umweltverträglichkeit wird derzeit als nur bedingt geeignet eingeschätzt.
An der Grenzstraße läuft bereits ein Bebauungsplanverfahren für etwa neun bis 14 Wohneinheiten. Auch die kleinere Fläche am Tremsdorfer Weg bleibt bestehen.
Weitere Vorschläge, unter anderem am Dehlinger Weg und an der Karl-Marx-Straße, werden nicht aufgenommen.
Bei Flächen an der Alten Poststraße und im Bereich Im Winkel hat sich die Position der Verwaltung nach den Beratungen des Ortsbeirates teilweise verändert. Im Winkel soll nun eine auf den Straßenraum begrenzte Wohnbaufläche geprüft werden. An der Alten Poststraße soll der Wildenbrucher Teil dagegen nicht weiterverfolgt werden.
Langerwisch: Eine Fläche entfällt, eine andere kommt hinzu
In Langerwisch sinkt die vorgesehene Gesamtfläche geringfügig von 4,24 auf 4,13 Hektar.
Das rechnerische Potenzial liegt nun bei etwa 26 bis 40 Wohneinheiten.
Am Priesterweg wird die Wohnbaufläche von 0,64 auf rund 0,52 Hektar verkleinert. Hintergrund sind der Schutz der Sichtbeziehungen zur Dorfkirche und denkmalpflegerische Belange.
Statt fünf bis acht werden dort noch vier bis sechs Wohneinheiten angenommen.
Nicht mehr als Wohnbaufläche berücksichtigt werden soll der Bereich Am alten Vorwerk.
Die rund einen halben Hektar große Fläche wird wegen des historischen Ortsbildes, des Baumbestandes und der Nähe zu denkmalgeschützten Strukturen gestrichen. Ein vorhandener "Fitnessweg" soll als Grünverbindung dargestellt werden.
Neu aufgenommen werden soll dagegen eine etwa 0,53 Hektar große Fläche an Menzelstraße und Rosenweg. Dort könnten vier bis sechs Wohneinheiten entstehen. Ortsbeirat und Verwaltung unterstützen die Aufnahme.
Stücken: Erst gestrichen, nun wieder im Verfahren
Besonders wechselhaft ist der Stand in Stücken. Die etwa einen halben Hektar große Fläche "ST-1" an der Zauchwitzer Straße sollte nach der fachlichen Prüfung zunächst entfallen.
Als Gründe wurden geringe Grundwasserabstände, erhebliche Umweltauswirkungen und die landschaftliche Empfindlichkeit genannt. Die Umweltprüfung bezeichnet die Fläche als sehr konfliktträchtig.
Der Ortsbeirat lehnte die Streichung jedoch ab. Im aktualisierten Arbeitspapier schließt sich die Verwaltung nun dieser Haltung an und will die Fläche weiter untersuchen. Als Argumente werden die integrierte Lage und eine gesicherte Erschließung genannt. Rechnerisch könnten dort vier bis sechs Wohneinheiten entstehen.
Der Sportplatz an der Seddiner Straße soll als Gemeinbedarfsfläche für Sport gesichert werden. Weitere Wünsche nach Bau-, Parkplatz- oder Energieflächen im Landschaftsschutzgebiet fanden dagegen keine Zustimmung. Auch für einen Reiterhof an der Landesstraße 73 soll keine besondere Baufläche dargestellt werden, weil solche landwirtschaftlich geprägten Nutzungen unter bestimmten Voraussetzungen bereits im Außenbereich zulässig sein können.
Fresdorf bleibt nahezu unverändert
Im kleinsten Ortsteil Fresdorf sind keine größeren neuen Siedlungsentwicklungen vorgesehen. Die bereits untersuchte Fläche "FD-1" an der Fresdorfer Bergstraße bleibt mit rund 0,47 Hektar im Plan. Dort werden vier bis sechs Wohneinheiten angenommen.
Ein Teilbereich an der Alten Poststraße, der räumlich Fresdorf zugeordnet wird, soll nach dem jüngsten Arbeitspapier ebenfalls weiter betrachtet werden.
Die eigentliche Abwägung beginnt erst
Der aktuelle Arbeitsstand zeigt, dass die 429 Stellungnahmen nicht folgenlos geblieben sind. Große Wald- und Gewerbeflächen wurden gestrichen oder verkleinert, einzelne örtliche Vorschläge neu aufgenommen. Bei anderen Vorhaben halten Verwaltung und Fachplanung trotz erheblicher Einwände an einer weiteren Prüfung fest.
Gleichzeitig sind mehrere Fragen offen. Dazu gehört unter anderem die Zukunft der großen Wohnbaufläche "MD-3" und des Pferdehofes. Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung soll deshalb noch keinen fertigen Flächennutzungsplan beschließen. Er berät einen Zwischenstand, bei dem selbst die Anlagen teilweise unterschiedliche Stadien der Bearbeitung zeigen.
Danach müssen die Unterlagen weiter überarbeitet und erneut politisch behandelt werden.





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