Solar-Ansturm in Michendorf: Selbst die Ausstellungsstücke gingen weg
Michendorf – Kostenloser Sonnenstrom vom eigenen Balkon? Das lockte am Samstag offenbar reichlich Interessenten an den Alfa Bau- und Gartenmarkt. Bei einer Verschenkeaktion der Grünen waren nach Angaben der Veranstalter schon nach kurzer Zeit sämtliche Solarmodule vergeben.

Bild: Landelin Winter/B90 Grüne Brandenburg
Am Ende hätten sogar die Ausstellungsstücke Abnehmer gefunden. Organisiert hatten die Aktion am 17. Oktober Landelin Winter, Sprecher der Grünen Jugend Brandenburg, und der bündnisgrüne Ortsverband Michendorf.
Auch der Landesvorsitzende Clemens Rostock unterstützte das Angebot. Besucher konnten sich über Balkonkraftwerke informieren, Module mitnehmen und beim Zusammenbau helfen lassen.
Module gratis, Wechselrichter für 49 Euro
Verschenkt wurden laut Pressemitteilung Solarmodule mit jeweils 410 Watt Leistung.
Passende Wechselrichter mit 800 Watt Leistung seien für 49 Euro erhältlich gewesen.
An mehreren Stationen habe es Beratung und praktische Unterstützung gegeben.
Die kostenlosen Module und vergünstigten Wechselrichter sollten nach Darstellung der Organisatoren auch Menschen mit kleinem Geldbeutel den Einstieg ermöglichen.
Die Nachricht von der Aktion hatte sich offenbar über die Gemeindegrenzen hinaus verbreitet: Sogar aus Oberhavel sei ein Interessent mit einem Zeitungsausschnitt angereist, berichtet Winter.

Bild: Landelin Winter/B90 Grüne Brandenburg
Wie viele Module insgesamt ausgegeben wurden und wie viele Besucher kamen, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor. Susanne Dütz, Sprecherin des grünen Ortsverbandes, zeigte sich von der Nachfrage überrascht.
Viele Interessierte hätten bislang nicht gewusst, wie preiswert der Einstieg in die eigene Stromerzeugung sein könne. Potenzial sieht sie auch bei Mietwohnungen: In Michendorf gebe es zahlreiche Balkone mit Südausrichtung, die gute Voraussetzungen böten.
Wie viel lässt sich tatsächlich sparen?
Winter stellt vor allem die mögliche Entlastung bei der Stromrechnung heraus. Jede selbst erzeugte und unmittelbar im Haushalt verbrauchte Kilowattstunde spare den entsprechenden Einkauf beim Versorger. Über 20 Jahre seien dadurch gut 2.000 Euro Ersparnis möglich.
Eine konkrete Berechnung für diese Summe liefert die Pressemitteilung nicht. Welche Anlagengröße, welcher Strompreis und welcher Eigenverbrauch zugrunde liegen, bleibt offen.
Die genannte Ersparnis ist damit eine Einschätzung des Veranstalters und keine belegte Zusage für jeden Haushalt.
Nach Winters Angaben würden bei solchen Aktionen meist andernorts ausrangierte Module eingesetzt, die weiterhin Strom liefern könnten. Auf diese Weise lasse sich deren Nutzungsdauer verlängern.
Landeschef nutzt Aktion für Kritik an Berlin
Neben Beratung und Technik gab es auch eine politische Botschaft. Grünen-Landeschef Rostock nutzte den Termin für scharfe Kritik an der Energiepolitik der Bundesregierung.
Er warf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor, die Energiewende zu behindern.
Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern mache den Menschen finanziell zu schaffen, so seine Argumentation.
Den Andrang wertete Rostock als Zeichen dafür, dass Bürger die Energiewende selbst mitgestalten wollten. Ob die Besucher diese politische Bewertung teilten, lässt sich aus der Nachfrage nach kostenlosen Modulen allerdings nicht ableiten.
Weitere Verschenkaktionen kündigte Rostock bereits an. Einen neuen Termin oder Veranstaltungsort nannten die Grünen zunächst nicht.





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