Verbrauchertipp: DNS:NET streicht Fernsehen aus Glasfaserpaketen
Michendorf – Erst war das Fernsehen im Glasfaservertrag enthalten, jetzt sollen Kunden für einen Ersatz zusätzlich bezahlen. Der Internetanbieter DNS stellt sein bisheriges IPTV-Angebot bis Ende 2026 vollständig ein. Betroffen sind auch Haushalte in Michendorf, denen Fernsehen ursprünglich als kostenlose Inklusivleistung angeboten wurde. Während das TV-Angebot verschwindet, bleibt der bisherige Internetvertrag bestehen. In den sozialen Netzwerken sorgt das für Kritik. Die Rede ist von einer „verdeckten Preiserhöhung“.
Der MIR liegt ein Kundenschreiben vom 19. Oktober vor. Darin kündigt DNS die bisherige TV-Option „IPTV Premium HD“ zum 30. November 2026. Als Ersatz bietet das Unternehmen den Streamingdienst waipu.tv an. Das Paket „Perfect Plus“ soll in den ersten zwölf Monaten 7,49 Euro monatlich kosten, anschließend 14,99 Euro. Das neue Angebot ist monatlich kündbar.
Für Fernsehen künftig fast 180 Euro mehr im Jahr?
Besonders interessant sind die ursprünglichen Tarifunterlagen, die der MIR ebenfalls vorliegen. Darin wurde ein Glasfaseranschluss mit 1.000 MBit/s Downloadgeschwindigkeit für zunächst 19,90 Euro monatlich angeboten. Ab dem 13. Monat sollte der Preis auf 59,90 Euro steigen. Eine FRITZ!Box und „Premium HD-TV“ waren ausdrücklich als inklusive gekennzeichnet.
Nun fällt die Fernsehleistung weg. Eine entsprechende Reduzierung des bisherigen Paketpreises wird im Kündigungsschreiben nicht angekündigt. Stattdessen erklärt DNS, dass der Internet- und Telefonvertrag unverändert bestehen bleibe.
Wer weiterhin über das neue Angebot fernsehen möchte, müsste bei unverändertem Internetpreis künftig 67,39 Euro monatlich bezahlen. Nach Ablauf des Sonderangebots wären es sogar 74,89 Euro. Gegenüber dem bisherigen Paket entspricht das Mehrkosten von 89,88 Euro im ersten und 179,88 Euro in jedem weiteren Jahr.
Das Unternehmen bestätigt auf seiner Internetseite ausdrücklich, dass auch bisher kostenlose IPTV-Tarifoptionen eingestellt werden. Der Wechsel zu waipu.tv ist allerdings freiwillig. Wer kein neues Fernsehpaket buchen möchte, muss nichts unternehmen und zahlt auch keinen zusätzlichen Betrag.
Jahrelang warb auch das Rathaus für DNS:NET
Dass die Entscheidung auch Michendorfer Haushalte betrifft, hat mit der Geschichte des Glasfaserausbaus zu tun.
DNS:NET ist seit vielen Jahren in der Gemeinde aktiv. Ab 2021 wurde der großflächige Glasfaserausbau in den sechs Ortsteilen vorangetrieben. Die Gemeindeverwaltung unterstützte das Vorhaben ausdrücklich und bezeichnete DNS auf ihrer Internetseite als „Kooperationspartner“.
Es gab Informationsveranstaltungen, Bürgersprechstunden und Unterstützung bei der Vermarktung der Anschlüsse. Die Gemeinde stellte sogar ein offizielles Unterstützungsschreiben aus, das Vertriebsmitarbeiter bei Hausbesuchen vorzeigen konnten.
Auch auf der Internetseite der Gemeinde wurden die damaligen Tarife vorgestellt. Dort ist nachzulesen, dass alle Glasfasertarife neben einer Telefon-Flatrate auch ein HD-TV-Paket enthalten sollten. Für den 1.000-MBit/s-Anschluss wurde der reguläre Monatspreis mit 59,90 Euro angegeben.
Die Gemeinde war damit zwar keine Vertragspartnerin der Kunden, begleitete die Vermarktung des Angebots aber über Jahre hinweg.
Michendorfer Kunden machen ihrem Ärger Luft
Unter einer Veröffentlichung von Michendorf.Blick auf Facebook wird die Entscheidung bereits kritisch diskutiert. „Verdeckte Preiserhöhung“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer bemängelt: „Weniger Leistung gleicher Preis oder ordentlich zuzahlen.“
Auch die Konditionen des Ersatzangebots stoßen auf Skepsis. Mehrere Kommentatoren weisen darauf hin, dass waipu.tv möglicherweise direkt günstiger gebucht werden könne. Andere diskutieren, ob sich ein Wechsel des Internetanbieters lohnt.
Ob tatsächlich ein vergleichbares Fernsehpaket zu besseren Konditionen erhältlich ist, hängt allerdings vom jeweiligen Angebot ab.
DNS verspricht mehr Fernsehen
Das Unternehmen selbst stellt die Umstellung deutlich positiver dar. Bereits im Juli hatte DNS seine Partnerschaft mit waipu.tv angekündigt und dabei von einer Erweiterung seines Fernsehangebots gesprochen.
Tatsächlich bietet waipu.tv Perfect Plus mit mehr als 300 Sendern, darunter zahlreichen Pay-TV-Programmen, einen größeren Umfang als die bisherigen DNS. Hinzu kommen Aufnahmefunktionen und eine umfangreiche Mediathek.
Der Unterschied für betroffene Bestandskunden liegt allerdings auf der Hand: Was bislang im monatlichen Gesamtpreis enthalten war, soll künftig zusätzlich kosten.
Können Kunden ihren Vertrag kündigen?
Betroffene sind der Änderung nicht schutzlos ausgeliefert. DNS räumt in seinem Schreiben ausdrücklich ein Sonderkündigungsrecht ein. Innerhalb von drei Monaten nach Zugang der Mitteilung kann der Vertrag ohne Kündigungsfrist und ohne zusätzliche Kosten gekündigt werden. Frühestens endet er im dokumentierten Fall am 30. November.
Ob Kunden stattdessen eine Reduzierung ihres bisherigen Monatspreises verlangen können, ist damit noch nicht geklärt. Das hängt unter anderem von den individuellen Vertragsbedingungen und der rechtlichen Einordnung der bisherigen TV-Leistung ab.
Eine weitere Frage beschäftigt die Michendorfer: Gibt es überhaupt Alternativen zum Glasfaseranschluss von DNS? Die Gemeinde weist darauf hin, dass das Unternehmen ein sogenanntes Open-Access-Netz betreibt, das grundsätzlich auch anderen Anbietern offensteht. Welche Unternehmen tatsächlich an einer bestimmten Adresse buchbar sind, muss jedoch individuell geprüft werden. Die bisherigen Kupferanschlüsse der Telekom wurden durch den Glasfaserausbau nicht automatisch abgeschaltet.
Für die betroffenen Kunden bleibt damit eine entscheidende Frage: Warum soll eine bislang im Vertrag enthaltene Leistung wegfallen, ohne dass der monatliche Grundpreis entsprechend sinkt?
DNS bietet den Kunden zwar ein umfangreicheres Fernsehpaket und die Möglichkeit zur Sonderkündigung. Ob damit sämtliche vertraglichen Ansprüche erfüllt sind, ist jedoch offen.





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