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Wer zuerst kommt, parkt zuerst – und macht das Laden am Rathaus unmöglich

Michendorf - Die neue Ladesäule am Rathaus ist in Betrieb – doch wer sein E-Auto dort laden will, könnte im Alltag schnell vor einem Problem stehen. Denn: Die Stellplätze davor sind ganz normale Parkplätze - und davon gibt es am Rathaus viel zu wenige.


Fünf Plätze – aber keiner exklusiv fürs Laden

Auf dem "Kunden"-Parkplatz am Rathaus gibt es insgesamt fünf Stellplätze, darunter ein Behindertenparkplatz. Die neue Ladesäule mit zwei Ladepunkten wurde zwischen dem dritten und vierten Parkplatz installiert.


Was vor Ort sofort auffällt: Keine Beschilderung. Kein Hinweis auf E-Autos. Keine Reservierung.

Das bedeutet konkret: Auch Fahrzeuge ohne Elektroantrieb dürfen dort parken – selbst direkt vor der Ladesäule.


Rechtlich klar – praktisch ein Problem

Die Rechtslage ist eindeutig: Ohne entsprechende Verkehrszeichen gelten die Flächen nicht als E-Auto-Parkplätze.


Die Folge:

  • Verbrenner dürfen die Plätze legal nutzen

  • E-Autos haben keinen Vorrang

  • Blockierte Ladesäulen können kaum geahndet werden


Im Alltag kann das dazu führen, dass die Ladesäule zwar vorhanden ist – aber schlicht nicht genutzt werden kann.


Gemeinde sieht keinen Handlungsbedarf

Auf Nachfrage der Redaktion teilte eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung mit, dass die Parkplätze weiterhin allen Besuchern des Rathauses zur Verfügung stehen. Eine gesonderte Kennzeichnung sei daher nicht notwendig.


Mit anderen Worten: Die Gemeinde setzt auf ein offenes Parkplatzkonzept – verzichtet aber bewusst darauf, das Laden von E-Autos an diesem Standort zu priorisieren.


Ausbau gemeinsam mit Potsdamer Energieversorger

Die neue Ladesäule wurde Ende März gemeinsam mit der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) in Betrieb genommen. Sie ist Teil einer Kooperation, die das Michendorfer Angebot stärker mit dem Ladenetz in Potsdam verzahnen soll.


Nach Angaben aus der Verwaltung wolle man damit die Elektromobilität im Alltag fördern. Nutzer können zu einheitlichen Konditionen laden – aktuell zu 52 Cent pro Kilowattstunde im AC-Bereich, mit einer maximalen Ladedauer von vier Stunden.


Insgesamt betreibt die Gemeinde inzwischen fünf öffentliche Ladepunkte – unter anderem am Rathaus, am Bahnhof Michendorf und in Wilhelmshorst.


Kritik: „Zu teuer“ – und falsch verteilt?

In sozialen Netzwerken fällt die Reaktion gemischt aus. Ein Nutzer merkt an, dass das Laden mit 52 Cent pro Kilowattstunde deutlich teurer sei als bei Discountern oder anderen Anbietern. Dort werde teils für deutlich unter 40 Cent geladen – teilweise sogar schneller.


Auch die Standortwahl sorgt für Diskussionen. Während rund um das Rathaus inzwischen mehrere Lademöglichkeiten vorhanden sind, fühlen sich andere Ortsteile offenbar abgehängt. Aus Stücken wird etwa berichtet, dass ein früherer Wunsch nach einer Ladesäule abgelehnt worden sei – trotz vorhandener Nachfrage.


Infrastruktur da – Nutzen fraglich

Die Gemeinde baut die Ladeinfrastruktur sichtbar aus. Doch ausgerechnet am zentralen Standort bleibt eine entscheidende Frage offen: Wie sinnvoll ist eine Ladesäule, wenn nicht sichergestellt ist, dass sie genutzt werden kann?


Ohne klare Regelung vor Ort entsteht ein Zielkonflikt zwischen allgemeinem Parken und gezielter Förderung der Elektromobilität.


Oder anders gesagt:Die Ladesäule steht – aber ob man dort wirklich laden kann, entscheidet der Zufall.

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